{"id":10090,"date":"2019-06-24T10:29:37","date_gmt":"2019-06-24T08:29:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.umweltperspektiven.ch\/?p=2231"},"modified":"2022-02-09T11:10:52","modified_gmt":"2022-02-09T10:10:52","slug":"wie-steht-es-um-die-schweizer-kleinseen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.organisator.ch\/en\/sustainability\/2019-06-24\/wie-steht-es-um-die-schweizer-kleinseen\/","title":{"rendered":"What about the Swiss small lakes?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2232\" aria-describedby=\"caption-attachment-2232\" style=\"width: 680px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2232\" src=\"\/\/www.umweltperspektiven.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_start.jpg\" alt=\"\" width=\"680\" height=\"510\" srcset=\"https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_start.jpg 800w, https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_start-680x510.jpg 680w, https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_start-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_start-16x12.jpg 16w, https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_start-233x175.jpg 233w, https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_start-467x350.jpg 467w, https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_start-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2232\" class=\"wp-caption-text\">Anstrengungen zur Verminderung der N\u00e4hrstoffbelastung sind insbesondere im Bereich Landwirtschaft erforderlich, um den Zustand der Kleinseen weiter zu verbessern. Im Bild: Inkwilersee (\u00a9M. Zeh).<\/figcaption><\/figure>\n<div class=\"haupttext text_oben\">\n<p>Welche Bedeutung misst man Kleinseen zu? In der Schweiz gibt es rund 1600 Seen mit einer Mindestfl\u00e4che von 0,5 Hektar. Rund 1500 dieser Seen sind kleiner als 50 Hektar. Diese im vorliegenden Bericht als Kleinseen bezeichneten Gew\u00e4sser weisen eine hohe Vielfalt sowohl bez\u00fcglich ihrer Entstehung als auch ihrer Nutzung auf. Viele Kleinseen wie z.\u2009B. Toteisseen, Mor\u00e4nenstauseen und Dolinen sind nat\u00fcrlicherweise entstanden. Ebenso vielf\u00e4ltig sind die k\u00fcnstlich geschaffenen Kleinseen wie beispielsweise Torfstiche, Stauweiher oder Baggerseen. Die Kleinseen werden vom Menschen sehr unterschiedlich z.\u2009B. zwecks Erholungsraum, Fischerei, Hochwasserr\u00fcckhaltebecken, Stromgewinnung genutzt.<\/p>\n<p>Alle diese Kleinseen bilden zudem einen wichtigen Lebensraum f\u00fcr z.\u2009T. bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Obwohl die Wasserfl\u00e4che aller Kleinseen nur ca. 3% der Wasserfl\u00e4che aller Schweizer Seen betr\u00e4gt, beherbergen sie rund 50% der in der Schweiz vorkommenden Arten von Wasserschnecken, Wasserk\u00e4fern, Wasserpflanzen und Libellen und rund 80% der in der Schweiz vorkommenden Amphibienarten [1] \u2013 sie sind ein absoluter Hotspot f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2234\" src=\"\/\/www.umweltperspektiven.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_fig3.jpg\" alt=\"\" width=\"680\" height=\"394\" srcset=\"https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_fig3.jpg 760w, https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_fig3-680x394.jpg 680w, https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_fig3-18x10.jpg 18w, https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_fig3-302x175.jpg 302w, https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_fig3-605x350.jpg 605w, https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_fig3-300x174.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/><\/p>\n<p>Die Kenntnis \u00fcber den Zustand der Kleinseen ist wichtig, um diese wertvollen Lebensr\u00e4ume bewahren, gezielt sch\u00fctzen und die vielf\u00e4ltige Nutzung dieser Seen langfristig sicherstellen zu k\u00f6nnen. Jedoch gibt es bisher keinen schweizweiten \u00dcberblick \u00fcber deren Zustand, weil einheitliche Beurteilungsmethoden fehlen und die Datenlage aufgrund der unterschiedlichen Monitoring-Praktiken in den einzelnen Kantonen sehr heterogen ist.<br \/>\nUm dennoch einen \u00dcberblick zu verschaffen, wurde nach den Richtlinien \u00abGew\u00e4sserbewertung \u2013 stehende Gew\u00e4sser\u00bb der deutschen L\u00e4nderarbeitsgemeinschaft (LAWA) [2-5] eine Bewertung der untersuchten Schweizer Kleinseen vorgenommen. Dazu wurden alle kantonal verf\u00fcgbaren Daten zum trophischen Zustand der Kleinseen zusammengetragen, zusammenfassend dargestellt und bei gen\u00fcgender Datenlage unter Anwendung dieser Richtlinien ausgewertet [6].<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"black_color\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-2233\" src=\"\/\/www.umweltperspektiven.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_fig2.jpg\" alt=\"\" width=\"737\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_fig2.jpg 760w, https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_fig2-680x394.jpg 680w, https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_fig2-18x10.jpg 18w, https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_fig2-302x175.jpg 302w, https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_fig2-605x350.jpg 605w, https:\/\/www.organisator.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/binderheim_fig2-300x174.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"black_color\"><strong>Bewertungssatz<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Die Bewertung eines stehenden Gew\u00e4ssers nach dem LAWA-Ansatz st\u00fctzt sich grunds\u00e4tzlich auf die Ist-Trophie und die gew\u00e4sserspezifisch zu definierende Referenz-Trophie, in der sich das Gew\u00e4sser unter nat\u00fcrlichen oder naturnahen Gegebenheiten befinden w\u00fcrde. Die Referenz-Trophie ber\u00fccksichtigt die individuellen Eigenschaften des Gew\u00e4ssers und seines Einzugsgebietes und l\u00e4sst sich aus den morphometrischen Gegebenheiten oder dem potenziell nat\u00fcrlichen N\u00e4hrstoff-eintrag aus dem Einzugsgebiet f\u00fcr jeden See individuell ermitteln. Das Mass der Bewertung ist die Abweichung der Ist-Trophie von der Referenz-Trophie [2]. Unter Trophie versteht man die Intensit\u00e4t der organischen photoautotrophen Produktion, die stark vom vorhandenen N\u00e4hrstoffangebot abh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Mit diesem Ansatz kann die Erreichung der in der GSchV aufgef\u00fchrten Qualit\u00e4tsziele (keine unnat\u00fcrlich hohe Produktion von Biomasse), welche die gesetzliche Grundlage zur \u00dcberwachung der Kleinseen darstellt, direkt \u00fcberpr\u00fcft werden. Es ist davon auszugehen, dass eine Abweichung der Ist-Trophie von der Referenz-Trophie das Vorkommen von empfindlichen Tieren und Pflanzen beeinflusst und damit weitreichende Konsequenzen f\u00fcrs Funktionieren des \u00d6kosystems hat. Deshalb kann mit diesem Ansatz indirekt auch die Einhaltung der Anforderungen der Gew\u00e4sserschutzverordnung (keine Beeintr\u00e4chtigung der Fortpflanzung, Entwicklung und Gesundheit empfindlicher Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen; nat\u00fcrliche Verh\u00e4ltnisse) \u00fcberpr\u00fcft werden.<\/p>\n<p class=\"blue_color black_color\"><strong>Ermittlung der Ist-Trophie<\/strong><\/p>\n<p>Die Ermittlung des trophischen Ist-Zustandes erfolgt anhand eines nach definierten Vorgaben zu erhebenden Datensatzes, der Phosphorkonzentrationen, Chlorophyll-a-Gehalte (Chla) sowie Sichttiefen beinhaltet.<br \/>\nDie Ist-Trophie wurde aufgrund eines fehlenden einheitlichen Datensatzes der ben\u00f6tigten Parameter aus vorhandenen Studien und kantonalen Fachberichten entnommen. Die Einteilung der Ist-Trophie erfolgte 4-stufig:<\/p>\n<table style=\"height: 188px;\" border=\"0\" width=\"1023\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>oligotroph<\/strong><\/td>\n<td>schwach produktiv<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>mesotroph<\/strong><\/td>\n<td>m\u00e4ssig produktiv<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>eutroph<\/strong><\/td>\n<td>hoch produktiv<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>hoch eutroph <\/strong><\/td>\n<td>sehr hoch produktiv<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p class=\"black_color\">\n<p>Die Referenz-Trophie l\u00e4sst sich einerseits aus den morphometrischen Gegebenheiten der Seen wie Beckengestalt und Tiefe bzw. dem Schichtungsverhalten und andererseits aus dem potenziell nat\u00fcrlichen Phosphoreintrag aus dem Einzugsgebiet bestimmen. Ein Vergleich der Resultate aus den beiden unabh\u00e4ngigen Referenzans\u00e4tzen erlaubt eine Plausibilisierung der ermittelten Referenz-Trophien.<br \/>\nDie Ermittlung der Referenz-Trophie erfolgte in den vorliegenden Auswertungen aufgrund der fehlenden erforderlichen Datengrundlage lediglich anhand der Morphometrie. Die Grundlage hierf\u00fcr bildet ein statistischer Zusammenhang zwischen trophiebeschreibenden Kenngr\u00f6ssen wie Chla-Konzentrationen, Sichttiefe und Gesamtphosphorkonzentration und die Beckenform eines Sees charakterisierenden Faktoren wie Volumen, Oberfl\u00e4che, maximale Tiefe, L\u00e4nge und Breite. Dieser statistische Zusammenhang basiert auf aktuellen Messdaten zu 108 glazial entstandenen Seen Deutschlands, der mit Daten zu 51 glazialen in nat\u00fcrlichem Zustand befindlichen Seen in Weissrussland geeicht wurde [2].<\/p>\n<p class=\"black_color\"><strong>Bewertung<\/strong><\/p>\n<p>Das Mass f\u00fcr die Bewertung stellt die Abweichung des Ist-Zustandes vom Referenz-Zustand dar. Die Bewertung wird aufgrund der vorhandenen Datenlage in Abweichung zur LAWA-Richtlinie 3-stufig dargestellt:<\/p>\n<table style=\"height: 221px;\" border=\"0\" width=\"1027\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>gut<\/strong><\/td>\n<td>Ist-Trophie gleich oder<br \/>\nbesser als Referenz-Trophie<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>m\u00e4ssig<\/strong><\/td>\n<td>Ist-Trophie ist h\u00f6chstens eine Stufe schlechter als Referenz-Trophie<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>unbefriedigend<\/strong><\/td>\n<td>Ist-Trophie ist mehr als eine Stufe schlechter als Referenz-Trophie<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Kleinseen, bei denen die Referenz-Trophie aufgrund der ungen\u00fcgenden morphometrischen Datenlage nicht ermittelt werden konnte, wurden nicht bewertet. Bei diesen Kleinseen liegt lediglich eine Trophieklassifikation vor. Dies betrifft alle k\u00fcnstlichen und einige alpine und subalpine Kleinseen.<\/p>\n<\/div>\n<h4><\/h4>\n<h4>ZUSTAND DER KLEINSEEN<\/h4>\n<p>Zu 163 Kleinseen liegen Informationen zur trophischen Situation vor. Die untersuchten Kleinseen verteilen sich auf alle H\u00f6henstufen von kollin bis alpin. Der Anteil untersuchter Seen mit Informationen zur trophischen Situation liegt in der kollinen, montanen und subalpinen H\u00f6henstufe zwischen 14 und 18%, in der alpinen H\u00f6henstufe bei 6%. Alpine Seen sind in der untersuchten Stichprobe relativ untervertreten, aber insgesamt wird in allen H\u00f6henstufen eine gute Stichprobengr\u00f6sse erreicht.<\/p>\n<p>Um den Zustand der Schweizer Kleinseen \u00fcberblicksm\u00e4ssig darstellen und die Resultate im Kontext diskutieren zu k\u00f6nnen, wurden die Seen in verschiedene Kategorien eingeteilt. Bei der Gruppierung wurden die trophische Situation beeinflussende Gegebenheiten wie Entstehung, H\u00f6henlage und das Schichtungsverhalten der Kleinseen ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Als Erstes erfolgte eine Gruppierung aufgrund der Entstehung in nat\u00fcrliche und k\u00fcnstliche Seen. Dies erscheint zweckm\u00e4ssig, da der Bewertungsansatz nach LAWA-Richtlinie auf einem Vergleich des Ist-Zustandes mit einem naturnahen Referenz-Zustand basiert, der bei k\u00fcnstlichen Kleinseen erst noch definiert werden muss. Deshalb wurde bei den k\u00fcnstlichen Seen lediglich eine Trophieklassifikation, aber keine eigentliche Bewertung nach LAWA-Richtlinie vorgenommen. Der Zustand der Kleinseen wird deshalb im Folgenden gesondert nach nat\u00fcrlichen und k\u00fcnstlichen Kleinseen dargelegt.<\/p>\n<p>Als zweites Kriterium wurde die H\u00f6henlage zur Gruppierung verwendet. Diese gilt einerseits als Anhaltspunkt f\u00fcr die anthropogene Belastung aus dem Einzugsgebiet der Seen, da die Siedlungsdichte und der Anteil sowie die Intensit\u00e4t der Landwirtschaft mit steigender H\u00f6he abnehmen. Andererseits wird durch diese Einteilung den klimatischen Bedingungen, die f\u00fcr die Prim\u00e4rproduktion relevant sind, auch Rechnung getragen. Die H\u00f6heneinstufung wurde nach geobotanischen Kriterien in vier H\u00f6henstufen vorgenommen. Die Einteilung in H\u00f6henstufen erlaubt es, Aussagen zu Seen mit vergleichbarer Belastungssituation machen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"548\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>H\u00f6henstufe<\/td>\n<td>H\u00f6henlage<br \/>\n[m\u2009\u00fc.M]<\/td>\n<td>Anteil<br \/>\nLandwirtschaftsfl\u00e4che %<\/td>\n<td>Anteil<br \/>\nSiedlungsfl\u00e4che %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>kollin<\/td>\n<td>&lt;\u2009700<\/td>\n<td>49<\/td>\n<td>18<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>montan<\/td>\n<td>700\u20131200<\/td>\n<td>44<\/td>\n<td>4<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>subalpin<\/td>\n<td>1200\u20131900<\/td>\n<td>18<\/td>\n<td>1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>alpin<\/td>\n<td>&gt;\u20091900<\/td>\n<td>1<\/td>\n<td>0<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Als drittes Kriterium f\u00fcr die Gruppierung diente das Schichtungsverhalten. Es wurde zwischen ungeschichteten und geschichteten Kleinseen unterschieden. Im Gegensatz zu geschichteten Seen stehen in flachen ungeschichteten Seen die N\u00e4hrstoffe, die im Wasser oder Sediment nach der Zersetzung der Biomasse wieder freigesetzt werden, dem Algenwachstum unmittelbar wieder zur Verf\u00fcgung. Die trophische Situation der Seen wird dadurch massgeblich beeinflusst und ist auch nach LAWA-Richtlinie ein wichtiger Parameter zur Bestimmung der Ist- und Referenz-Trophie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nat\u00fcrliche Kleinseen\u00a0<\/strong><\/p>\n<h6>Ist-Zustand<\/h6>\n<p>In der Regel sind Kleinseen in tieferen Lagen n\u00e4hrstoffreicher und befinden sich eher in einem ungen\u00fcgenden trophischen Zustand als Kleinseen in h\u00f6heren Lagen. So befinden sich 21 von 36 untersuchten kollinen Kleinseen (60%) in einem ungen\u00fcgenden Zustand. In allen H\u00f6henlagen werden ungeschichtete Kleinseen im Allgemeinen besser bewertet als geschichtete, da sie aufgrund ihrer Morphometrie (Polymixie, hohe Eigend\u00fcngung) eher nat\u00fcrlicherweise einen h\u00f6heren Trophiegrad aufweisen als geschichtete.<\/p>\n<p>Der ungen\u00fcgende Zustand kolliner Kleinseen kann auf eine oder mehrere Ursachen zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. 80% der Kleinseen in m\u00e4ssigem und unbefriedigendem Zustand befinden sich in Einzugsgebieten mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung. Beeintr\u00e4chtigungen aufgrund dieser intensiven landwirtschaftlichen Nutzung im Einzugsgebiet d\u00fcrften f\u00fcr deren ungen\u00fcgenden Zustand die wesentliche Rolle spielen. N\u00e4hrstoffe gelangen einerseits durch die D\u00fcngung der z.\u2009T. unmittelbar ans Ufer angrenzenden Landwirtschaftsfl\u00e4chen und daraus resultierenden oberfl\u00e4chlichen N\u00e4hrstoffabschwemmungen und andererseits via Drainageeinleitungen in die Gew\u00e4sser. Viele Kleinseen wurden w\u00e4hrend des 2. Weltkriegs abgesenkt, die umgebenden moorigen Fl\u00e4chen wurden entw\u00e4ssert und f\u00fcr die Landwirtschaft nutzbar gemacht. Durch die Luftzufuhr wird der Torf zersetzt. Die freigesetzten N\u00e4hrstoffe werden ebenfalls via Drainagen in die Seen transportiert.<\/p>\n<p>In manche Kleinseen gelangen N\u00e4hrstoffe immer noch \u00fcber die Siedlungsentw\u00e4sserung wie z.\u2009B. durch Einleitungen von Hochwasserentlastungen oder Meteorwasser oder in Einzelf\u00e4llen von nicht an eine ARA angeschlossene Haushaltungen. Untersuchungen an neun kollinen Kleinseen des Kantons Bern weisen sowohl auf N\u00e4hrstoffbelastungen aus der Landwirtschaft als auch auf Eintr\u00e4ge von h\u00e4uslichem Abwasser hin, die als Gr\u00fcnde f\u00fcr deren ungen\u00fcgenden Zustand genannt werden [7].<\/p>\n<p>Diese aus punktuellen Quellen stammenden N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge sind aber meist von untergeordneter Bedeutung. In den meisten F\u00e4llen handelt es sich um diffuse Eintr\u00e4ge aus der Landwirtschaft. Dies konnte mittels einer Stoffflussanalyse zum Beispiel am Inkwilersee (BE\/SO) gezeigt werden [8]. Die diffusen Eintr\u00e4ge lagen mit einem Anteil von 91 bis 98% bei Phosphor bzw. Stickstoff weit \u00fcber den Eintr\u00e4gen aus Punktquellen (Regenwasserentlastungen, Meteorwassereinleitungen). Eintr\u00e4ge aus dem Ackerbau wurden dabei als bedeutendste N\u00e4hrstoffquellen befunden.<br \/>\nEine Dominanz der N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge durch die Landwirtschaft d\u00fcrfte bei vielen Kleinseen des Mittellandes auftreten, die einen hohen Anteil intensiver Landwirtschaft aufweisen. Bedeutende N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge aus Punktquellen der Siedlungsentw\u00e4sserung sind gem\u00e4ss Einsch\u00e4tzung kantonaler Fachstellen meist von untergeordneter Bedeutung.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist der betr\u00e4chtliche Anteil von 40% der Kleinseen im subalpinen Bereich, die sich in ungen\u00fcgendem Zustand befinden. Wahrscheinlich ist die Alpwirtschaft, die bei manchen Seen bis zu 60% der Einzugsgebietsnutzung ausmacht, f\u00fcr deren ungen\u00fcgenden trophischen Zustand von grosser Bedeutung. Die N\u00e4he von Alpweiden zum Gew\u00e4sser oder die Nutzung als Viehtr\u00e4nke d\u00fcrften ebenfalls eine wesentliche Eutrophierung insbesondere von kleinen subalpinen Seen bewirken. Ferner k\u00f6nnen Einleitungen aus einzelnen H\u00f6fen oder Betrieben, die abwassertechnisch nicht oder nur ungen\u00fcgend behandelt werden, die trophischen Verh\u00e4ltnisse im See beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p>Praktisch alle untersuchten subalpinen Kleinseen in ungen\u00fcgendem Zustand liegen in Karstgebieten. Aufgrund der speziellen hydrologischen Gegebenheiten k\u00f6nnen auch geringe N\u00e4hrstoffbelastungen eine grosse negative Auswirkung auf deren trophische Situation haben. Inwieweit hohe Seespiegelschwankungen einiger subalpiner Seen, die zwecks Energieproduktion genutzt werden, den Trophiegrad beeintr\u00e4chtigen, bleibt zu untersuchen. Die genauen Ursachen der Beeintr\u00e4chtigungen m\u00fcssen im Einzelfall und seespezifisch ermittelt werden.<br \/>\nDie bewerteten alpinen Kleinseen befinden sich in einem guten Zustand.<\/p>\n<p><strong>Zustandsentwicklung<\/strong><\/p>\n<p>Langzeituntersuchungen an 27 Kleinseen, an denen Sanierungsmassnahmen durchgef\u00fchrt wurden, zeigen, dass mit gezielten seeexternen (Sanierung Siedlungsentw\u00e4sserung, Extensivierung der Landwirtschaft, Erstellen von Pufferzonen) und seeinternen (Tiefenwasser-ableitung, Zirkulationsunterst\u00fctzung) Massnahmen rund ein Drittel der Seen in ihren nat\u00fcrlichen Zustand zur\u00fcckgef\u00fchrt werden konnten und aktuell einen guten Zustand aufweisen.<\/p>\n<p>Erfolgreiche seeexterne Sanierungsmassnahmen waren die Sanierung der Siedlungsentw\u00e4sserung, die Extensivierung von Landwirtschaftsfl\u00e4chen v.\u2009a. auf gew\u00e4ssernahen Fl\u00e4chen, das Erstellen von Pufferzonen insbesondere in Hanglagen und angepasste D\u00fcngepraxis. Seeinterne Massnahmen wie z.\u2009B. Tiefenwasserableitung und Zirkulationsunterst\u00fctzung waren insbesondere in Kombination mit seeexternen Massnahmen erfolgreich. Es hat sich gezeigt, dass die Massnahmen auf jedes Gew\u00e4sser individuell abgestimmt und angewendet werden m\u00fcssen, damit Sanierungserfolge erzielt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nJedoch befinden sich rund zwei Drittel der Kleinseen trotz Sanierungsmassnahmen immer noch in einem ungen\u00fcgenden Zustand. Die Phosphorr\u00fcckl\u00f6sung aus den Sedimenten bei sauerstofflosen Bedingungen, die eine hohe Eigend\u00fcngung aus den \u00fcber Jahrzehnte belasteten Sedimenten bewirkt, ist ein Grund f\u00fcr diese Situation. Dies ist v.\u2009a. bei ungeschichteten Kleinseen von grosser Bedeutung.<\/p>\n<p>Nur einer von f\u00fcnf ungeschichteten Kleinseen hat dank erfolgter Sanierungsmassnahmen einen guten Zustand erreicht. Bei den geschichteten Kleinseen ist dieser Anteil doppelt so gross.<\/p>\n<p>Die Langzeituntersuchungen zeigen zudem, dass Sanierungsmassnahmen \u00fcber einen langen Zeitraum durchgef\u00fchrt werden m\u00fcssen, bis sich ein Gleichgewicht und ein stabiler neuer verbesserter Zustand einstellen. Die Algenmenge in einem See reagiert aufgrund der Phosphorr\u00fcckl\u00f6sung aus den Sedimenten bzw. seeinterner Eigend\u00fcngung verz\u00f6gert auf den externen N\u00e4hrstoffr\u00fcckgang.<br \/>\nEin weiterer Grund f\u00fcr den immer noch ungen\u00fcgenden Zustand der langj\u00e4hrig untersuchten Kleinseen ist immer noch die zu hohe externe N\u00e4hrstoffbelastung aus dem Einzugsgebiet haupts\u00e4chlich durch Landwirtschaft und teilweise durch Siedlungsentw\u00e4sserung.<\/p>\n<p>Um den Zustand der Kleinseen in der Schweiz weiter zu verbessern, m\u00fcssen Massnahmen in erster Linie im Bereich Landwirtschaft durch Extensivierungen, Reduktion des Tierbestandes, Erstellen von Pufferstreifen und Erosionsschutzmassnahmen umgesetzt werden. In Einzelf\u00e4llen d\u00fcrften Massnahmen im Bereich Siedlungsentw\u00e4sserung, z.\u2009B. Fernhalten von Hochwasserentlastungen, notwendig sein. Zudem m\u00fcssen bereits getroffene Massnahmen auch bei noch nicht ersichtlichen Verbesserungen weiterhin aufrechterhalten werden.<\/p>\n<p><strong>K\u00fcnstliche Kleinseen<\/strong><\/p>\n<p>Die 61 untersuchten k\u00fcnstlichen Kleinseen weisen eine grosse Vielfalt an Trophiegraden auf, die sowohl von ihrer Entstehungsgeschichte als auch von der Art und Intensit\u00e4t der Nutzung abh\u00e4ngt. Die Kleinseen in tieferen Lagen sind dabei im Vergleich zu denjenigen in h\u00f6heren Lagen h\u00e4ufiger n\u00e4hrstoffreich, was wahrscheinlich auf die gr\u00f6ssere anthropogene Belastung aus intensiver Landwirtschaft und Siedlungsentw\u00e4sserung in tiefen Lagen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist [6].<br \/>\nDie meisten der 61 untersuchten k\u00fcnstlichen Kleinseen konnten aufgrund einer nicht zu bestimmenden Referenz-Trophie nicht nach den LAWA-Richtlinien bewertet werden, weshalb im vorliegenden Artikel nicht n\u00e4her auf den Zustand der k\u00fcnstlichen Kleinseen eingegangen wird.<\/p>\n<h4>Fazit und Ausblick<\/h4>\n<p>Von den rund 1500 Kleinseen in der Schweiz sind bislang 163 auf ihren trophischen Zustand hin untersucht worden.<\/p>\n<p>Der Vergleich von gew\u00e4ssertypspezifischem trophischem Ist-Zustand und trophischem Referenz-Zustand wurde als geeigneter Ansatz f\u00fcr eine gesamtschweizerisch einheitliche Bewertung von nat\u00fcrlichen Kleinseen erachtet, da damit die Erreichung der gesetzlichen Ziele und die Einhaltung der Anforderungen \u00fcberpr\u00fcft werden kann.<\/p>\n<p>Die H\u00e4lfte der nat\u00fcrlichen Kleinseen im Mittelland befindet sich in einem ungen\u00fcgenden Zustand. Ursache f\u00fcr den ungen\u00fcgenden Zustand vieler Mittellandseen ist die zu hohe seeexterne N\u00e4hrstoffbelastung aus der intensiven Landwirtschaft. Bei den subalpinen Seen befinden sich rund ein Drittel der Seen in einem ungen\u00fcgenden Zustand, wobei dies mit Beeintr\u00e4chtigungen sowohl aus der Alpwirtschaft im Einzugsgebiet als auch mit Einleitungen aus einzelnen H\u00f6fen und Betrieben begr\u00fcndet werden kann. Alpine Kleinseen befinden sich in der Regel in einem guten Zustand.<br \/>\nErgebnisse aus Langzeituntersuchungen an nat\u00fcrlichen Kleinseen zeigen, dass mit geeigneten seeexternen Massnahmen im Bereich Landwirtschaft und Siedlungsentw\u00e4sserung Verbesserungen auch in stark anthropogen genutzten Einzugsgebieten erzielt werden konnten und das Erreichen eines naturnahen Zustands m\u00f6glich ist. Die Kombination von see-externen und seeinternen Massnahmen zur Erreichung eines guten Zustandes hat sich in der Praxis bew\u00e4hrt. Jedoch zeigen die Langzeituntersuchungen auch, dass sich viele Kleinseen trotz erfolgter Sanierungsmassnahmen immer noch in einem ungen\u00fcgenden Zustand befinden.<br \/>\nWeitere Massnahmen zur Reduktion der N\u00e4hrstoffbelastung insbesondere im Bereich Landwirtschaft sind n\u00f6tig, um den Zustand der Kleinseen weiter zu verbessern und damit ihre Funktion als wertvolle Lebensr\u00e4ume und Erholungsr\u00e4ume langfristig sicherstellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h5><a href=\"\/\/www.aquaetgas.ch\">www.aquaetgas.ch<\/a><\/h5>\n<h5><\/h5>\n<h5 class=\"black_color\">Bibliographie<\/h5>\n<p><span class=\"kursiv_klein\">[1] Oertli, B. (2000): Diversit\u00e9 biologique et typologie \u00e9cologique des \u00e9tangs et petits lacs de Suisse.<\/span><br \/>\n<span class=\"kursiv_klein\">Bundesamt f\u00fcr Umwelt, Bern et Laboratoire d\u2019\u00c9cologie et de Biologie Aquatique, Universit\u00e9 de Gen\u00e8ve<\/span><br \/>\n<span class=\"kursiv_klein\">[2] LAWA (L\u00e4nderarbeitsgemeinschaft Wasser) (1998): Gew\u00e4sserbewertung \u2013 stehende Gew\u00e4sser. Vorl\u00e4ufige Richtlinie f\u00fcr eine Erstbewertung von nat\u00fcrlich entstandenen Seen nach trophischen Kriterien, Berlin<\/span><br \/>\n<span class=\"kursiv_klein\">[3] LAWA (L\u00e4nderarbeitsgemeinschaft Wasser) (2001): Vorl\u00e4ufige Richtlinie f\u00fcr die Trophieklassifikation von Talsperren, Berlin<\/span><br \/>\n<span class=\"kursiv_klein\">[4] LAWA (L\u00e4nderarbeitsgemeinschaft Wasser) (2003): Vorl\u00e4ufige Richtlinie f\u00fcr eine Erstbewertung von Baggerseen nach trophischen Kriterien, Berlin<\/span><br \/>\n<span class=\"kursiv_klein\">[5] LAWA (L\u00e4nderarbeitsgemeinschaft Wasser) (2014): Richtlinie zur Ermittlung des Trophie-Index nach LAWA f\u00fcr nat\u00fcrliche Seen, Baggerseen, Talsperren und Speicherseen, Berlin<\/span><br \/>\n<span class=\"kursiv_klein\">[6] Binderheim, E. (2018): Zustandsbericht Schweizer Kleinseen. Bericht z.\u2009Hd. des Bundesamtes f\u00fcr Umwelt, Bern<\/span><br \/>\n<span class=\"kursiv_klein\">[7] Guthruf-Seiler, K. et al. (2015): Zustand der Kleinseen. Amt f\u00fcr Wasser und Abfall des Kantons Bern, Bern<\/span><br \/>\n<span class=\"kursiv_klein\">[8] Fankhauser, R. (2018): N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge \u00fcber das Einzugsgebiet des Inkwilersees. Bericht z.\u2009Hd. des Amts f\u00fcr Umwelt, Kanton Solothurn<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"haupttext text_oben\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Bedeutung misst man Kleinseen zu? In der Schweiz gibt es rund 1600 Seen mit einer Mindestfl\u00e4che von 0,5 Hektar. Rund 1500 dieser Seen sind kleiner als 50 Hektar. Diese im vorliegenden Bericht als Kleinseen bezeichneten Gew\u00e4sser weisen eine hohe Vielfalt sowohl bez\u00fcglich ihrer Entstehung als auch ihrer Nutzung auf. Viele Kleinseen wie z.\u2009B. 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