KI-Kluft zwischen Grossunternehmen und KMU wächst

Die Schweiz gilt als führender KI-Standort – doch in der Unternehmenslandschaft klafft eine wachsende Lücke: Während Grossunternehmen künstliche Intelligenz bereits systematisch in ihre Wertschöpfung integriert haben, bleiben viele KMU in der Pilotphase stecken. Das zeigt eine neue Analyse von BDO.

KI-Kluft wächst zwischen Grossunternehmen und KMU. Quelle: Depositphotos.com

Die Schweiz gehört zu den führenden Standorten für KI-Entwicklung. In der Unternehmenslandschaft zeigt sich bei der Nutzung ein ambivalentes Bild: Während Grossunternehmen künstliche Intelligenz bereits in ihre Wertschöpfung integriert haben, bleiben viele KMU bei einzelnen Anwendungen stehen. Damit wächst die KI-Kluft – mit möglichen Konsequenzen für den Wirtschaftsstandort Schweiz.

Das zeigt der neue «Point of View – AI-Toolkit: Switzerland Snapshot», für den BDO nationale und internationale Studien ausgewertet hat. Die Analyse zeigt: Der Schritt von einzelnen Anwendungen hin zu einer unternehmensweiten und dauerhaft verankerten Nutzung gelingt bislang nur einem Teil der Firmen – wobei sich klare Unterschiede zwischen grossen Unternehmen und KMU zeigen.

Eine wachsende Herausforderung für den Wirtschaftsstandort Schweiz

Während beispielsweise Adecco die Produktivität im Recruiting um 63 Prozent steigert und ABB in einzelnen Bereichen Kostenreduktionen von bis zu 35 Prozent realisiert hat, bleiben KMU oft in der Pilotphase stecken. «KMU verfügen nicht über die personellen und finanziellen Ressourcen, um im grossen Stil eigene KI-Kompetenzen aufzubauen. Vielerorts fehlt zudem eine qualitativ gute Datenbasis oder schlicht die Zeit, um neue Lösungen systematisch zu testen. Hinzu kommen Unsicherheiten in Bezug auf Datenschutz und den konkreten wirtschaftlichen Nutzen», sagt Thomas Studhalter, CEO von BDO.

Die aufgehende KI-Kluft zwischen KMU und Grossunternehmen hat nicht nur Auswirkungen auf die einzelnen Betriebe, sondern auch auf den Wirtschaftsstandort Schweiz insgesamt. Studhalter warnt: «Wenn primär Konzerne KI-Kompetenzen und -Infrastrukturen aufbauen, verlagert sich ein Grossteil der datengetriebenen Innovation in wenige, kapitalkräftige Player. Das schwächt das klassische Schweizer Modell, in dem spezialisierte KMU wichtige Innovationsträger im Maschinenbau, in Nischenindustrien und im Dienstleistungssektor sind.»

Schweiz mit einer der höchsten KI-Talentdichten in Europa

An guten Voraussetzungen mangelt es hierzulande nicht. Im europäischen Vergleich weist die Schweiz eine der höchsten Dichten an KI-Spezialist:innen pro Kopf auf. Hochschulen, Forschungsinstitute und Technologieunternehmen gehören in vielen Bereichen zur internationalen Spitze.

Die Herausforderung liegt also weniger in der Verfügbarkeit von Talent als vielmehr darin, dieses Wissen wirtschaftlich zu nutzen. «Ein Teil der Talente konzentriert sich auf Forschungseinrichtungen, Technologieunternehmen und grosse Konzerne. Gleichzeitig können grosse Unternehmen im Wettbewerb um Fachkräfte oft attraktivere Rahmenbedingungen bieten. Beides macht es für KMU schwieriger, auf das nötige KI-Know-how zuzugreifen», so Studhalter.

Wie KMU den Anschluss finden können

BDO ist überzeugt: Der Weg zu einer erfolgreichen KI-Nutzung beginnt nicht mit grossen Investitionen, sondern mit klaren Prioritäten. Statt möglichst viele Pilotprojekte gleichzeitig zu lancieren, sollten KMU wenige konkrete Anwendungsfälle mit messbarem Nutzen auswählen und konsequent umsetzen. Entscheidend ist dabei, dass KI nicht als reines IT-Thema betrachtet wird, sondern als strategische Aufgabe der Geschäftsleitung.

Quelle: BDO

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