Wie wirken sich die reduzierten US-Zölle auf die Schweizer Exportwirtschaft aus?
Die Schweizer Exportwirtschaft leidet seit dem 1. August unter dem 39 %-Zollhammer, den die USA der Schweiz auferlegt haben. Gemäss neusten Verhandlungen soll der Satz auf 15 % gesenkt werden. Was heisst das für die Schweizer Exportwirtschaft?

Die USA haben mit der Schweiz und Liechtenstein eine gemeinsame Erklärung zum künftigen «fairen, ausgewogenen und gegenseitigen Handel» veröffentlicht. In diesem werden die Bedingungen für die Senkung des aktuellen Zollsatzes von 39 % auf 15 % beschrieben. Ziel der USA ist es, das von ihnen berechnete Handelsdefizit von 38,5 Milliarden US-Dollar auszugleichen.
Investitionen in Milliardenhöhe
Die Schweiz und Liechtenstein haben zugesagt, mindestens 200 Mrd. Dollar in den Vereinigten Staaten zu investieren. Über welchen Zeitraum sich diese Investitionen erstrecken, ist noch unklar. Ein Teil dieser Summe ist bereits durch angekündigte Investitionen von 73,23 Mrd. USD über die nächsten fünf Jahre vor allem von der Pharmaindustrie vorgesehen. Bereits im kommenden Jahr sollen 67 Mrd. US-Dollar umgesetzt werden. Im Vergleich dazu hat die Schweiz 2023 rund 54 Mrd. US-Dollar in den USA investiert.
Halbierung der Exportverluste dank neuem Zollsatz
Wird der Zollsatz von 39 % (effektiv 25 %*) im Jahr 2026 beibehalten, entstehen Exportverluste von –18 Mrd. USD. Dies haben Experten von Allianz Trade, einem führenden Anbieter von Warenkreditversicherungen, errechnet. Mit dem Handelsdeal von 15 % (effektiv 11 %) betragen die Verluste noch –7 Mrd. USD und fallen damit nur halb so hoch aus. Durch das Handelsabkommen verringert sich der Einbruch im BIP-Wachstum um rund 0,3 Prozentpunkte für das Jahr 2026 im Vergleich zu einem Zollsatz von 39 %. Am stärksten von den Zöllen betroffen sind Metalle, die Maschinenindustrie sowie Haushaltartikel. Pharma und Halbleiter sind weiterhin ausgenommen, da diese durch Investitionen in den USA erlassen werden, sonst würde sich der Zollsatz von effektiven 11 % auf 17,5 % erhöhen mit entsprechend höheren Verlusten.
Positive Prognosen
«Trotz des Einbruchs des BIP im 3. Quartal 2025 von –0,5 % im Vergleich zum 2. Quartal 2025 erwarten wir ein Wachstum von +1,3 % für das aktuelle Jahr. Mit einer Erholung der Exporte ist bereits im 4. Quartal 2025 zu rechnen», sagt Jan Möllmann, CEO von Allianz Trade Switzerland, optimistisch. «Für 2026 können wir mit dem neuen Handelsabkommen unsere Prognose etwas nach oben anheben, von den aktuell +1,1 % in 2026 auf vermutlich +1,4 %.»
Gemäss dem Weissen Haus arbeiten die Vereinigten Staaten, die Schweiz und Liechtenstein daran, das Abkommen über den gegenseitigen, fairen und ausgeglichenen Handel, Anfang 2026 abzuschliessen.
* Der effektive Zollsatz ist der durchschnittliche Zoll, der nach Berücksichtigung von Ausnahmen, Freibeträgen, Präferenzen oder Sonderregelungen tatsächlich gezahlt wird. Er kann also deutlich unter dem offiziellen, sogenannten nominalen Zollsatz liegen.
Quelle: Allianz Trade
