Gen Z: Top-Talente bleiben wegen Wertschätzung, nicht wegen des Lohns

Für leistungsstarke junge Berufsleute sind Arbeitsklima und Wertschätzung bei der Wahl des Arbeitgebers und beim Entscheid über einen Stellenwechsel wichtiger als der Lohn. Das zeigt eine Studie der Zürcher Beratungsfirma Kitoko People unter rund 2000 Top-Talenten. Zwischen der Schweiz, Deutschland und Österreich gibt es dabei deutliche Unterschiede.

Worldskills Shanghai 2026: Andrin Kästli, Elektroniker aus Schneisingen, gewann in seinem Wettbewerb die Bronzemedaille. (Foto: SwissSkills/Michael Zanghellini)

Für die «Generation Z Top-Talente: DACH-Studie 2026» hat Kitoko People 1436 junge Berufstalente aus dem Umfeld von SwissSkills, WorldSkills Germany und SkillsAustria befragt. 682 von ihnen stammen aus der Schweiz, 531 aus Deutschland und 223 aus Österreich. Zum Vergleich wurden 629 Top-Talente aus den USA und Mitglieder der Global Shapers Community befragt. Die Autorinnen und Autoren halten selbst fest, dass die Stichprobe gezielt aus leistungsorientierten Netzwerken stammt. Sie ist also nicht repräsentativ für die ganze Generation Z, sondern beschreibt deren leistungsstarke Spitze.

Arbeitsklima vor Lohn

Der wichtigste Faktor bei der Wahl des Arbeitgebers ist in allen drei Ländern das Arbeitsklima. Rund 90 Prozent der Befragten nennen Klima, Team und Kollegen als zentral. Beim Lohn gehen die Länder am weitesten auseinander: In Deutschland ist er für 64 Prozent sehr wichtig, in Österreich für 57 Prozent. In der Schweiz sagen das nur 29 Prozent.

Auch zwischen den Berufsfeldern gibt es Unterschiede. Von den Talenten aus Gesundheit, Bildung und Sozialem halten 63 Prozent die Work-Life-Balance für sehr wichtig. In Technik, Industrie, Bau und Transport sind es nur 35 Prozent.

Wertschätzung als Führungsaufgabe

Von ihren Vorgesetzten erwarten die jungen Talente vor allem Vertrauen, Respekt und Wertschätzung. In der Schweiz halten 73 Prozent das für besonders wichtig, in Österreich 75 und in Deutschland 68 Prozent. Regelmässiges Feedback nennen dagegen nur 13 bis 16 Prozent als besonders wichtige Führungseigenschaft.

Diese Erwartungen zeigen sich auch bei den Gründen für einen Stellenwechsel. Fehlende Wertschätzung nennen 95 Prozent der Befragten als wichtigen Grund, ein besseres Arbeitsklima 94 Prozent. Mehr Lohn folgt mit 72 Prozent erst danach. In allen drei Ländern gehören zudem fehlende Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten zu den wichtigsten Gründen für einen Wechsel.

Treuer als ihr Ruf

Auch die Vorstellung einer grundsätzlich wechselwilligen Generation stimmt laut der Studie so nicht. In Österreich können sich 65 Prozent der Top-Talente vorstellen, länger als vier Jahre beim gleichen Arbeitgeber zu bleiben. In der Schweiz sind es 43 Prozent, in Deutschland 37 Prozent. Weniger als ein Jahr bleiben wollen in der Schweiz 18 Prozent, so viele wie in keinem der anderen Länder (Deutschland 14, Österreich 12 Prozent).

Was Unternehmen daraus lernen können

Die Studie stützt sich auch auf Interviews mit Unternehmen. Diese sagen übereinstimmend, dass Schulnoten wenig über das Potenzial eines Talents aussagen. Wer Lernende nach beobachteter Leistung, Eigeninitiative, Lernfortschritt und Passung zu den Unternehmenswerten auswählt, senkt die Zahl der Lehrabbrüche deutlich. Wirksame Förderung sei individuell: Talente sollen gezielt gefordert werden und schrittweise mehr Verantwortung übernehmen. Begleitet werden sie von professionellen Ausbildungsfachleuten. Längerfristig binden können Unternehmen ihre Talente vor allem dann, wenn sie den künftigen Personalbedarf früh planen und den Jungen konkrete interne Perspektiven bieten.

Einheitliche Massnahmen für alle jungen Talente greifen deshalb laut den Autoren zu kurz. Der Co-Gründer von Kitoko, Amadeo Disasi, fasst es so zusammen: «Top-Talente bleiben dort, wo Leistung gesehen, Entwicklung ermöglicht und Perspektive konkret wird.»

Fonte: Kitoko. Kitoko People ist ein 2019 gegründetes Schweizer Beratungsunternehmen mit Sitz in Zürich und Bern. Das Unternehmen ist auf die Gewinnung, Entwicklung und langfristige Bindung der Generationen Z und Alpha sowie die generationenübergreifende Zusammenarbeit in Unternehmen spezialisiert.

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