Schweizer Softwarebranche: Margen steigen, KI wird Alltag

Die Schweizer Softwarebranche ist laut dem Swiss Software Industry Survey 2026 profitabler geworden und hat künstliche Intelligenz rasch breit eingeführt. Der Umsatz dürfte 2026 aber stagnieren. Die Studie hat das Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern im Auftrag von Swico durchgeführt.

Die Schweizer Softwarebranche setzt zunehmend auf KI. (Bild: Swiss Software Industry Survey 2026)
Die Schweizer Softwarebranche setzt zunehmend auf KI. (Bild: Swiss Software Industry Survey 2026)

Die Schweizer Softwarebranche ist profitabler geworden und hat künstliche Intelligenz in kurzer Zeit breit eingeführt – der Umsatz dürfte 2026 aber stagnieren. Das zeigt der Swiss Software Industry Survey (SSIS) 2026, den das Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern im Auftrag von Swico durchgeführt hat. Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe ist die Frage, wie KI die Wertschöpfungskette der Softwareunternehmen verändert.

Schweizer Softwarebranche: Margen steigen, Wachstum stockt

Die EBITDA-Marge der Branche stieg von 6,4 auf 7,6 Prozent. Treiber waren vor allem die Beratungsunternehmen mit einer EBITDA-Marge von 11,9 Prozent. Bei Technologie- und Dienstleistungsanbietern, Software-Integratoren und Individualsoftware-Herstellern gingen die Margen zurück.

Der Ausblick ist verhalten: Für 2026 erwartet die Studie einen Umsatzrückgang von 0,26 Prozent, für 2027 ein Plus von 0,21 Prozent. Die Zahl der Vollzeitstellen dürfte 2026 um 0,48 und 2027 um 0,28 Prozent sinken. Der Umsatz pro Mitarbeitenden ist 2025 gefallen, die Fluktuation sank von 15,1 auf 13,4 Prozent, und die F&E-Quote ging von 4,5 auf 4,0 Prozent des Umsatzes zurück. «Der Motor stottert ein wenig», so Jon Fanzun, Geschäftsführer von Swico anlässlich des diesjährigen CNO Panels am 26. Oktober 2026 in Bern, in dessen Rahmen die Studie präsentiert wurde. Als grösste Hürden bezeichnete Fanzun die aktuelle Unsicherheit, die gestiegene Beschleunigung der Entwicklung sowie die wachsende Abhängigkeit von Anbietern. 

Beratung erreicht 2025 eine EBITDA-Marge von 11,9 Prozent. Quelle: SSIS 2026
Beratung erreicht 2025 eine EBITDA-Marge von 11,9 Prozent. Quelle: SSIS 2026

Verwaltung als wichtigste Kundin

Gut ein Viertel des Umsatzes erzielt die Branche mit Standardsoftware inklusive SaaS, gefolgt von Individualsoftware und Beratung.

Standardsoftware inklusive SaaS macht gut ein Viertel des Branchenumsatzes aus. Quelle: SSIS 2026
Standardsoftware inklusive SaaS macht gut ein Viertel des Branchenumsatzes aus. Quelle: SSIS 2026

Wichtigste Kundenbranche ist die öffentliche Verwaltung mit 26,7 Prozent des Umsatzes, vor Industrie (17,2 Prozent) sowie Handel, Transport und Lagerung (16,5 Prozent). Abgerechnet wird meist nach Aufwand mit Ergebnisverantwortung (42,4 Prozent); bei Standardsoftware dominiert die nutzungsbasierte Abrechnung (44,7 Prozent). Das Auslandsgeschäft macht nur noch 4,7 Prozent des Umsatzes aus (Vorjahr: 11,1 Prozent), wichtigster Exportmarkt bleibt Deutschland. 61,4 Prozent der Firmen beziehen Leistungen von externen Dienstleistern oder eigenen Tochtergesellschaften.

KI weit über die Entwicklung hinaus

KI ist in der Softwareentwicklung fast flächendeckend im Einsatz (88,3 Prozent der Firmen), wird aber auch in Marketing, Verkauf und Führungsaufgaben mehrheitlich genutzt. In Finanzen und Beschaffung bleibt sie die Ausnahme. 

88,3 Prozent der Firmen nutzen KI in der Softwareentwicklung. Quelle: SSIS 2026
88,3 Prozent der Firmen nutzen KI in der Softwareentwicklung. Quelle: SSIS 2026

Gegenüber 2025 hat die Nutzung in allen Phasen der Softwareerstellung zugenommen, am stärksten bei Planung und Integration. Bei 62,2 Prozent der Firmen arbeiten mehr als drei Viertel der Entwicklerinnen und Entwickler mit KI. Meistgenanntes Werkzeug ist Claude (25,5 Prozent), vor ChatGPT (13,2 Prozent) und Microsoft Copilot (10,4 Prozent). Die Autor:innen sehen in der Abhängigkeit von wenigen proprietären Anbietern eine Frage der digitalen Souveränität.

KI wirkt vor allem als Partner: Am häufigsten ist Pair Programming (38,2 Prozent). Autonome Agenten erledigen bei 82,6 Prozent der Firmen weniger als 10 Prozent der Arbeit, eine vollautonome «Dark Factory» betreibt keine. Nur 6,9 Prozent verbauen KI in mehr als der Hälfte ihrer verkauften Lösungen. Trotz der grossen Durchdringung der Branche durch KI bleibe der Mensch aber im Zentrum der Kontrolle, wie die Swico betont.

Investitionen steigen, Governance hinkt

Die KI-Investitionen pro Unternehmen sollen von durchschnittlich rund 119 000 Franken (2025) auf 199 000 Franken (2026) und 234 000 Franken (2027) steigen. Fast die Hälfte fliesst in KI-Plattformdienste und Lizenzen (47,6 Prozent). Kundinnen und Kunden erwarten dank KI vor allem schnellere Entwicklung und tiefere Kosten.

Trotzdem steht die Integration vielerorts am Anfang: 69,4 Prozent setzen KI punktuell oder in mehreren Bereichen ein, aber nicht durchgängig; nur 8,9 Prozent sehen KI im Kern ihres Geschäftsmodells. Das Management treibt Ziele und Strategie aktiv voran, formale Prozesse für KI-Budgets und Erfolgsmessung fehlen jedoch häufig. Bei den Mitarbeitenden sehen die Firmen Chancen für Lernfähigkeit und Karriere, aber auch das Risiko, dass weniger aus eigener Erfahrung gelernt wird.

Das Fazit der Studie: Die Branche ist finanziell solide und experimentierfreudig. Der Schritt von der assistierenden Nutzung zur KI-gestützten Neuausrichtung der Wertschöpfung steht den meisten Unternehmen aber noch bevor.

Quelle: Swico

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