Forum ö 2026: Was Resilienz und Nachhaltigkeit miteinander zu tun haben
Resilienz, Nachhaltigkeit – und was zuerst kommt: Darum drehte sich das Forum ö von öbu, dem Verband für nachhaltiges Wirtschaften. Rund 150 Teilnehmende trafen sich am 29. Oktober 2026 in Zürich.

Beide Begriffe werden fast schon inflationär verwendet. Krisen seien real, hielt öbu-Geschäftsführerin Lizan Kuster in ihrer Eröffnung fest – ebenso real seien aber die Lösungen: «Erneuerbare Energien reduzieren nachweislich Kosten, und die Kreislaufwirtschaft eröffnet neue Geschäftsmodelle.» Der neu zusammengesetzte öbu-Vorstand erwartet für 2050 unter anderem mehr lokal produzierte Nahrungsmittel und Nachhaltigkeit als Purpose statt als Nebenschiene.
Anpassen allein genügt nicht
Judith Stroehle, Assistenzprofessorin für Sustainability Governance an der Universität St. Gallen, zeigte in ihrer Keynote, wie Nachhaltigkeit zunehmend als Teil des Risikomanagements verstanden wird. Resilienz bedeute nicht nur, Schocks zu absorbieren und sich anzupassen, sondern auch Transformation, wenn Anpassung nicht mehr reicht. Zudem sei die Öffentlichkeit schlechter informiert, als sie denke: Recycling oder Homeoffice würden als Klimahebel überschätzt, der Verzicht auf Flugreisen und Auto sowie Ökostrom hingegen unterschätzt.
Von emotionaler bis betrieblicher Resilienz
In den Workshops ging es etwa um emotionale Resilienz angesichts von Multikrisen – gestärkt durch Selbstwirksamkeit, Kommunikation und Achtsamkeit. Ein Workshop zur Klimaresilienz zeigte die Folgen für Wirtschaft und Gesundheit, etwa einen hochgerechneten Produktivitätsverlust von 2,1 Milliarden Franken im Hitzesommer 2026. Die Zweifel Pomy Chips AG investiert in eine klimafreundlichere Frittieranlage und zahlt Bauern im Rahmen von «AgroImpact» eine CO2-Prämie für regenerative Landwirtschaft. Weitere Workshop-Themen waren Biodiversität, Klimakommunikation, Lieferkettenrisiken und die «Nutzungswende».
Kreislaufwirtschaft im Praxistest
Katharina Döring, CEO der Rent.Group, und Tom Koch, Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft bei Rytec Circular, prüften den Resilienzbegriff anhand von Thesen. Höhere Lagerbestände machten ein Unternehmen nur bedingt resilienter, da Kosten, Kapitalbindung und Wertverlustrisiken dagegenstünden. Miet- und Sharingmodelle könnten die Resilienz stärken, verlangten aber Aufwand, um Abhängigkeiten vertraglich zu begrenzen. Auch Kreislaufwirtschaft schaffe nicht automatisch Resilienz: Entscheidend seien wirtschaftliche Tragfähigkeit und eine funktionierende Rückwärtslogistik.
Ursachen statt Symptome
Zum Schluss nahm Fachjournalist Marcel Hänggi beide Begriffe kritisch unter die Lupe. Resilienz meine die Rückkehr zum Zustand vor der Krise; Krisen sollten aber für grundlegend Neues genutzt werden. «Mit Umweltkrisen werden wir nur fertig mit einer weitreichenden Transformation», so Hänggi. Resilienz benötige Redundanz und sei damit oft das Gegenteil von Effizienz. Und: «Resilienz bedeutet nicht, auf eine Ursachenbekämpfung zu verzichten.»
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