5 Kriterien, an denen Unternehmen gute Führung erkennen

Unsichere Märkte, technologische Umbrüche und zunehmende Komplexität stellen Unternehmen vor eine zentrale Frage: Wie bleiben Organisationen handlungsfähig, wenn sich Rahmenbedingungen radikal verändern? Eine Expertin nennt fünf Kriterien.

Expertin Christine Trimpel nennt fünf Kriterien für gute Führung. (Bild: zVg / Masterpiece)

«Gute Führung im Sinne der Kontextgestaltung spielt eine entscheidende Rolle. Leader schaffen dabei die Bedingungen, unter denen Menschen ihr Potenzial entfalten, Verantwortung übernehmen und Organisationen auf Veränderungen reagieren können», weiss Christine Trimpel, Diplom-Biologin, Transformationsberaterin und Gesellschafterin bei der auf Executive Search spezialisierten Personalberatung Masterpiece aus Frankfurt. Entsprechend erweitern sich auch die KPIs. Anstatt lediglich klassische Leistungskennzahlen wie Output, Zielerreichung und kurzfristige Effizienz zu messen, sollten auch fünf weitere Kriterien erfasst werden.

Selbstständigkeit im Team

«Ein wesentliches Qualitätsmerkmal guter Führung ist die Selbstständigkeit des Teams innerhalb seines Verantwortungsbereichs», betont die Expertin. Dafür braucht es Leader, die Orientierung geben, Prioritäten klären und einen verlässlichen Rahmen schaffen, in dem Mitarbeitende ausreichend Entscheidungsfreiheit besitzen. Je stärker Teams dabei in der Lage sind, Probleme eigenständig zu lösen und Verantwortung zu übernehmen, desto weniger abhängig ist die Organisation von einzelnen Personen. Das ist gerade in komplexen, dynamischen Situationen entscheidend. «Muss jede Entscheidung zunächst mehrere Hierarchiestufen durchlaufen, verliert ein Unternehmen Geschwindigkeit und Reaktionsfähigkeit», so Trimpel.

Eine konstruktive Fehlerkultur

Fehler vollständig verhindern zu wollen, ist weder realistisch noch sinnvoll. «Entscheidend ist vielmehr, wie mit ihnen umgegangen wird», betont Trimpel. Können Mitarbeitende Probleme frühzeitig ansprechen? Werden Fehlentwicklungen sichtbar? Lernt das Team aus Erfahrungen? «Lautet die Antwort auf diese Fragen nein, benötigen Mitarbeitende vielleicht mehr psychologische Sicherheit», erklärt der Profi. Schliesslich müssen sie darauf vertrauen, dass kritische Rückmeldungen, Zweifel oder Fehler nicht automatisch negative persönliche Konsequenzen nach sich ziehen. Aus diesem Grund kann es für Unternehmen sinnvoll sein, auch qualitative Mitarbeiterbefragungen, Teamdiagnostik oder Fluktuationsmuster zu betrachten. So könnte eine ungewöhnlich hohe Abwanderung von Leistungsträgern einen Hinweis darauf geben, dass die aktuelle Führung zwar möglicherweise kurzfristige Ergebnisse erzielt, langfristig aber Stabilität verliert.

Lern- und Anpassungsfähigkeit

Unternehmen bewegen sich heute in einem deutlich weniger planbaren Umfeld. «Technologische Veränderungen, neue Geschäftsmodelle, veränderte Kundenanforderungen oder geopolitische Entwicklungen können bestehende Annahmen innerhalb kurzer Zeit infrage stellen», unterstreicht Trimpel. Damit verändert sich auch die Aufgabe der Führung. In stabilen Umfeldern waren Standardisierung, Kontrolle und möglichst verlässliche Prozesse zentrale Erfolgsfaktoren. «In dynamischen Märkten müssen Organisationen lernen und sich an neue Bedingungen anpassen», ergänzt die Transformationsexpertin. «Gute Führung schafft deshalb Räume für Reflexion, Lernen und Weiterentwicklung. Sie ermöglicht es Teams, Erfahrungen auszuwerten, neue Lösungen zu testen und etablierte Vorgehensweisen bei Bedarf infrage zu stellen.»

Qualität der Zusammenarbeit und Vernetzung

«Unternehmen sind komplexe Systeme aus diversen Abteilungen mit verschiedenen Funktionen und Schnittstellen. Entscheidend ist deshalb auch, wie die Zusammenarbeit über diese Grenzen hinweg funktioniert», weiss Trimpel. Gute Führung fördert dabei Austausch, Kooperation und tragfähige Beziehungen zwischen unterschiedlichen Bereichen. Daher sollte sich auch die Messung von Führungsqualitäten nicht auf Organigramm-Logiken beschränken. Netzwerk-Analysen, Kollaborationsmuster oder die Qualität zentraler Schnittstellen können beispielsweise Hinweise darauf geben, wie gut Wissen innerhalb eines Unternehmens zirkuliert.

Aktivierung von Potenzialen

Eine der wichtigsten Fragen bei der Bewertung von Leadership lautet: Was entwickelt sich durch diese Führungskraft weiter? Eine Antwort auf diese Frage sollte dabei neben geschäftlichen Ergebnissen immer auch Menschen und Strukturen beleuchten. «Mögliche Indikatoren dafür sind beispielsweise erfolgreiche Nachfolgeregelungen, die Bindung von Talenten, Lernfortschritte oder die zunehmende Verantwortungsübernahme innerhalb eines Teams», betont Trimpel. Besonders aussagekräftig sei dabei, ob eine Organisation auch dann leistungsfähig bleibt, wenn eine einzelne Führungskraft ihre Position verlässt. Genau hier unterscheidet sich nachhaltige Führung von kurzfristiger Performance. «Eine Führungskraft, die dauerhaft unentbehrlich bleibt, hat möglicherweise Abhängigkeiten geschaffen. Eine Führungskraft, die Menschen entwickelt und Strukturen stärkt, hinterlässt dagegen ein System, das auch ohne permanente Steuerung funktioniert», erklärt die Expertin.

Quelle: Masterpiece

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf m-q.ch - https://www.m-q.ch/de/5-kriterien-an-denen-unternehmen-gute-fuehrung-erkennen/

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