Nachhaltiges Energiemanagement mit Sorptionswärmespeicher
Im Neubau der Zustellstelle der Schweizerischen Post im thurgauischen Kaltenbach wird in diesen Tagen die zweite SeasOn-Demonstrationsanlage der Schweiz in Betrieb genommen. Sie bringt weitere Erkenntnisse für die Markteinführung des Langzeitspeicher-Systems, das überschüssige Solarenergie und Abwärme im Sommer durch ein thermochemisches Verfahren auf Basis von Natronlauge verlustfrei speichert.

Das Flachdach der im Frühling 2025 eröffneten Zustellstelle (ZS) der Post in Kaltenbach TG ist mit einer Photovoltaik-Anlage von 1000m2 ausgestattet und weist eine Jahresleistung von 215 Kilowatt-Peak (kWp) auf. Ihre Leistung ist damit rund sechsmal grösser als jene der ersten Anlage in der Tierkörpersammelstelle in Frauenfeld TG, die seit Ende 2024 in Betrieb ist (siehe Bild oben).
Meilenstein für weitere Markteinführung
Die zweite SeasON-Demonstrationsanlage, die in einem Industrieneubau installiert ist, spart pro Jahr 33 Tonnen CO2 ein. Damit stellt die Schweizerische Post als Mieterin des Gebäudes die CO2-neutrale Energieproduktion, -lagerung und -nutzung am Standort sicher und trägt so zur Erreichung ihres Scope3-Netto-Null-Ziels (Eliminieren und Neutralisieren indirekter Treibhausgasemissionen in ihrer Wertschöpfungskette) bei, das sie bis 2040 erreichen möchte.
«Für uns und das Team der Hochschule Luzern ist die Umsetzung des Projekts in Kaltenbach ein weiterer wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Markteinführung unseres innovativen übersaisonalen Energiespeichers SeasON», hebt Marc Lüthi, CEO der Matica AG, hervor. Ergänzend fügt er an: «Die Erfahrungen aus dem Bau der Anlage, ihrer Installation und der Analyse der Betriebsphase sind essenziell für die effiziente Weiterentwicklung unserer zukunftsweisenden Lösung. Dass wir die Schweizerische Post als Partner für dieses Projekt gewinnen konnten, belegt das grosse Interesse des Markts an neuartigen langfristigen Energiespeichermöglichkeiten.»
Preisgekrönte Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft
Für SeasON haben die Hochschule Luzern (HSLU) und der Industriepartner Matica, der seit über 50 Jahren hochwertige Wassererwärmer sowie Wärme- und Kältespeicher herstellt, zusammengespannt. «In der Entwicklung von SeasON bedingen wir uns gegenseitig und schaffen gleichzeitig eine Win-Win-Situation zwischen Forschung und Praxis», betont Marc Lüthi, CEO der Matica.
Für ihre innovative Lösung durften Matica AG und die HSLU Anfang 2025 den renommierten Prix Watt d’Or in der Kategorie Energietechnologien entgegennehmen. Ende September präsentieren sie SeasON an den Swiss-Japan Energy Days 2025 der Swissnex Japan im Rahmen der Expo in Osaka/Japan und gehören zu den Finalisten für den Swiss Technology Award 2025 in der Kategorie «Industry Innovation». Die Planung der Demonstrationsanlage für die ZS der Post in Kaltenbach TG unterstützte das Frauenfelder Ingenieurbüro novus engineering. Als Förderpartner haben die EKT Energiestiftung, die Klimastiftung Schweiz sowie die Schweizerische Post die Realisierung des Projekts ermöglicht.
Funktionsweise des SeasON-Langzeit-Energiespeichers
Als Speichermedium dient SeasON Natronlauge. Sie wird im Sommer mit überschüssigem Strom der PV-Anlage beladen, indem ihr das Wasser entzogen wird. Die so konzentrierte Natronlauge und das abgeschiedene Wasser lassen sich bei Raumtemperatur bis im Winter je in separaten Tanks speichern respektive lagern. Im Winter wird die konzentrierte Lauge mit dem abgeschiedenen Wasser wieder verdünnt. Konkret nimmt die Lauge das Wasser auf, das in dem geschlossenen System mit Hilfe von Niedertemperaturwärme verdampft wird. Der thermochemische Prozess setzt sowohl die Kondensationswärme des Wasserdampfes als auch die Mischungswärme bei erhöhter Temperatur frei. Der Massen- und Wärmetauscher arbeitet somit als Sorptionsspeicher-Wärmepumpe (SSWP) und stellt praktisch ohne zusätzliche elektrische Energie Heizungswärme bereit. Der Speicherwirkungsgrad beträgt bis zu 95 Prozent.
«SeasON löst gleich mehrere Herausforderungen der Energiewende und fördert nachhaltig effizientes Energiemanagement», betont Benjamin Fumey, Leiter der Forschungsgruppe CC Thermische Energiesysteme und Verfahrenstechnik am Institut für Maschinen- und Energietechnik der Hochschule Luzern – Technik & Architektur. Aus Sicht des Anlagenbetreibers erhöht das System den Eigennutzungsgrad der PV-Anlage, dämpft Energiepreisschwankungen und reduziert CO2-Emissionen. Darüber hinaus glättet SeasON als Langzeit-Energiespeicher saisonale Schwankungen im Stromnetz (Peek Shaving), entlastet dementsprechend das Stromnetz und erfordert keinen Netzausbau.
Neben überschüssigem Sommerstrom kann SeasON ebenso verlustfrei Abwärme aus Industrieprozessen und von Rechenzentren speichern und für das Heizen von Gebäuden im Winter nutzen. Abhängig von den Betriebstemperaturen erreicht SeasON eine Energiedichte von rund 300 kWh/m3 und damit eine bis zu sechsfach höhere Kapazität als ein Warmwasserspeicher.
Quelle und weitere Informationen: https://www.season-swiss.ch/. Siehe auch unseren Bericht (kostenpflichtig) hier: https://www.organisator.ch/de/sustainability/2025-08-26/energie-nachhaltig-speichern/
