Automatenshops im Aufwind

Leerstehende Geschäftsflächen und veränderte Konsumgewohnheiten treiben den Wandel im Schweizer Handel voran. Eine repräsentative Studie von Marketagent zeigt: Automatenshops gewinnen an Bekanntheit und Akzeptanz – besonders bei der jungen Generation.

Rund-um-die-Uhr-Einkauf ist bei Jungen besonders beliebt. Quelle: Unsplash.com

Leerstehende Geschäftsflächen, veränderte Konsumgewohnheiten und der Wunsch nach flexiblen Einkaufsmöglichkeiten verändern den Handel nachhaltig. Eine repräsentative Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Marketagent, für die 1’000 Personen im Alter von 14 bis 75 Jahren repräsentativ für die Schweizer Bevölkerung befragt wurden, zeigt: Automatenshops – also Geschäfte ohne Personal, in denen Produkte rund um die Uhr aus Automaten gekauft werden können – gewinnen zunehmend an Bekanntheit und Akzeptanz.

Sorge über Leerstände in Innenstädten

Die Entwicklung vieler Ortszentren bereitet der Bevölkerung zunehmend Sorgen. 63 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer haben den Eindruck, dass die Zahl leerstehender Geschäfte zunimmt, und 72 Prozent empfinden diese Entwicklung grundsätzlich als besorgniserregend. Die Suche nach neuen Nutzungsmöglichkeiten für leerstehende Geschäftsflächen wird damit immer wichtiger.

Hohe Bekanntheit, wachsendes Interesse

Genau hier kommen Automatenshops ins Spiel. Vielen sind sie bereits ein Begriff: 88 Prozent der Befragten haben schon einmal von Automatenshops gehört, und 29 Prozent haben bereits selbst in einem solchen Shop eingekauft. Besonders offen zeigt sich die junge Generation: Bei der Generation Z liegt der Anteil der bisherigen Nutzer:innen bereits bei rund 40 Prozent. Zum Vergleich: Bei den Babyboomern sind es lediglich 14 Prozent.

Flexibel und praktisch – aber nicht ohne Kritik

Der grösste Vorteil aus Sicht der Konsument:innen liegt in der durchgehenden Verfügbarkeit: 64 Prozent schätzen, dass Automatenshops rund um die Uhr geöffnet sind. 57 Prozent sehen sie als praktische Lösung für Notfälle, etwa wenn dringend ein Produkt benötigt wird und klassische Geschäfte bereits geschlossen sind. Jede:r Vierte sieht darin ausserdem eine zeitsparende Möglichkeit, Einkäufe rasch zu erledigen (25 Prozent). Ebenfalls positiv bewertet wird die Möglichkeit, regionale Produkte anzubieten (20,5 Prozent).

Auf der anderen Seite gibt es auch Kritik: Drohende Arbeitsplatzverluste im Handel (46 Prozent), mögliche technische Störungen (41 Prozent), eine begrenzte Produktauswahl (41 Prozent) sowie Preisaufschläge auf Produkte (40 Prozent) zählen zu den grössten Bedenken der Befragten.

Ergänzung statt Ersatz für den Handel

Als besonders geeignete Standorte für Automatenshops gelten laut Studie vor allem Bahnhöfe und Haltestellen (56 Prozent) sowie ländliche Regionen mit eingeschränkter Nahversorgung (36 Prozent). Insgesamt sieht eine Mehrheit Automatenshops nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zum bestehenden Handel: Fast zwei Drittel betrachten sie als sinnvolle Ergänzung zum stationären Einzelhandel (62 Prozent), während 50 Prozent glauben, dass Automatenshops helfen könnten, Leerstände zu füllen und Strassen wieder zu beleben. Gleichzeitig spricht sich die Hälfte der Bevölkerung für Einschränkungen von Automatenshops in der Nacht oder in Wohngebieten aus.

Roland Zeindler, Geschäftsführer von Marketagent Schweiz, zieht folgendes Fazit: «Automatenshops treffen auch in der Schweiz einen Nerv der Zeit. Vor allem bei der Generation Z kommt das Konzept gut an: Für sie stehen Flexibilität, Tempo und Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit klar im Vordergrund. Ältere Konsumentinnen und Konsumenten begegnen Automatenshops hingegen deutlich zurückhaltender. Das zeigt: Als Ergänzung zum klassischen Handel haben Automatenshops Potenzial, sie müssen aber Vertrauen schaffen, verständlich funktionieren und ihren Mehrwert klar vermitteln. Gerade dort, wo Nahversorgung Lücken aufweist oder Leerstände neue Nutzungskonzepte verlangen, können sie ein spannender Baustein sein.»

Quelle: www.marketagent-schweiz.ch

(Visited 88 times, 1 visits today)

Weitere Beiträge zum Thema