Gallup-Studie: Schweizer Beschäftigte bewerten Arbeitsmarkt wieder positiver

Die Beschäftigten in der Schweiz sehen den Arbeitsmarkt wieder etwas zuversichtlicher, bleiben ihrem Arbeitgeber aber vergleichsweise schwach verbunden. Das zeigt die neue Gallup-Studie «State of the Global Workplace 2026», in dem die Schweiz bei mehreren Kennzahlen nahe am europäischen Schlusslicht liegt.

Die gute Laune täuscht: Schweizer Beschäftigte beurteilen die Jobaussichten mehrheitlich positiv. Gleichzeitig sind nur 8 Prozent emotional hoch gebunden – einer der niedrigsten Werte in Europa. (Bild: Brooke Cagle / Unsplash.com)

Der «Gallup State of the Global Workplace» gilt als viel zitiertes Barometer für die Befindlichkeit in der Arbeitswelt. Für die eben veröffentlichte Ausgabe 2026 wurden in 149 Ländern insgesamt 141’444 Beschäftigte telefonisch oder persönlich befragt, wovon 48’897 Interviews in Europa (38 Länder) und 3086 in der DACH-Region geführt wurden. Die Auswahl der Befragten erfolgte nach einem Zufallsprinzip. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Arbeitnehmerschaft im jeweiligen Land.

Arbeitsmarkt wieder positiver

In der Schweiz sagen 58 Prozent der Beschäftigten, dass es derzeit ein guter Zeitpunkt sei, einen Job zu finden. Damit liegt der Wert leicht über dem europäischen Durchschnitt von 57 Prozent, aber deutlich unter der DACH-Region mit 66 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr ist die Einschätzung in der Schweiz um drei Prozentpunkte gestiegen. Gallup wertet das als Zeichen eines vorsichtigen Optimismus am Arbeitsmarkt. Dieser gedämpfte Optimismus korreliert mit den jüngsten Arbeitsmarktzahlen des SECO: Die Zahl der Arbeitslosen verringerte sich im März 2026 gegenüber dem Vormonat um 4821 (–3,2 %) auf 146’255. Im Vergleich zum Vorjahresmonat erhöhte sich die Arbeitslosigkeit allerdings um 13’686 (+10,3%). Dagegen sank die Arbeitslosenquote im März 2026 gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 3,1%.

Geringe Bindung an den Arbeitgeber

Deutlich schwächer fällt die emotionale Bindung an den Arbeitgeber aus: Nur 8 Prozent der Beschäftigten in der Schweiz sind laut Gallup hoch gebunden. Das ist einer der niedrigsten Werte in Europa; zusammen mit Frankreich liegt die Schweiz auf dem vorletzten Platz, während Europa insgesamt auf 12 Prozent kommt. 85 Prozent fühlen sich nur gering gebunden und erledigen ihre Arbeit pflichtgemäss, ohne sich darüber hinaus stark einzubringen. Der Anteil jener Arbeitnehmenden ohne jede emotionale Bindung liegt mit 8 Prozent ebenfalls tief.

Wohlbefinden mit Licht und Schatten

Beim allgemeinen Wohlbefinden liegt die Schweiz ebenfalls unter dem europäischen Durchschnitt, wenn auch nicht dramatisch: 46 Prozent bewerten ihr aktuelles Leben und ihre Zukunft positiv, in Europa sind es 49 Prozent. Gleichzeitig ist das tägliche Stresslevel in der Schweiz auf 34 Prozent gestiegen, bleibt damit aber unter dem europäischen Wert von 39 Prozent. Zusätzlich berichten 19 Prozent von Traurigkeit, 14 Prozent von Wut und 15 Prozent von Einsamkeit am Tag vor der Befragung. Im europäischen Vergleich bewegt sich die Schweiz damit im Mittelfeld bis unteren Bereich.

Führung als Hebel

Gallup betont, dass hohe emotionale Bindung eng mit guter Führung zusammenhängt und sich positiv auf Zufriedenheit, Stress und Leistungsbereitschaft auswirkt. Laut einer ebenfalls von Gallup im Jahr 2024 durchgeführten Meta-Analyse sind stark gebundene Mitarbeitende unter anderem seltener abwesend, kündigungsbereiter und produktiver. Für Unternehmen in der Schweiz ist die Botschaft deshalb klar: Der Arbeitsmarkt mag sich erholen, doch ohne stärkere Bindung bleibt Potenzial liegen. «Wer Talente gewinnen und halten will, muss stärker auf Führung, Klarheit und Entwicklungsmöglichkeiten setzen. Für Arbeitgeber steigen damit die Anforderungen, Orientierung zu geben, Vertrauen zu stärken und ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das echte Bindung fördert. Für CEOs ist das kein weiches Kulturthema, sondern eine harte Führungs- und Performancefrage», sagt dazu Diana Sonnenberg, Principal bei Gallup.

Quelle: Gallup

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