SwissAI fordert mehr Klarheit und Kompetenz im Umgang mit KI
Generative künstliche Intelligenz (KI) kann die Arbeit des Parlaments erleichtern. Der Verband swissAI begrüsst deshalb den Einsatz von KI-Werkzeugen beim Bund, empfiehlt aber einen souveränen Umgang.

Generative künstliche Intelligenz (KI) kann die Arbeit des Parlaments erleichtern. Der Verband swissAI (vormals "KImpact") begrüsst deshalb den Einsatz von KI-Werkzeugen beim Bund, weil diese die Arbeit des Parlaments erleichtern kann. Er empfiehlt aber einen sorgfältigen, souveränen Umgang. Der 2023 gegründete Verband engagiert sich für eine konstruktive digitale Zukunft der Schweiz – im Einklang von Mensch und technologischem Fortschritt.
So schreibt es SwissAI in einer Mitteilung: Die Art und Weise, wie Microsofts Copilot im Parlament und in Teilen der Bundesverwaltung eingeführt wurde, geschah hingegen ohne offiziellen Entscheid, ohne klare Governance und ohne systematischen Kompetenzaufbau. Damit wurden zwei Chancen verpasst: eine verantwortungsvolle Einführung von KI und ein glaubwürdiges Vorbild für Wirtschaft und Gesellschaft im Umgang mit dieser Technologie.
Das Problem: KI-Einführung ohne Steuerung und ohne Schulung
Wie der freie Journalist und MAZ-Studienleiter Reto Vogt in seiner Recherche für die «NZZ am Sonntag» am 4.1.2026 aufgezeigt hat, erfolgte die Aktivierung von Microsofts Copilot im Parlament faktisch autonom durch den amerikanischen Technologiekonzern – ohne offiziellen Beschluss des Bundes, ohne klare Vorgaben, ohne definierte Verantwortlichkeiten und ohne Transparenz. Die Einführung geschah quasi durch die Hintertür. Damit entstand eine juristische und sicherheitspolitische Grauzone.
Parlamentarierinnen, Parlamentarier sowie Mitarbeitende der Verwaltung arbeiten mit sensiblen, teilweise vertraulichen Informationen. Dennoch wurden keine flächendeckenden Schulungen und keine verbindlichen Leitlinien eingeführt. Wer KI nutzt, ohne ihre Funktionsweise, Grenzen und Risiken zu verstehen, kann weder Verantwortung übernehmen noch Vertrauen schaffen – weder innerhalb der Institutionen noch gegenüber der Öffentlichkeit.
Die Nutzung von KI: In erster Linie eine Führungsfrage
Der Sachverhalt legt im Umgang mit KI ein grundlegendes Governance-Problem offen. Politische Institutionen müssen klären, ob, wofür und unter welchen Bedingungen KI eingesetzt wird. Welches Verständnis von digitaler Souveränität gilt? Welche Daten dürfen verarbeitet werden? Wer entscheidet über den Einsatz – und wer trägt die Verantwortung? Diese Fragen müssen politisch beantwortet werden, bevor technische Systeme produktiv eingesetzt werden. Dieses Bewusstsein fehlt vielerorts.
swissAI rät zu einem kompetenten und kontrollierten KI-Einsatz
«Unsere direkte Demokratie lebt vom Vertrauen in staatliche Institutionen und der Unabhängigkeit von externen Einflüssen. KI ist ein starkes Werkzeug, das unsere Prozesse verbessern kann – aber nur, wenn wir Transparenz, Kompetenz und souveräne Entscheidungswege sicherstellen», sagt Chris Beyeler, Präsident von swissAI.
Im vorliegenden Fall empfiehlt swissAI ein dreistufiges Vorgehen, das mit einer grundlegenden politischen Klärung beginnt. Dabei soll das Parlament im Rahmen eines breiten Dialogs definieren, welche KI-Anwendungen zulässig sind und wie die digitale Souveränität der Schweiz langfristig gewahrt werden kann. Parallel dazu wird ein gezielter Kompetenzaufbau angestrebt: Durch eine systematische Evaluation des Schulungsbedarfs und darauf abgestimmte Weiterbildungen für Parlament und Verwaltung sollen Risiken besser verstanden und Chancen proaktiv genutzt werden. Ergänzend dazu betont swissAI die Einbindung externer Expertise. Unabhängige Fachstellen sollen die technische sowie ethische Bewertung unterstützen, um sicherzustellen, dass der Rollout im Einklang mit dem Datenschutz und den Grundwerten der Schweiz erfolgt.
Souveränität im Umgang mit KI
Die Schweiz verfügt über exzellentes Know-how im Bereich künstliche Intelligenz. Dieses Potenzial muss genutzt werden – koordiniert, verantwortungsvoll und souverän. KI kann ein Standortvorteil sein. Voraussetzung ist jedoch, dass ihre Einführung professionell erfolgt und nicht dem Zufall oder Lizenzmechanismen überlassen wird.
Weitere Informationen: SwissAI

