KI braucht einen Notausgang

Als im September 2026 ChatGPT, Claude und Grok nahezu gleichzeitig ausfielen, wurden die Risiken einer unkontrollierten KI-Abhängigkeit schlagartig sichtbar. Die KI-Beratung Neurawork empfiehlt sechs konkrete Schritte, mit denen Unternehmen kritische KI-Prozesse absichern und im Ernstfall handlungsfähig bleiben.

Unternehmen brauchen einen Notausgang für kritische KI-Prozesse. Quelle: zvg

Am 3. September 2026 kam es nahezu zeitgleich zu Störungen bei ChatGPT, Claude und Grok. Nutzerinnen und Nutzer konnten zeitweise nicht oder nur eingeschränkt auf die KI-Dienste zugreifen. Eine gemeinsame Ursache wurde nicht bestätigt. Der Vorfall zeigt jedoch, wie schnell die Abhängigkeit von KI-Anbietern zum Geschäftsrisiko werden kann.

Die KI-Beratung Neurawork empfiehlt deshalb: Jede geschäftskritische KI braucht einen Notausgang. Gemeint ist damit die Fähigkeit, einen wichtigen KI-Prozess innerhalb weniger Tage auch ohne den bisherigen Anbieter weiterzubetreiben. Neurawork empfiehlt sechs Schritte, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein.

Schritt 1: Kritische KI-Prozesse erkennen

Unternehmen sollten zuerst prüfen, bei welchen Abläufen ein KI-Ausfall den Betrieb ernsthaft beeinträchtigen würde. KI kommt heute beispielsweise in Produktion, Einkauf, Logistik, Kundenservice, Vertrieb oder Buchhaltung zum Einsatz. Die entscheidende Frage lautet: Was passiert, wenn diese KI morgen nicht mehr verfügbar ist?

Schritt 2: Daten im eigenen Haus behalten

Prompts, Wissensdatenbanken, Dokumente oder Gesprächsverläufe sollten nicht ausschliesslich beim KI-Anbieter liegen. Wichtige Informationen gehören in Systeme, auf die das Unternehmen selbst jederzeit zugreifen kann – etwa SharePoint, eine eigene Datenbank oder den eigenen Cloud-Bereich.

Schritt 3: Prozesswissen dokumentieren

Für jeden wichtigen KI-Prozess sollte festgehalten werden: Welche Informationen gehen hinein? Was soll herauskommen? Welche Regeln gelten? Wer kontrolliert das Ergebnis? Andernfalls steckt entscheidendes Wissen möglicherweise nur beim Anbieter oder im Prompt einer einzelnen Mitarbeiterin resp. eines einzelnen Mitarbeiters.

Schritt 4: KI-Alternativen kennen

Unternehmen sollten wissen, welche andere KI im Notfall einspringen könnte. Nutzt ein Unternehmen etwa OpenAI für die Angebotserstellung, sollte vorher geprüft werden, ob die gleiche Aufgabe auch mit Anthropic, Mistral oder einem anderen System funktioniert. Das Ziel: Im Ernstfall nicht erst anfangen zu suchen, sondern eine Alternative bereits kennen und getestet haben.

Schritt 5: Einen manuellen Plan B festlegen

Nicht jeder Prozess braucht sofort eine alternative KI. Wichtig ist aber, dass die Arbeit im Ernstfall auch ohne KI weitergehen kann. Fällt beispielsweise eine KI für die Angebotserstellung oder die Bearbeitung von Kundenanfragen aus, muss klar sein, welche Mitarbeitenden manuell übernehmen und wie sie vorgehen.

Schritt 6: Den Ernstfall testen

Ein Notfallplan hilft wenig, wenn niemand weiss, ob er funktioniert. Unternehmen sollten deshalb regelmässig durchspielen: «Unsere wichtigste KI ist morgen nicht mehr verfügbar – können wir trotzdem weiterarbeiten?» Dabei zeigt sich schnell, ob Daten zugänglich sind, Prozesswissen dokumentiert ist, ein anderes Modell eingesetzt werden kann und Mitarbeitende den Prozess notfalls manuell übernehmen können.

Wie das praktisch aussieht, zeigt das Beispiel eines mittelständischen Zulieferers mit 200 Mitarbeitenden, der KI für die Angebotserstellung nutzt: Angebotsvorlagen und Preislogik liegen im eigenen ERP-System, der Prompt ist im Unternehmens-Wiki dokumentiert, das KI-Modell kann ausgetauscht werden und die Vertriebsmitarbeitenden können Angebote im Notfall weiterhin selbst erstellen.

Quelle: www.neurawork.ai

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