Tür zu, Tür auf: Eine Arbeitsregel von Stephen King

Stephen King ist als Autor von Romanen wie «Carrie», «The Shining» oder «Es» bekannt. Doch wie schreibt ein Autor solche Werke? Mit Disziplin! Aus Stephen Kings Arbeitsregeln lassen sich auch nützliche Erkenntnisse für den Alltag der Unternehmensführung ableiten.

Weiss immer genau, wann er Ruhe zum Schreiben braucht, und wann nicht: Stephen King (hier im Jahr 2003 anlässlich der Premiere von «Dreamcatcher» im Mann Village Theater, Westwood, CA). Bild: s_bukley / Depositphotos.com)

In seinem Buch «Das Leben und das Schreiben» gibt Stephen King angehenden Autoren eine Regel mit, die schlicht klingt: Den ersten Entwurf schreibt man bei geschlossener Tür, die Überarbeitung bei offener. Zuerst entsteht der Text ungestört. Erst danach kommen Leser, Lektorat und Kritik dazu.

Disziplinierte Methode

King arbeitet seit Jahrzehnten so. Jeden Morgen derselbe Schreibtisch, Tür zu, kein Telefon, bis das Tagespensum von rund 2’000 Wörtern steht. Über sechzig Romane und mehr als 400 Millionen verkaufte Bücher sprechen dafür, dass die Methode funktioniert.

Im Berufsalltag vieler Führungskräfte steht die Tür dagegen permanent offen. Die Arbeit an einer Strategie oder einer schwierigen Entscheidung passiert zwischen zwei Meetings, unterbrochen von Mails und kurzen Rückfragen. Denken und Abstimmen laufen durcheinander, und beides leidet darunter.

Geschützt denken

Ein unfertiger Gedanke verträgt wenig Kommentare. Wer ein Konzept im Entstehen bereits mit drei Kollegen bespricht, bekommt drei Meinungen zu etwas, das noch gar nicht existiert. Die geschlossene Tür schützt die Idee, bis sie stark genug ist für Kritik. Oft reicht dafür eine Stunde am Morgen, fest im Kalender, das Telefon im anderen Raum.

Bewusst öffnen

Die offene Tür gehört genauso dazu. King gibt jedes Manuskript zuerst seiner Frau Tabitha, deren Urteil er seit Jahrzehnten vertraut. Gute Arbeit braucht den Blick von aussen, und zwar zum richtigen Zeitpunkt. Wer einen ausgearbeiteten Entwurf vorlegt, bekommt Rückmeldungen, mit denen sich arbeiten lässt.

Klar aufhören

King hört auf, sobald sein Pensum erreicht ist, auch mitten in einer spannenden Szene. Am nächsten Morgen weiss er sofort, wo er anknüpft. Der saubere Schnitt hat einen Nebeneffekt: Nichts Unfertiges läuft den restlichen Tag im Kopf weiter. Eine kurze Notiz zum nächsten Schritt am Ende eines Arbeitsblocks erfüllt im Büro denselben Zweck.

In der Führungspraxis zeigt sich häufig: Wer am Nachmittag erschöpft ist, hat den Vormittag mit Umschalten verbracht. Unterbrechungen, viele kleine Entscheidungen, halb erledigte Aufgaben. Eine einzige geschützte Stunde verändert diese Bilanz spürbar.

Drei Fragen zum Nachdenken

  1. Welche Aufgaben in Ihrem Kalender verdienen eine geschlossene Tür?
  2. Wann holen Sie Rückmeldungen ein: solange ein Gedanke noch roh ist oder wenn ein Entwurf steht?
  3. Woran erkennen Sie, dass ein Arbeitsblock zu Ende ist?

Von Stephen King lässt sich lernen, ohne einen einzigen Roman zu schreiben: Wer seine wichtigste Arbeit schützt, Rückmeldungen gezielt einholt und klar aufhört, holt aus derselben Zeit deutlich mehr heraus.

Zum Autor:
Volkmar Völzke ist Erfolgs-Maximierer. Buchautor. Berater. Coach. Speaker. www.volkmarvoelzke.ch

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