Schweizer Stromerzeuger im Spannungsfeld von Margendruck und Versorgungssicherheit

Colombus Consulting hat die 11. Ausgabe seines Barometers zur finanziellen Lage der europäischen Stromproduzenten veröffentlicht, mit einem besonderen Fokus auf die Schweiz. Die Studie zeigt: Nach zwei aussergewöhnlich starken Jahren normalisiert sich der Sektor.

Mehr Windkraft oder sogar Rückkehr zur Kernenergie? Schweizer Energieunternehmen stehen vor Richtungsentscheiden. (Bild: Felix / Pixabay.com)

Die jüngste Colombus-Studie zeigt: Die Schweizer Stromerzeuger bleiben finanziell solide, doch 2025 hat die Normalisierung nach den Ausnahmewerten der Vorjahre deutliche Spuren hinterlassen. Besonders im Fokus stehen sinkende Erträge, die Abhängigkeit von Wasserführung und Kernenergie sowie die energiepolitischen Weichenstellungen in Bern. «Die Energiewende entscheidet sich nicht mehr allein an den klimapolitischen Ambitionen. Ebenso entscheidend sind heute wirtschaftliche Disziplin, die Sicherung der Erträge und die Fähigkeit, kritische Infrastrukturen zu finanzieren. Für die Schweiz kommt zusätzlich die Frage der Versorgungssicherheit und der Integration in den europäischen Strommarkt hinzu», kommentiert Jean Meneveau, Managing Partner bei Colombus Consulting, die Studienergebnisse.

Margen unter Druck

Im europäischen Vergleich verzeichnete der Sektor 2025 rückläufige Kennzahlen, ohne dass seine grundsätzliche Stabilität infrage gestellt wäre. Der aggregierte Umsatz sank um 3,0 Prozent, das EBITDA um 9,2 Prozent; bei den Schweizer Unternehmen fiel der Rückgang teils deutlich aus.

Für die Schweiz verweist die Studie auf eine Normalisierung nach zwei aussergewöhnlich starken Jahren: niedrigere Marktpreise, ein schwächerer Trading-Beitrag und eine hohe Vergleichsbasis 2023/2024 belasteten die Resultate. Besonders sichtbar wird das bei Alpiq mit -7 Prozent Umsatz und -41 Prozent EBITDA sowie bei Axpo mit -3 Prozent Umsatz und -32 Prozent EBITDA. Alpiq setzt weiterhin auf Wasserkraft, Batteriespeicher und flexible thermische Anlagen.

Schweizer Sonderfall Wasser

Trotz des Rückgangs bleibt die Schweiz laut Studie ein robuster, weitgehend dekarbonisierter Strommarkt. Die Eigenheit des Systems liegt in der Kombination von Wasserkraft, Kernenergie und zunehmender Solarproduktion – zugleich aber auch in der Verwundbarkeit gegenüber hydrologischen Schwankungen.

2025 sank die nationale Stromproduktion auf 67,7 TWh nach 81,1 TWh im Vorjahr. Hauptgrund war der Rückgang der Wasserkraft auf 37,5 TWh nach dem Rekordjahr 2024, verschärft durch den anhaltenden Stillstand des Kernkraftwerks Gösgen. Die Photovoltaik legte zwar weiter zu und erreichte schätzungsweise 8,1 TWh, löst aber die Winterlücke noch nicht.

Preise und Versorgung

Die Studie betont, dass die Schweiz indirekt über europäische Marktpreise und Winterimporte exponiert bleibt. Der fehlende umfassende Stromanschluss mit der EU begrenzt die Importfähigkeit und verstärkt die Abhängigkeit von grenzüberschreitenden Flüssen in angespannten Marktphasen.

Das spiegelt sich auch im Preisniveau: Der durchschnittliche Schweizer Spotpreis lag 2025 bei rund 102 Euro pro MWh und damit deutlich über dem europäischen Mittel. Laut Studie ist diese Prämie inzwischen zur neuen Normalität geworden.

Politische Weichen

Besonders relevant ist der politische Teil der Untersuchung: Mit dem im Juni 2026 gebilligten Gegenvorschlag für neue Kernkraftwerke und dem im März 2026 unterzeichneten Stromabkommen mit der EU steht die Schweizer Energiepolitik vor einem Richtungsentscheid.

Parallel soll der Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigt werden, doch die Studie warnt vor Netzengpässen und saisonalen Ungleichgewichten. Die zentrale Botschaft lautet deshalb: Die Schweiz braucht mehr Flexibilität, mehr Speicher und mehr gesicherte Produktionskapazität, um Versorgungssicherheit und Ertragsstabilität zugleich zu stärken.

Für Schweizer Energieunternehmen wird gleichzeitig die Sicherung stabiler Erträge wichtiger. In einem zunehmend volatilen und kapitalintensiven Marktumfeld gewinnen langfristige Verträge, Speicherlösungen und flexibel einsetzbare Produktionskapazitäten an Bedeutung. Besonders die Schweizer Wasserkraft kann dabei eine zentrale Rolle spielen.

Quelle: Colombus Consulting

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf m-q.ch - https://www.m-q.ch/de/schweizer-stromerzeuger-im-spannungsfeld-von-margendruck-und-versorgungssicherheit/

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