Digitalisierung in den Gemeinden: Zusammenarbeit erwünscht, Unterstützung nötig

Die Mehrheit der Schweizer Gemeinden möchte die digitale Transformation gemeinsam angehen – scheitert in der Praxis aber oft an unterschiedlichen IT-Systemen und fehlender Autonomie. Eine aktuelle Umfrage zeigt zudem: Bei der e-ID haben die Gemeinden einen erheblichen Informationsbedarf.

Idyllisch gelegen, aber viel Arbeit im Hintergrund mit der Digitalisierung: Eine neue Umfrage ortet bei Schweizer Gemeinden verschiedene Hürden bei der digitalen Transformation. (Symbolbild; Quelle: Unsplash.com)

639 Schweizer Gemeinden – fast jede dritte – haben im Frühjahr 2026 an der jährlichen Umfrage zum Stand der digitalen Transformation teilgenommen. Durchgeführt wurde sie vom Verein Myni Gmeind, dem Schweizerischen Gemeindeverband (SGV) und der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Die hohe Rücklaufquote wertet FHNW-Studienleiter Joachim Tillessen als aussagekräftige Datengrundlage und als Beleg dafür, welche Relevanz die Gemeinden dem Thema Digitalisierung beimessen. Unterstützt wurde die Umfrage auch von der Digitalen Verwaltung Schweiz (DVS) im Rahmen der digitalen Bildungsoffensive.

Kooperationswunsch trifft auf Praxishürden

Sechs von zehn Gemeinden (62 Prozent) möchten die digitale Transformation im Verbund angehen. Als Vorteile der Zusammenarbeit werden insbesondere der Austausch von Know-how und Erfahrungen sowie positive Effekte auf Qualität und Effizienz genannt. Gleichzeitig spielt die Sorge eine Rolle, die Transformation alleine nicht bewältigen zu können – mehr als die Hälfte aller Schweizer Gemeinden zählt weniger als 2000 Einwohnende und verfügt entsprechend über eine schlanke Verwaltungsstruktur.

Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine deutliche Lücke. Bei der Frage nach der tatsächlich gelebten Kooperation bewerten sich die Gemeinden im Schnitt mit der ungenügenden Note 3,8; fast ein Drittel der Teilnehmenden vergab sich gar eine Note von 3,0 oder weniger. Als Hürden gelten sowohl der Verlust an Selbstbestimmung und politisch gewollter Autonomie als auch praktische Hindernisse wie unterschiedliche IT-Systeme.

Wird eine Zusammenarbeit angestrebt, stehen auf operativer Ebene die Nachbargemeinden im Vordergrund, gefolgt von Verbänden und Gemeindeorganisationen. Die Zusammenarbeit mit Kanton oder Bund spielt bei Kooperationsprojekten kaum eine Rolle. Stattdessen wünschen sich die Gemeinden von diesen Staatsebenen klarere Vorgaben und eine stärkere Steuerung. Weitere kritische Erfolgsfaktoren sind die Verfügbarkeit von personellen und finanziellen Ressourcen, eine der Digitalisierung aufgeschlossene Führung sowie die Koordination mit weiteren Akteuren.

«GemeindeConnect» als Antwort auf Doppelspurigkeiten

Mit dem Projekt «GemeindeConnect» begegnen der Verein Myni Gmeind und der Schweizerische Gemeindeverband genau diesem Koordinationsbedarf. Das Projekt zielt darauf ab, kantonsweit gemeinsam einheitliche Digitalisierungsservices aufzubauen und Doppelspurigkeiten zu vermeiden. «In den Kantonen Solothurn und Freiburg konnten wir die Pilotphasen kürzlich erfolgreich abschliessen», sagt SGV-Direktorin Claudia Kratochvil. «Dank der finanziellen Unterstützung der Digitalen Verwaltung Schweiz wollen wir ‹GemeindeConnect› nun auch in weiteren Kantonen einführen.»

e-ID: Bedeutung erkannt, Informationsstand ungenügend

Ein weiterer Schwerpunkt der Umfrage galt der e-ID, deren Einführung voraussichtlich noch in diesem Jahr ansteht. Die Resultate zeigen, dass die e-ID von den Gemeinden grundsätzlich als wichtiger Baustein der digitalen Verwaltung wahrgenommen wird. Dennoch beurteilen fast 70 Prozent der Befragten ihren aktuellen Informationsstand als unklar oder geben an, kaum über ausreichende Informationen zu verfügen, um die kommenden Veränderungen fundiert einschätzen und sich vorbereiten zu können. Lediglich 3 Prozent bezeichnen den Informationsstand als klar.

Die Gemeinden erwarten den Einsatz der e-ID primär in klassischen Verwaltungsprozessen, in denen heute noch Formulare, Nachweise und Bescheinigungen dominieren – etwa bei Wohnsitzbestätigungen. Anwendungen in Bereichen wie Freizeitangebote, Bibliotheken, Schule oder Abstimmungen und Wahlen werden deutlich später erwartet.

«Die Gemeinden erkennen die Bedeutung der e-ID, befinden sich jedoch mehrheitlich noch in einer Orientierungsphase und haben einen hohen Informationsbedarf bezüglich der konkreten Umsetzung. Gerade die Nutzenkommunikation dürfte deshalb in den kommenden Jahren entscheidend für die Akzeptanz und Verbreitung der e-ID sein», sagt Alexander Sollberger, Präsident des Vereins Myni Gmeind.

Weitere Informationen: www.chgemeinden.ch

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf m-q.ch - https://www.m-q.ch/de/digitalisierung-in-den-gemeinden-zusammenarbeit-erwuenscht-unterstuetzung-noetig/

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