SGES 2026: Machen, aber bitte innovativ, resilient und nachhaltig!
Vom 1. bis 4. September 2026 fand in Winterthur das 14. Swiss Green Economy Symposium statt – die umfassendste Konferenz zu Wirtschaft und Nachhaltigkeit in der Schweiz. Über 250 Referierende, 15 Innovationsforen und zahlreiche Networking-Möglichkeiten standen auf dem Programm.

Seit 2013 ist das Swiss Green Economy Symposium (SGES) die umfassendste Konferenz zu Wirtschaft und Nachhaltigkeit in der Schweiz. Die diesjährige Ausgabe stand unter dem Motto «Machen! Innovativ. Resilient. Nachhaltig.» – mit dem Ziel, Herausforderungen der Nachhaltigkeit gemeinsam in Chancen zu verwandeln. Das Symposium erstreckte sich über dreieinhalb Tage und bot ein dichtes Programm: mehr als 250 Referierende, zwei Hauptprogramme, 15 vertiefende Innovationsforen, Firmenbesuche an zwei Standorten (SGEXperience), vielfältige Networking-Möglichkeiten sowie der erste Biodiversitätskongress der Schweiz.
Resilienz als Gebot der Stunde
Programmpunkte bildeten u.a. am 2. September die Themen Nachhaltige Lieferketten, Kreislaufwirtschaft im Bau oder die PFAS-Problematik. Zu nachhaltigen Lieferketten und Versorgungssicherheit äusserte sich etwa Dr. Stephan Mumenthaler, Direktor von scienceindustries, dem Dachverband der Chemie-, Pharma- und Life-Science-Industrie in der Schweiz. Gerade vor der Erfahrung aus der Corona-Pandemie, wo es zu Engpässen bei Sanitätsmaterial kam, dürfe nicht abgeleitet werden, dass die Schweiz für die Sicherstellung von Versorgungssicherheit alles selbst herstellen müsse. Vielmehr liege die Lösung in der Diversifizierung der Bezugsquellen. «Offene Märkte sind die Voraussetzung dafür», sagte Mumenthaler mit Blick auf die Wirtschaftspolitik unseres Landes. Wie stark gerade die chemische Industrie – einer der wichtigsten «Exportmotoren» der Schweiz – von funktionierenden Rahmenbedingungen abhängig ist, zeigte Dr. Tanja Schaffer, Global Head BL CDMO bei Arxada. Wirtschaftliche Sicherheit bedeute auch nationale Sicherheit, hielt sie in ihrem Impulsvortrag fest. Eine Stärke der Schweiz sieht sie darin, dass Herausforderungen miteinander verflochten angegangen werden: «Klimaziele und Resilienz sind nicht isoliert erreichbar», so Schaffer. Sie schloss mit dem Votum: «Resilienz entsteht dort, wo Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eine gemeinsame Richtung einschlagen». Die anschliessende Podiumsdiskussion – als weitere Gesprächsteilnehmer auf der Bühne waren Dr. Ronald Indergand, Leiter Direktion für Wirtschaftspolitik beim Seco, und Dr. Roland Pfister, Delegierter für wirtschaftliche Landesversorgung – zeigte angesichts der aktuellen geopolitischen Lage, wie fragil die heutigen Systeme sind. Ronald Indergand betonte, dass die Resilienz von den Unternehmen und der Gesellschaft herkommen müsse. Aufgabe der Politik sei es, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Er hielt aber auch fest, dass es auf internationaler Ebene schwierig geworden sei, als kleines Land gehört zu werden.
Kreislaufwirtschaft im Bau: Es wird schon viel «gemacht»
Unter dem Stichwort «Machen» subsummiert werden konnte der Themenblock «Kreislaufwirtschaft im Bau». Die Bauwirtschaft gehört zu jenen Sektoren mit einem besonders grossen CO2-Fussabdruck, vor allem wegen der Baustoffe Glas und Beton. Anders Dam Vestergaard, Executive Vice President Sales der VELUX Group, erläuterte die Kernpunkte seines Unternehmens: Emissionen reduzieren, Materialkreisläufe erweitern, die Natur schützen. Durch Bauen mit schon existierenden Materialien lasse sich der CO2-Fussabdruck um einen Drittel reduzieren. Christophe Berset, Leiter Zementverkauf D-CH & New Solutions bei Holcim Schweiz, verwies auf die aktive Rolle der Beton-Industrie in der Kreislaufwirtschaft. In der Schweiz wird bereits 80 Prozent des Betonabbruchs rezykliert. Allerdings bleibt schadstoffbelastetes Material eine Herausforderung. In der Pflicht steht auch die Immobilienwirtschaft, wie Ivo Angehrn, Leiter Nachhaltigkeit bei Drees & Sommer Schweiz, in der anschliessenden Diskussion betonte. Gerade CO2 ist ein grosser Hebel in der Bauwirtschaft – «grösser als irgendetwas Grünes, das man in ein ESG-Reporting schreiben kann», so Angehrn. Für Philipp Noger, Leiter Fachstelle umweltgerechtes Planen und Bauen beim Kanton Basel-Stadt, ist Kreislaufwirtschaft im Bau ein Gebot der Stunde. Denn die Deponien in der Schweiz würden immer voller.
PFAS: Ein sprichwörtlich «ewiges» Problem
Ebenfalls am 2. September stand ein Themenblock über die sog. «Ewigkeitschemikalien» PFAS auf dem Programm. Die Teilnehmenden einer Paneldiskussion waren sich einig: PFAS sind ein Problem, die Lösungswege herausfordernd. Allein schon ökologisch und wirtschaftlich vertretbare Grenzwerte für PFAS zu finden, sei nicht einfach, wie etwa Michael Widmer, Geschäftsführer des Verbands Baustoff Kreislauf, festhielt. Ein Weg müsse über den Ersatz von PFAS gehen, so Simon Liechti vom Bundesamt für Umwelt: «Dort, wo Alternativen zu PFAS bestehen, müssen diese möglichst rasch eingesetzt werden» sagte er mit Verweis auf Verbote, die innerhalb der EU auf den Weg gebracht werden. Dominique Werner, Leiter Chemikalienrecht bei scienceindustries, vertrat die Ansicht, dass man noch mehr über die Verwendung von PFAS lernen müsse, um eine passende Regulierung zu finden. Vor allem stand die Frage im Raum, wer denn für die Folgen der PFAS-Belastungen, deren Herkunft häufig nicht mehr genau eruiert werden kann, bezahlen muss. Diese Frage erntete – abgesehen vom Umgang mit Altlasten – grosses Schweigen. Auch eine Stimme aus der Landwirtschaft, die von belasteten Böden unmittelbar betroffen ist, fehlte auf dem Podium – vielleicht der einzige Makel, den man nachträglich den Organisatoren des SGES vorwerfen könnte.

Verpackung und Biodiversität
Der zweite Tag des SGES stand dann im Zeichen der Themen «Verpackungen und Kreislaufwirtschaft» (vor allem auch hinsichtlich der neuen EU-Verpackungsverordnung PPWR) und «Klima und Biodiversität zusammen betrachten und schützen». Ebenfalls wurde die Frage gestellt: «Kreislaufwirtschaft und Innovation: Eine strategische Chance?» Zu den Referierenden zählten unter anderem Prof. Dr. Julia Binder (IMD Prof. of Business Transformation and Director of the Center for Sustainable and Inclusive Business), Thomas Vellacott (CEO, WWF Schweiz), Isabelle Gómez Truedsson (Stellvertreterin des Delegierten des Bundesrates für die Agenda 2030, EDA Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten) sowie Prof. Dr. Selçuk Yildirim, Leiter Zentrum für Lebensmittelherstellung und -verpackung der ZHAW.
Erstmals fand am 4. September 2026 zudem ein eigenständiger Biodiversitätskongress statt. Im Austausch zwischen führenden Köpfen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Verwaltung und NGOs wurden gemeinsam Lösungen für aktuelle Herausforderungen diskutiert.

Innovationsforen: Wissen in der Tiefe
Die 15 Innovationsforen griffen praxisnahe Themen auf und brachten Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zusammen. Diskutiert wurden unter anderem nachhaltige Stadtentwicklung (IF.08 «Lebenswerte Siedlungsräume»), die Stärkung von Lieferketten und Wettbewerbsfähigkeit am Produktionsstandort Schweiz (IF.11), die internationale Verbreitung nachhaltiger Innovationen durch geistiges Eigentum (IF.14) sowie das Zusammenspiel von Holz und Beton im nachhaltigen Bauen (IF.16). Auch das Thema «Energie und Digitalisierung» (IF.09) stiess auf Interesse. Darin wurden verschiedene Lösungsansätze präsentiert, wie Energiesysteme dank Digitalisierung bedarfsgerechter gesteuert werden können. Und auch die Geothermie wurde als alternative Energiequelle ins Feld geführt: Vielleicht liegt ein Lösungsweg gegen Energieverknappung tatsächlich in der Tiefe…
Weitere Informationen: www.sges.ch
