Familienunternehmen im Wandel: Strategische Zuversicht trotz struktureller Herausforderungen
Der KPMG Global Family Business Report 2026 zeigt: Familienunternehmen weltweit blicken trotz geopolitischer Unsicherheiten und technologischer Umbrüche zuversichtlich in die Zukunft. Schweizer Betriebe liegen bei KI-Implementierung und Risikomanagement deutlich über dem globalen Durchschnitt – stehen aber vor wichtigen Weichenstellungen in Governance und Nachfolge.

Familienunternehmen weltweit zeigen ein hohes Mass an strategischer Klarheit: 83 Prozent verfolgen eine klare Wachstumsstrategie, auch wenn 59 Prozent davon ausgehen, dass Wachstum in Zukunft schwieriger wird. Das sind zentrale Befunde des KPMG Global Family Business Report 2026, für den gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Meridian West insgesamt 1’927 Eigentümer:innen, Verwaltungsratsmitglieder und Führungskräfte von Familienunternehmen in 41 Ländern befragt wurden. Die Schweizer Auswertung basiert auf 30 verwertbaren Antworten.
Schweizer Familienunternehmen gut aufgestellt
Die Ergebnisse aus der Schweiz fallen in mehreren Schlüsselbereichen besser aus als im globalen Vergleich. 90 Prozent der Schweizer Befragten verfügen über eine klare Wachstumsstrategie – sieben Prozentpunkte mehr als im weltweiten Durchschnitt. Gleichzeitig nennen sie geopolitische Handels- und Tarifrisiken deutlich häufiger als kurz- und langfristige Herausforderung als ihre internationalen Pendants.
Bei der Nutzung von KI zeigen sich Schweizer Familienunternehmen besonders fortschrittlich: 70 Prozent setzen künstliche Intelligenz bereits aktiv ein, und 43 Prozent haben KI bereits breit über verschiedene Geschäftsbereiche hinweg implementiert – global sind es lediglich 20 Prozent. Auch beim Risikomanagement liegt die Schweiz vorne: 50 Prozent der befragten Schweizer Unternehmen verfügen über ein umfassendes Enterprise Risk Management Framework, verglichen mit 33 Prozent im globalen Durchschnitt.
Gemeinsame Werte als zentraler Erfolgsfaktor
Weltweit zählen gemeinsame Werte und Unternehmenszweck (89 Prozent), Familienreputation (87 Prozent) sowie langfristig orientiertes Kapital (83 Prozent) zu den wichtigsten Werttreibern von Familienunternehmen. Die Schweizer Zahlen bestätigen dieses Bild: 90 Prozent bewerten gemeinsame Werte als wichtigen Werttreiber, 87 Prozent die Familienreputation und 80 Prozent den langfristigen Kapitalansatz.
Diese Stärken machen das Familienmodell nach wie vor zu einem relevanten Wettbewerbsvorteil – auch wenn der strukturelle Wandel nicht aufzuhalten ist.
Struktureller Wandel hin zu professionellen Managementstrukturen
Ein zentraler Befund des Reports: Der Anteil der Unternehmen, die sich als familiengeführt bezeichnen, dürfte bis 2035 weltweit von 49 auf 12 Prozent sinken. Professionelle Managementstrukturen und Verwaltungsratsmodelle gewinnen an Bedeutung. Schweizer Familienunternehmen erwarten diesen Wandel ebenfalls – allerdings fällt die Rolle von Familienmitgliedern in Führungspositionen hierzulande deutlich ausgeprägter aus als im globalen Schnitt. Während weltweit nur 24 Prozent davon ausgehen, dass Familienmitglieder künftig die Mehrzahl der Führungspositionen besetzen werden, liegt dieser Wert in der Schweizer Stichprobe bei 43 Prozent.
KI-Nutzung überholt die Governance
Die rasche Verbreitung von künstlicher Intelligenz stellt Familienunternehmen vor eine neue Herausforderung: Die Nutzung schreitet schneller voran als die Steuerungsstrukturen. Weltweit verfügen 38 Prozent aller befragten Unternehmen noch über kein Governance-Framework für den KI-Einsatz. In der Schweiz liegt dieser Anteil mit 23 Prozent deutlich tiefer; 77 Prozent geben an, bereits Governance-Strukturen etabliert zu haben oder diese aktiv aufzubauen. Die Studie identifiziert diese Lücke dennoch als eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre.
Zentrale Aufgaben für die Zukunft
Der Report macht deutlich, dass Familienunternehmen – auch in der Schweiz – vor wichtigen Weichenstellungen stehen: Governance-Strukturen müssen weiterentwickelt, KI verantwortungsvoll gesteuert, die nächste Generation auf künftige Führungs- und Eigentümerrollen vorbereitet und der strukturelle Wandel aktiv gestaltet werden. Die strategische Zuversicht ist vorhanden – entscheidend wird sein, wie konsequent die notwendigen Transformationen umgesetzt werden.
Quelle: www.kpmg.com
