Gute Noten für ERP-Systeme
Das deutsche Beratungsunternehmen Trovarit AG hat die Anwender-Zufriedenheit von ERP-Systemen untersucht. Das Fazit: Die meisten Produkte schneiden gut ab.

Die Studie «ERP in der Praxis 2026/2027» von Trovarit hat 1538 ERP-Installationen aus Deutschland (74 %), Österreich (15 %) und der Schweiz (11 %) bewertet. Beurteilt wurden 109 Lösungen. Die Zufriedenheit bleibt gut: Die Software-Lösungen erhalten im Schnitt die Note 1,89 (Schulnoten nach deutschem System; Note 1 ist die beste), die Betreuung 2,01. Beide Werte sind leicht schwächer als noch 2024. Kritischer bewertet wurden etwa Schnittstellen, Stabilität und das Preis-Leistungs-Verhältnis. Besser schneiden dagegen Dokumentation und Anwenderunterstützung ab.
Vielfalt der Anwendungen – komplexe Anforderungen
Längst ist eine ERP-Software kein isolierter Anwendungsfall mehr. Integration in Gesamtsysteme, Datenqualität, Architektur, Datenqualität und Modernisierungsfähigkeit haben an Bedeutung zugenommen. Dies betrifft sowohl grosse Lösungen wie SAP S/4HANA, IFS Cloud oder Microsoft Dynamics 365 als auch kleinere Systeme. Hier fällt auf: Je kleiner der Einsatzumfang, desto zufriedener sind die Anwender. Lösungen unter 25 Usern erreichen im Mittel die Note 1,75, solche ab 100 Usern 2,02. Grund ist vor allem die geringere Komplexität. So punktet work4all besonders mit der Betreuung sowie mit Preis-Leistung, mobiler Nutzung und Beratung. Spezialisierte Lösungen wie ISSOS PRO, syslog.ERP oder unipps schneiden in ihrer Klasse oft besser ab, weil sie gut zu den Anforderungen passen und die Anbieter viel Branchenwissen mitbringen.
Eine besonders grosse Vielfalt haben Lösungen mit 25 bis 99 Usern. Gut schneidet unter diesen das Schweizer Produkt Opacc ERP ab. Die Lösung erhält sehr gute Noten für Software und Betreuung mit hoher Stabilität und Release-Fähigkeit, und das seit Jahren. Bei APplus überzeugt die Software, die Betreuung wird jedoch deutlich kritischer gesehen. Dynamics 365 Business Central fällt bei Release-Fähigkeit, Reporting und Stabilität ab. Proalpha verliert sowohl beim Produkt als auch beim Service. Positiv entwickelt sich FEPA, das sogar über dem Niveau von 2022 liegt. SIVAS und TopM net7 erholen sich nach einem schwachen Jahr 2024. Bei grossen Systemen wie SAP S/4HANA sinken die Werte moderat, wohl auch wegen laufender Modernisierungsprogramme. Als wichtigsten Nutzen nennen die Anwender die Vereinfachung ihrer Prozesse (60,8 %) und den schnellen Informationszugriff (52,3 %). Transparenz und Fehlerreduktion gewinnen an Gewicht. Die grössten Herausforderungen sind laufende Kosten (22,9 %), Mobilität und Schnittstellen.
Trends und Perspektiven
Ganz oben auf der Agenda stehen Usability (93,2 %) und Informationssicherheit (86,5 %). Es folgen Resilienz, Integration, Compliance und Datenqualität. KI hat stark an Relevanz gewonnen: 2022 hielten sie 16 % für wichtig, 2026 sind es 57 %. Von hoher Relevanz sind automatische Text- und Dokumentenerstellung sowie KI-gestützte Suche und Wissensnutzung; auch Stammdatenpflege, Übersetzungen und teilautonome Prozessschritte durch KI-Agenten werden von den befragten Anwendern häufig genannt. Trotzdem sind 40,5 % der Unternehmen noch in der Orientierungsphase, und nur 1,8 % nutzen KI breit. Die Aufmerksamkeit ist also hoch, der flächendeckende Regelbetrieb aber noch weit entfernt. Die Studie hält fest, dass für viele KI-Anwendungen ERP dennoch ein wichtiger fachlicher Bezugspunkt bleibe, weil dort zentrale Geschäftsobjekte, Stammdaten, Transaktionen und Prozessinformationen zusammenlaufen.
Ein anderes wichtiges Thema ist weiterhin Cloud Computing: Die Cloud wächst, aber ohne ein einheitliches Zielmodell. So halten 60,7 % On-Premises weiterhin für geeignet. Die Private Cloud (39,3 %) liegt klar vor der Public Cloud (13,7 %). 88,7 % der heutigen Public-Cloud-Nutzer halten das Modell auch künftig für geeignet. Die zentrale Frage lautet damit nicht mehr, was das ERP kann. Entscheidend sei, so die Studie, wie gut Unternehmen das Zusammenspiel von ERP, Spezialanwendungen, Daten und Integration beherrschen.
