M&A-Aktivität: Schweizer KMU bei ausländischen Investoren besonders beliebt
Die M&A-Aktivität unter Schweizer KMU hat 2025 spürbar angezogen und kehrt damit nach zwei verhaltenen Jahren auf Wachstumskurs zurück. Getrieben wird der Aufschwung vor allem von ausländischen Käufern, Private-Equity-Investoren und einer stark konsolidierenden IT- und Softwarebranche.

Das Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte hat seine aktuelle Studie «M&A Activity of Swiss SMEs» veröffentlicht, die die Firmentransaktionen im Jahr 2025 untersucht und ausgewertet hat. Die inzwischen 20. Ausgabe der Deloitte-Studie hat insgesamt 208 Transaktionen mit Schweizer KMU erfasst. Das bedeutet ein Plus von 16 Prozent gegenüber 179 Deals im Vorjahr und liegt damit wieder nahe am Boomniveau von 2021.
Schweiz als Hotspot der M&A-Aktivität
Besonders dynamisch entwickelte sich der Gesamtwert des Schweizer M&A‑Marktes, der – auch dank grösserer Transaktionen ausserhalb des KMU-Segments – um rund 70 Prozent zunahm. International positioniert sich die Schweiz damit erneut als einer der stärksten M&A‑Märkte Europas, in dem Investoren gezielt Innovationskraft und Nischenpositionen erwerben.
Die globale Ausgangslage ist dabei ambivalent: Weltweit stieg die Zahl der Deals 2025 auf 41’362 bei einem Volumen von 3,7 Billionen CHF, was einem Wertzuwachs von 28 Prozent entspricht. Während Europa auf 19’175 Transaktionen kam, waren US‑Unternehmen an 14’475 Deals beteiligt – ein Umfeld, in dem die robuste Schweizer Aktivität besonders auffällt.
Inbound-Boom, verhaltene Schweizer Expansion
Der markanteste Trend ist der Sprung bei Inbound-Transaktionen: Die Zahl der Käufe Schweizer KMU durch ausländische Käufer stieg um 65 Prozent von 63 auf einen Rekordwert von 104 Deals. Haupttreiber waren IT‑Dienstleister und Softwareunternehmen, die 56 Prozent des Inbound-Wachstums ausmachten und 28 Prozent aller inländischen und eingehenden Transaktionen stellten.

Demgegenüber legten rein schweizerische Deals nur leicht zu – von 48 auf 53 Transaktionen, was einem Plus von 10 Prozent entspricht. Besonders gefragt waren im Inland Konsumgüter und -dienstleistungen, deren Deals von 9 auf 13 anstiegen. Deutlich rückläufig entwickelte sich dagegen der Drang Schweizer KMU ins Ausland: Outbound-Transaktionen fielen um 25 Prozent von 68 auf 51, mit besonders starkem Einbruch im Life-Sciences-Segment, wo 2025 gar keine Übernahmen mehr verzeichnet wurden.
Geografisch rücken neue Akteure in den Fokus: Französische Käufer verantworteten 27 Prozent der Inbound-Deals (2024: 11 Prozent) und verdrängten Deutschland mit 19 Prozent an die Spitze. Investoren aus den nordischen Ländern steigerten ihren Anteil von 3 auf 13 Prozent, was Deloitte mit einem starken Fokus dieser Investoren auf Technologie und KI sowie reichlich verfügbarem Kapital erklärt. US‑Käufer traten dagegen deutlich seltener auf; ihr Anteil fiel von 17 auf 8 Prozent – eine Entwicklung, die die Studie unter anderem auf den um rund 15 Prozent stärkeren Franken gegenüber dem Dollar und hohe US‑Zölle auf Schweizer Firmen 2025 zurückführt.

Private Equity als wichtiger Treiber
Über die Hälfte der erfassten Transaktionen trägt inzwischen eine Private‑Equity‑Handschrift. 2025 waren 116 Deals mit PE‑Beteiligung zu verzeichnen, 45 Prozent mehr als im Vorjahr; damit entfällt auf diese Investorengruppe 56 Prozent der gesamten KMU‑M&A‑Aktivität. Besonders dynamisch wuchs das ausländische PE‑Engagement in der Schweiz: Inbound‑PE‑Transaktionen stiegen um 156 Prozent von 23 auf 59 Deals, wobei 45 davon klassische «Bolt-on»-Übernahmen bestehender Plattformunternehmen waren (2024: 9).
IT‑Services und Software waren auch hier die bevorzugten Ziele; deutsche und französische PE‑Häuser dominieren die Käuferseite. Während Outbound‑PE‑Deals um 24 Prozent zurückgingen (29 statt 38), nahm die Zahl rein schweizerischer PE‑Transaktionen um 47 Prozent auf 28 zu, was eine klare Fokussierung auf das Heimatgeschäft nahelegt. Insgesamt hat sich damit die Zahl der Schweizer Unternehmen, die von oder an PE‑Fonds verkauft wurden, mehr als verdoppelt (87 vs. 42, +107 Prozent).
Bewertungslage und wirtschaftliches Umfeld
An den Kapitalmärkten verbuchte der Deloitte Swiss Small & Mid Cap Index 2025 eine deutliche Neubewertung: Das EV/EBITDA‑Multiple kletterte von 9,2x im ersten Quartal auf 10,7x per Jahresende und erreichte damit den höchsten Stand seit Ende 2022. Parallel dazu fiel der für Transaktionsmultiples im Euro-Midmarket stehende Argos Mid‑Market Index auf 8,7x und damit auf das tiefste Niveau seit 2017. Die auseinanderlaufende Entwicklung deute auf eine Lücke zwischen Börsenbewertungen und tatsächlich bezahlten Transaktionsmultiples hin, die sich 2025 wieder zu schliessen begann – ein wichtiger Katalysator für den M&A‑Aufschwung.
Makroökonomisch beschreiben die für die Studie ausgewerteten CFO‑Befragungen ein zwiespältiges Bild: Während der Ausblick für die Schweizer Gesamtwirtschaft nach dem US‑Tarifschock im April 2025 klar negativ war, schätzten 52 Prozent der CFOs die eigene Unternehmensperspektive positiv ein – der grösste Abstand zwischen Unternehmens- und Konjunkturbeurteilung seit 2014. Für 2026 erwartet Deloitte auf Basis von Prognosen des SECO ein BIP‑Wachstum von 1,1 Prozent bei einer Inflationsrate von 0,2 Prozent – Rahmenbedingungen, die zusammen mit weiter sinkenden Zinsen zusätzliche Deals begünstigen dürften.
Methodologie und Datengrundlage
Die Studie stützt sich auf M&A‑Transaktionen, die zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2025 abgeschlossen wurden und mehrheitliche Beteiligungsübernahmen an Schweizer KMU betreffen. Deloitte definiert KMU für diesen Zweck als Unternehmen mit mehr als 10 Mio. CHF Umsatz, weniger als 250 Mitarbeitenden und einem Transaktionswert zwischen 5 und 500 Mio. CHF. Erfasst werden nur Mehrheitsübernahmen; Joint Ventures, reine Immobiliendeals, Asset‑Deals, Optionskäufe oder interne Umstrukturierungen bleiben unberücksichtigt.
Die geografische Zuordnung erfolgt nach Sitz des Zielunternehmens, die Branchenklassifikation nach dessen Haupttätigkeit. Datengrundlage sind die M&A‑Plattform Mergermarket, interne Deloitte‑Datenbanken, die Schweizer Wirtschaftspresse sowie Kapitalmarktinformationen von Capital IQ und der SIX Swiss Exchange; mangels Publizitätspflichten im Privatmarkt mussten Transaktionswerte in vielen Fällen geschätzt werden. Ergänzend verweist Deloitte auf die eigene Vorjahresstudie und begleitende Online‑Analysen, die die strukturelle Rolle von Zinsniveau, geopolitischem Umfeld und Investorenstimmung für die Entwicklung des Schweizer KMU‑M&A‑Markts herausarbeiten.
Quelle und weitere Informationen: www.deloitte.ch
