Was Salvador Dalí über Prioritäten wusste

Vor kurzem hatte Salvador Dalí Geburtstag. Kein Name, den man spontan mit Fokus oder Strategie verbindet. Und doch jemand, der in seiner Arbeit eine Konsequenz verkörperte, die im Alltag selten ist.

Die zerfliessenden Uhren von Salvador Dalí sind ikonisch. Sie können auch symbolisch für den Umgang mit Priorität gelesen werden. (Bild: Depositphotos.com)

Schmelzende Uhren. Ein aufgedrehter Schnurrbart. Bilder, die sich ins Gedächtnis brennen. Dalí war Exzentriker und Provokateur, einer, über den man sich schwer keine Meinung bildet. Aber hinter dem Spektakel steckte eine bemerkenswerte Disziplin: Dalí hat nie versucht, alles zu malen.

Surrealismus. Tiefe. Zeit. Traum. Das war sein Terrain, jahrzehntelang, während andere Künstler stilistisch herumsprangen. Seinen Fokus hat er nicht verbreitert. Er hat ihn radikalisiert.

Das mag weit weg klingen vom beruflichen Alltag. Und doch zeigt sich in der Arbeit mit Teams und Einzelpersonen immer wieder dasselbe Bild: Die Frage nach den drei wichtigsten strategischen Prioritäten erzeugt selten drei klare Antworten. Sie erzeugt sechs, acht, manchmal zehn. Jeder im Raum hat eine leicht andere Version. Alle liegen irgendwie nicht falsch.

Genau darin liegt das Problem.

Das Wort «Priority» war übrigens ursprünglich ein Singular. Es gab nicht «Prioritäten», es gab «die Priorität». Wir haben daraus einen Plural gemacht, mit vorhersehbaren Folgen. Wer alles priorisiert, hat nichts priorisiert.

Drei Beobachtungen aus der Praxis:

  1. Klarheit zwingt zu Entscheidungen. Deshalb weichen viele ihr aus. Ein konkretes Zielbild schliesst Optionen aus. Das fühlt sich nach Verlust an. Es ist trotzdem der eigentliche Hebel.
  2. Mehr als drei Prioritäten sind keine Priorisierung. Es ist eine Liste. Listen beruhigen. Sie verändern in der Regel nichts.
  3. Ein starkes Warum schützt den Fokus. Wenn das Team nicht versteht, warum eine Priorität wirklich wichtig ist, verliert sie den Wettbewerb mit dem Operativen. Immer. Der Kalender lügt nicht: Was keine Zeit bekommt, ist keine Priorität.

Dalí hat einmal gesagt, er sei der Einzige, der den Surrealismus nicht verstehen müsse, weil er selbst der Surrealismus sei. Ein selbstbewusster Satz. Aber dahinter steckt etwas Konkretes: Er wusste genau, wofür er stand.

Drei Reflexionsfragen dazu:

  • Wenn Sie heute drei Mitarbeitende fragen, was die drei wichtigsten Prioritäten sind: Bekommen Sie drei übereinstimmende Antworten, oder sieben verschiedene?
  • Welche Priorität auf Ihrer aktuellen Liste würde wegfallen, wenn Sie wirklich ehrlich wären?
  • Was steht in Ihrem Kalender der letzten zwei Wochen, das nichts mit Ihren Top-Prioritäten zu tun hatte?

Dalí hätte diese Fragen wahrscheinlich nicht gestellt. Er hätte einfach alles gestrichen, was nicht auf die Leinwand gehört, und weitergemalt.

 

Zum Autor:
Volkmar Völzke ist Erfolgs-Maximierer. Buchautor. Berater. Coach. Speaker. www.volkmarvoelzke.ch

(Visited 221 times, 1 visits today)

Weitere Beiträge zum Thema