Blüten und Perlen: Liebe Mitglieder:innen

Sarah Pally, Linguistin und Partnerin bei der Agentur Partner & Partner, nimmt in ihrer Kolumne «Blüten und Perlen» die (Werbe-)Sprache unter die Lupe. Dieses Mal dreht sich alles ums Gendern.

Gendern ist sprachlich gesehen selten eine wirkliche Herausforderung – trotzdem macht man damit fast immer etwas falsch. Man gendert es nie allen recht.

Zu viel, zu wenig, zu demonstrativ, zu nonchalant… alles bekommt man um die Ohren gehauen, noch am selben Tag. Und das auch in Fällen, die sprachlich eigentlich völlig klar sind und gar nichts mit dem Thema zu tun haben.

Dass eine Bank eine Arbeitgeberin ist, hat mit unterschwelliger Ideologie nichts zu tun, sondern mit Grammatik. Ebenso wenig steckt Weltanschauung dahinter, wenn Mitglieder nicht gegendert werden. Genus und Gendern ist nicht dasselbe – bei ersterem gibt es keinen Spielraum, bei zweiterem zu viel.

Sumpfige Fettnäpfin

Der Duden bietet zwar Möglichkeiten für das Gendern an, aber keine Norm. Darum sind wir alle nun Genderpionierende und der Duden wird sich solange zurückhalten, bis sich auf dem Schlachtfeld der Ideologien endlich etwas durchgesetzt hat, um das dann zur Norm zu krönen.

Dieses Pioniertum ist anstrengend und braucht manchmal sogar Fantasie und Anpassungsfähigkeit (blörg), muss ständig abgeglichen (argh) und diskutiert werden (ach nö) und braucht insgesamt einen starken Willen (längst gebrochen). Eine riesige, sumpfige, kaum zu umgehende Fettnäpfin. Das ist für die meisten verständlicherweise eine Überforderung und nervt irgendwann einfach.

Wer also gendert und sich dabei auch noch Mühe gibt, leistet definitiv Pionierarbeit. Und wer nicht gendert, hat definitiv nichts begriffen. Gendern sollte unideologisch sein, selbstverständlich – normal. Aber für Normalität braucht es eine Norm. Also, mach mal hin, Duden.

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