Halloween: Diesen drei gruseligen Gestalten können Sie am Arbeitsplatz begegnen

Ob Rampenlicht-Vampir, Mikromanagement-Mumie oder Gefälligkeitsgeist: Nicht nur an Halloween zeigt es sich, wie vermeintliche Stärken von Führungskräften zu problematischen Verhaltensweisen werden und die Zusammenarbeit im Team belasten können.

Wenn es gruselt im Büro: Drei «Monster» können das Leben bei der Arbeit schwer machen. (Bild: zVg / Hogan Assessments).

Halloween ist die Zeit der Geister, Hexen und Monster. Doch gruselig kann es auch am Arbeitsplatz werden, denn manche der unheimlichsten Gestalten lauern nicht in dunklen Gassen oder Spukhäusern, sondern mitten im Büro. Das Assessment-Unternehmen Hogan hat drei Gruselgestalten von Führungskräften identifiziert, bei denen vermeintliche Stärken ins Gegenteil umschlagen, wenn sie es damit übertreiben. Hogan bezeichnet solche übertriebenen Persönlichkeitsmerkmale als «Derailer»: Verhaltensmuster, die Führungskräften zum Verhängnis werden können. Besonders unter Druck, bei Stress oder bei zu grosser Selbstzufriedenheit treten sie hervor. Die Folgen können frustrierte Mitarbeitende, schwindendes Vertrauen und eine schlechtere Teamleistung sein.

1. Der Rampenlicht-Vampir

In Besprechungsräumen auf der ganzen Welt treibt er sein Unwesen: der Rampenlicht-Vampir. Er liebt grosse Auftritte, dramatische Geschichten und ständig neue Krisen. Und egal, worum es gerade geht, am Ende schafft er es immer, das Gespräch auf sich selbst zu lenken.

Zunächst kann sein Charisma durchaus begeistern. Er bringt Schwung in Diskussionen, reisst andere mit und weiss genau, wie er die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Doch sein Hunger nach Aufmerksamkeit kennt irgendwann keine Grenzen mehr. Er reisst zunehmend jedes Gespräch an sich und lässt seinen Kolleginnen und Kollegen kaum noch Raum, eigene Ideen einzubringen. Darunter leidet nicht nur die Stimmung, sondern auch die Zusammenarbeit im Team.

Doch was zunächst als Charisma und Begeisterungsfähigkeit beeindruckt, kann schnell in übertriebene Selbstdarstellung umschlagen. «Bei Hogan bezeichnen wir dieses Verhaltensmuster als übersteigertes Geltungsbedürfnis. Wird es nicht bewusst gesteuert, kann sich der Wunsch einer Führungskraft, gesehen, gehört und bewundert zu werden, von mitreissender Ausstrahlung in ablenkende Selbstdarstellung verwandeln. Am Ende fragen sich die Mitarbeitenden, ob überhaupt noch jemand anderes zu Wort kommen wird», erklärt Jackie Sahm, VP Integrated Solutions bei Hogan Assessments.

2. Die Mikromanagement-Mumie

Mit unzähligen Checklisten, strengen Vorgaben und nahezu unerfüllbaren Qualitätsansprüchen zieht die Mikromanagement-Mumie durchs Unternehmen. Kein Fehler ist zu klein, kein Detail zu unwichtig, um ihrer Kontrolle zu entgehen. Jede Präsentation muss noch einmal überarbeitet, jedes Projekt erneut geprüft und jede Aufgabe bis ins kleinste Detail kontrolliert werden. Selbst wenn sie Aufgaben an andere delegiert, übernimmt sie am Ende doch lieber wieder selbst die Kontrolle. Schliesslich will sie nur die bestmöglichen Ergebnisse erzielen. Das Problem: Sie ist überzeugt, dass niemand die Arbeit so gut erledigen kann wie sie selbst.

Was also zunächst nach Sorgfalt und hohen Ansprüchen aussieht, kann für die Mitarbeitenden schnell zur Belastung werden. «Bei Hogan bezeichnen wir diese Führungstendenz als übertriebenen Perfektionismus. Gerade am Anfang der Karriere wird ein solches Verhalten häufig sogar belohnt. Hohe Ansprüche und ein gutes Auge für Details können zu hervorragenden Ergebnissen führen. Doch wenn der Perfektionismus überhandnimmt, fühlen sich Mitarbeitende ständig kontrolliert und bevormundet. Sie haben das Gefühl, dass ihnen niemand etwas zutraut, und können immer weniger eigenständig arbeiten. Am Ende verfängt sich die Mumie in ihren eigenen Bandagen: Sie verliert sich in Kleinigkeiten und übersieht dabei wichtige strategische Chancen», erklärt Jackie Sahm.

3. Der Gefälligkeitsgeist

Auch in so manchem Büro geht ein Geist um, der vor allem eines will: es allen recht machen. Der Gefälligkeitsgeist sagt selten Nein, geht Konflikten aus dem Weg und versucht um jeden Preis, niemanden zu enttäuschen. Er stimmt anderen bereitwillig zu, vermeidet schwierige Gespräche und hält sich bei unangenehmen Entscheidungen lieber zurück. Vorgesetzte schätzen seine Loyalität, Kolleginnen und Kollegen seine Hilfsbereitschaft. Doch hinter diesem freundlichen Auftreten verbirgt sich ein Problem: Aus dem Wunsch nach Harmonie wird schnell die Angst, anderen zu widersprechen.

«Bei Hogan bezeichnen wir diese Tendenz als Gefallsucht. Führungskräfte, denen es übermässig wichtig ist, anderen zu gefallen, haben häufig Schwierigkeiten, schlechte Entscheidungen infrage zu stellen, konstruktives Feedback zu geben oder sich in entscheidenden Momenten für ihr Team einzusetzen. Statt selbstbewusst zu führen, suchen sie ständig nach Erlaubnis, Konsens und Bestätigung», erläutert Jackie Sahm. So versucht der Gefälligkeitsgeist ständig, den unterschiedlichen Erwartungen seiner Mitmenschen gerecht zu werden. Statt klare Entscheidungen zu treffen und seinem Team Orientierung zu geben, will er weiterhin niemanden vor den Kopf stossen. Während die Probleme wachsen, zieht er sich immer weiter zurück und wird als Führungskraft schliesslich selbst nahezu unsichtbar.

Drei Monster, ein gemeinsames Problem

Der Rampenlicht-Vampir reisst jede Aufmerksamkeit an sich, die Mikromanagement-Mumie will alles kontrollieren und der Gefälligkeitsgeist kann einfach nicht Nein sagen. Auf den ersten Blick könnten diese drei Gestalten kaum unterschiedlicher sein. Doch hinter ihrem Verhalten steckt dasselbe Problem: Eigenschaften, die eigentlich zu guter Führung beitragen können, werden zur Schwäche. Und darunter leidet am Ende das gesamte Team. «Werden diese Verhaltensweisen nicht erkannt und gesteuert, können sie das Vertrauen schwächen, die Leistungsfähigkeit des Teams verringern und langfristig die Wirksamkeit der Führung beeinträchtigen. Das ist besonders relevant, weil Mitarbeitende bemerkenswert klare und übereinstimmende Erwartungen an ihre Führungskräfte haben. Die aktuelle Global Leadership Effectiveness Study von Hogan zeigt, dass sie bei Führungskräften vor allem Kommunikationsfähigkeit, Integrität, Verantwortungsbewusstsein und fundierte Entscheidungsfähigkeit schätzen», fasst Jackie Sahm zusammen.

Die eigentliche Gefahr geht also nicht von Monstern aus, sondern von Verhaltensweisen, die im Arbeitsalltag oft lange unbemerkt bleiben. Halloween ist deshalb eine gute Gelegenheit, genauer hinzusehen. Denn manchmal steckt hinter einer vermeintlichen Stärke mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.

Source: Hogan Assessments

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