Wohnen und Mobilität: Autofahrende zahlen deutlich drauf

Der Comparis-Womo-Preisindex zeigt: Wohnen und Mobilität verteuerten sich im August 2026 dreimal so stark wie die allgemeine Teuerung. Besonders betroffen sind Autofahrende, aber auch Heizölbezüger:innen spüren happige Mehrkosten.

Die Preise für Wohnen und Mobilität sind im August 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,4 Prozent gestiegen – und damit dreimal so stark wie die allgemeine Teuerung von 0,8 Prozent*. Das zeigt der Comparis-Womo-Preisindex, der seit März 2024 vierteljährlich in Zusammenarbeit mit dem KOF-Institut der ETH Zürich erscheint. Er bildet ab, wie sich die Teuerung in den Bereichen Wohnen und Mobilität entwickelt.

Zum Vergleich: Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) des Bundesamtes für Statistik (BFS), der einen Warenkorb von über 1’000 Waren und Dienstleistungen abdeckt, stieg lediglich um 0,8 Prozent*. Besonders stark verteuerte sich Heizöl mit gut 50 Prozent. Auch die Treibstoffpreise für Diesel (plus 23,3 Prozent*) und Benzin (plus 15,8 Prozent*) zogen deutlich an.

«Für Autofahrende steigen nicht nur die deutlich sichtbaren Kosten an der Zapfsäule. Auch Versicherungen, Ersatzteile und Reparaturen belasten das Haushaltsbudget zunehmend. Eine spürbare Verbesserung der Situation ist in nächster Zeit aufgrund der weiter unsicheren geopolitischen Lage in Nahost eher nicht zu erwarten», sagt Comparis-Finanzexperte Dirk Renkert.

Mehrkosten von 1’066 Franken für eine Familie

Wohnen und Mobilität machen bei einer durchschnittlichen Familie in der Schweiz rund 40 Prozent des Budgets für den täglichen Konsum aus. Der Womo-Preisindex erfasst im Bereich Wohnen etwa die Preisentwicklung von Mieten und Energie sowie Haushaltsgüter wie Möbel. Im Bereich Mobilität sind es etwa die Preise für Benzin oder Diesel, fürs Auto und für ÖV-Tickets.

Ein Anstieg des Womo-Preisindex um 2,4 Prozent heisst konkret: Hat eine Familie im letzten Jahr monatlich 2’500 Franken für die Wohnungsmiete, 1’000 Franken fürs Auto und 200 Franken für ÖV-Tickets ausgegeben, sind ihre Kosten um rund 89 Franken pro Monat gestiegen. Auf das ganze Jahr gesehen ergibt das allein für Wohnen und Mobilität Mehrkosten von 1’066 Franken.

Nicht nur Tanken wird teurer: Laufende Autokosten steigen deutlich

Die höheren Mobilitätskosten zeigen sich längst nicht nur an der Zapfsäule. Im August 2026 lagen die Preise für Treibstoff durchschnittlich 17,9 Prozent* höher als noch vor einem Jahr. Diesel verteuerte sich innert Jahresfrist um 23,3 Prozent*, Benzin um 15,8 Prozent*. Gleichzeitig steigen auch weitere laufende Kosten rund um das Auto. Die Motorfahrzeugversicherung kostete 7,4 Prozent* mehr als vor einem Jahr. Über einen Zeitraum von 5 Jahren verteuerte sich die Motorfahrzeugversicherung um 18,9 Prozent*. Ersatzteile und Zubehör wurden um 12,6 Prozent* teurer, Wartungs- und Reparaturleistungen um 8,6 Prozent*. Demgegenüber sind neue Automobile und Occasionsfahrzeuge im Vorjahresvergleich um 0,8 Prozent* beziehungsweise 1,5 Prozent* günstiger geworden.

Angesichts höherer Kosten empfiehlt der Comparis-Finanzexperte eine regelmässige Überprüfung des Sparpotenzials. Besonders bei der Motorfahrzeugversicherung kann es sich lohnen, regelmässig die Tarife zu vergleichen.

Heizkosten und Treibstoffpreise steigen kräftig. Quelle: zvg

Starke Preisanstiege auch beim Heizöl

Neben deutlich höheren Treibstoffpreisen sind auch die Preise für Energie zum Heizen – Gas, Heizöl, Brennholz und Fernwärme – gestiegen, nämlich um insgesamt 17,1 Prozent. Damit verzeichnete die Produktgruppe den zweithöchsten Preisanstieg. Ein genauer Blick zeigt: Die einzelnen Energieträger haben sich unterschiedlich entwickelt. Deutlich verteuert haben sich Heizöl (plus 53,1 Prozent*) und Brennholz (plus 10,8 Prozent*). Hingegen sanken die Preise für Fernwärme um 0,4 Prozent* und für Gas um 3,0 Prozent*.

«Mit welchem Energieträger eine Wohnung beheizt wird, entscheidet derzeit stark über die finanzielle Belastung eines Haushalts. Kurzfristig können Mieterinnen und Mieter darauf kaum Einfluss nehmen. Umso wichtiger ist es, den Verbrauch zu senken und bei stark schwankenden Heizkosten genügend Spielraum im Haushaltsbudget einzuplanen», empfiehlt Renkert.

Der Preisanstieg für die Motorfahrzeugversicherung (plus 7,4 Prozent*) war der drittstärkste gegenüber dem Vorjahresmonat. Auf den Rängen 4 und 5 folgen andere Möbel wie beispielsweise Schlafzimmer- und Gartenmöbel mit plus 3,5 Prozent sowie Einrichtungszubehör und lose Teppiche mit plus 3,1 Prozent*.

Stärkste Preisrückgänge in den vergangenen 12 Monaten

Vor 12 Monaten kosteten kleine Haushaltsgeräte mehr als im August 2026. Gemäss der Comparis-Analyse sind die Preise im Vorjahresvergleich um 8,1 Prozent* gesunken. Am zweitstärksten vergünstigten sich die Preise für andere Gebrauchsgüter für die Haushaltsführung. Sie lagen 4,8 Prozent* tiefer als noch im August 2025. Weiter gesunken sind auch die Preise für grosse elektrische Haushaltsgeräte (minus 4,3 Prozent*), motorbetriebene Werkzeuge für Haus und Garten (minus 3,6 Prozent*) sowie Elektrizität (minus 3,0 Prozent*).

Höchste Teuerung bei Paaren ab 65 Jahren ohne Kinder

Unterschieden nach Haushaltstypen erlebten Paare ab 65 Jahren ohne Kinder in den letzten 12 Monaten die höchste Teuerung bei Wohnen und Mobilität. Sie spüren aktuell eine Teuerungsrate von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch im August 2026 wurde das Leben für sie verglichen mit Mai 2026 noch einmal teurer, und zwar um 0,7 Prozent.

Rein rechnerisch spüren Einpersonenhaushalte ab 65 Jahren die Teuerung prozentual am wenigsten. Mit einem Indexstand von 114,0 hat die gefühlte Teuerung in den Bereichen Wohnen und Mobilität bei ihnen in den letzten 12 Monaten plus 2,2 Prozent betragen. Im 3-Monats-Vergleich erhöhte sich die Teuerung für sie im August um 0,6 Prozent.

Mittlere Einkommensklasse spürt die Teuerung am meisten

Bei den Einkommensklassen zeigt sich: Das Leben hat sich im Vergleich zum Vorjahr für die mittlere Einkommensklasse am stärksten verteuert. Der Womo-Preisindex ist für diese Klasse um 2,6 Prozent gestiegen. Verglichen mit Mai 2026 lag die Teuerung bei plus 0,6 Prozent.

Am schwächsten von der Teuerung betroffen war die tiefste Einkommensklasse. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Preise für sie um 2,3 Prozent gestiegen. In den letzten 3 Monaten wurde der Konsum für die tiefste Einkommensklasse um 0,6 Prozent teurer.

Das Tessin ist von der Teuerung am meisten betroffen

Unterteilt nach Sprachregionen ergibt sich folgendes Bild: Die italienische Schweiz verzeichnete mit plus 3,0 Prozent die höchste Teuerung im Vergleich zum Vorjahr. Gegenüber Mai 2026 stieg das Preisniveau um 0,7 Prozent.

Die Deutschschweiz und die rätoromanische Schweiz verzeichneten mit plus 2,4 Prozent die tiefste Teuerung gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu vor 3 Monaten wurde dort das Leben im August um 0,6 Prozent teurer.

Tipps für Konsumentinnen und Konsumenten

Die Preisunterschiede zwischen Tankstellen und Regionen können beträchtlich sein. Wer Tankstopps plant und Preise vergleicht, kann seine Ausgaben spürbar senken. Wer seit vielen Jahren beim gleichen Versicherer ist, sollte besonders aufmerksam sein: Treue wird im Versicherungsmarkt nicht automatisch belohnt. Gerade in einem Jahr mit breiten Prämienerhöhungen lohnt sich ein Marktcheck. Oft geht es nicht nur um tiefere Prämien, sondern auch um eine Versicherung, die besser zur eigenen Situation passt.

Bereits einfache Massnahmen wie richtiges Lüften, das Schliessen von Rollläden und Vorhängen in der Nacht oder das Freihalten von Heizkörpern helfen, den Energieverbrauch und damit die Heizkosten zu senken. Auch die Heizungseinstellungen lohnen sich, regelmässig zu überprüfen: Bereits ein Grad weniger Raumtemperatur reduziert den Energieverbrauch merklich.


*Comparis-Womo-Preisindex: Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) misst Preisveränderungen anhand eines repräsentativen Warenkorbs von rund 1’050 Waren und Dienstleistungen. Der LIK wurde Anfang 2026 neu strukturiert und umfasst 13 Hauptkategorien – darunter neu auch die Hauptkategorie Versicherungen und Finanzdienstleistungen. Grosse Ausgabenposten wie etwa die Prämien für die Sozialversicherungen oder die direkten Steuern sind demgegenüber nicht erfasst. Der Comparis-Womo-Preisindex in Zusammenarbeit mit dem KOF-Institut der ETH Zürich bildet die Inflation ausschliesslich in den Bereichen Wohnen und Mobilität ab und berücksichtigt zudem einzelne Haushaltsgruppen, Einkommensklassen und Sprachregionen. Die Datengrundlage besteht aus dem LIK sowie der Haushaltsbudgeterhebung (HABE). Die Indexbasis ist Dezember 2017 (100 Prozent).

More information: https://www.comparis.ch

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