Green Business Award 2026: Diese sechs Finalisten überzeugen mit nachhaltigen Lösungen
Vom essbaren Lebensmittelschutz über energieeffiziente Rechenzentren bis zum hochauflösenden Wettermodell: Die sechs Finalisten des achten Green Business Award zeigen, wie ökologischer Impact und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand gehen. Im September entscheidet eine Jury unter dem Vorsitz von Alt-Bundesrätin Doris Leuthard.

Hitzewellen, Food-Waste, Energieverbrauch: Die sechs Finalisten des achten Green Business Award setzen dort an, wo ökologische Herausforderungen heute besonders spürbar sind. Erstmals wird der Award in zwei Kategorien vergeben – KMU/Corporates und ScaleUps. Welche Unternehmen ökologischen Impact und wirtschaftlichen Erfolg am überzeugendsten verbinden, entscheidet im September eine Jury unter dem Vorsitz von Alt-Bundesrätin Doris Leuthard.
Lösungen aus der Schweiz mit weltweiter Relevanz
Der Green Business Award zeichnet seit 2019 jährlich Schweizer Unternehmen aus, die ökologische Wirkung mit wirtschaftlichem Nutzen und Skalierbarkeit verbinden. In einer ersten Phase nominieren rund 40 nationale Scouts aus Wirtschaft und Wissenschaft die besten Lösungen ihrer Branche. Eine interdisziplinäre Vorjury wählt daraus je drei Finalisten pro Kategorie aus. «Die Finalisten zeigen, wo die Wirtschaft ihren Hebel hat: in Gebäuden, Energie, Lieferketten, Produktion und Materialien. Ihre Lösungen entstehen in der Schweiz, adressieren aber Herausforderungen, die weltweit relevant sind», sagt Cédric Habermacher, Direktor von Green Business Switzerland.
Kategorie KMU/Corporates: Drei Finalisten im Überblick
Infomaniak Network aus Les Acacias (GE) demonstriert, dass das Wachstum von Rechenzentren nicht zwangsläufig zu mehr Ressourcenverbrauch führen muss. Mit dem unterirdischen Rechenzentrum D4 nutzt der Schweizer Cloud-Anbieter die anfallende Serverwärme vollständig weiter: Sie wird in das Fernwärmenetz von Genf eingespiesen und beheizt im Winter rund 6’000 Wohnungen. Im Sommer reicht die Wärme für täglich rund 20’000 Duschen. Das Rechenzentrum kommt ohne klassische Klimaanlage und ohne Wasser zur Kühlung aus, läuft vollständig mit erneuerbarer Energie und spart über eine Betriebsdauer von 20 Jahren rund 58’000 Tonnen CO₂ ein. Das Modell wird als Open Source dokumentiert.
Belimo Automation aus Hinwil (ZH) setzt mit RetroFIT+ bei Gebäuden als einem der grössten Energieverbraucher der Schweiz an. Das Unternehmen analysiert den Zustand von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen datenbasiert, identifiziert Effizienzpotenziale und priorisiert wirksame Massnahmen. Dadurch sinken Energieverbrauch, CO₂-Emissionen sowie Betriebs- und Investitionskosten – ohne dass bestehende Gebäude umfassend saniert werden müssen.
Vögeli Marketingproduktion & Druck aus Langnau (BE) zeigt, wie Kreislaufwirtschaft in der Druckproduktion konkret umsetzbar ist. Das Familienunternehmen produziert Magazine, Mailings, Verpackungen und Spiele nach dem Cradle to Cradle Certified® Prinzip. Eigens entwickelte Druckfarben und ausgewählte Materialien ermöglichen kreislauffähige Produkte ohne problematische Schadstoffe. Die Produktion am Standort Langnau erfolgt ohne direkten CO₂-Ausstoss. Als erste Druckerei weltweit erreichte Vögeli die Cradle to Cradle Certified® Gold-Auszeichnung für Druckprodukte und Verpackungen.
Kategorie ScaleUps: Drei weitere Finalisten
AgroSustain aus Renens (VD) adressiert das Problem des Food-Waste mit einer essbaren Beschichtung namens Afondo für frische Früchte und Gemüse. Die Lösung verlängert die Haltbarkeit, erhält die Qualität entlang der Lieferkette und ermöglicht effizientere Transportplanung – in bestimmten Fällen sogar den Wechsel von Luft- auf Seefracht. So verbindet das Unternehmen weniger Lebensmittelverlust mit tieferen Emissionen und wirtschaftlichem Nutzen für Produzenten, Handel und Detailhandel.
OceanSafe aus Bern (BE) entwickelt mit naNea® ein biologisch abbaubares und recycelbares Hochleistungsmaterial als Alternative zu herkömmlichem Polyester. Die entstehenden Fasern können biologisch abgebaut werden und tragen dazu bei, das Mikroplastikproblem in der Textilindustrie zu reduzieren. naNea® lässt sich in bestehende Produktionsprozesse integrieren und weltweit über Partner skalieren – mit tieferen CO₂-Emissionen und ohne Mehrkosten für Kund:innen.
Meteomatics aus St. Gallen (SG) entwickelt mit Euro1k ein hochauflösendes Wettermodell für Europa und Teile Nordafrikas. Während globale Modelle meist mit einer Auflösung von rund 20 Kilometern arbeiten, berechnet Euro1k Wetterdaten in einem Raster von einem Kilometer. Lokale Wetterereignisse wie Gewitter oder Hagel lassen sich dadurch bis zu 72 Stunden im Voraus präziser prognostizieren. Besonders relevant ist das Modell für erneuerbare Energien: Präzisere Wetterdaten verbessern die Planung, den Handel und die Integration von Solar- und Windenergie.
Vergabe in zwei Schritten
Die Finalisten präsentieren ihre Lösungen mit einem Pitch vor der Hauptjury, der neben Doris Leuthard 14 weitere Persönlichkeiten angehören, darunter Reto Knutti (ETH-Professor in Klimaphysik), Michèle Rodoni (CEO die Mobiliar), Pascal Grieder (CEO der Schweizerischen Post), Christoph Brand (CEO Axpo Gruppe) sowie Unternehmerin Patrizia Laeri. Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) begleitet den gesamten Awardprozess als Wissenschaftspartnerin. Der Gewinner in der Kategorie KMU/Corporates wird am 3. September 2026 am Maillot Vert Sommerfest in Luzern bekannt gegeben, jener in der Kategorie ScaleUps am 12. Februar 2027 am Impact Circle Event in Gstaad.
Weitere Informationen: www.greenbusiness.ch
