Watt d’Or 2026: Vier Auszeichnungen für eine neue Energiewelt

Mit dem Watt d’Or 2026 zeichnet das Bundesamt für Energie vier Projekte aus, die zeigen, wie klimafreundliche Energiezukunft konkret aussieht: vom industriellen Power-to-Gas-Labor über alpine Fassaden-Solarstromproduktion bis zum Elektrotraktor und einem Low-Tech-Vorzeigequartier.

Erlebten die vorläufig letzte Verleihung des Watt d’Or: Die Gewinnerteams 2026. (Bild: ©BFE2026)

Die Gewinner des Watt d’Or 2026 stehen fest: In Bern wurden Anfang Januar vier Projekte aus der ganzen Schweiz ausgezeichnet, die beispielhaft zeigen, wie Energiewende und Klimaschutz in die Praxis übersetzt werden können. Verliehen wird die Auszeichnung vom Bundesamt für Energie, das mit dem Preis seit über einem Jahrzehnt Bestleistungen im Energiebereich sichtbar macht. Die diesjährige Auszeichnung ist die letzte, denn der Watt d’Or fällt Sparmassnahmen des Bundes zum Opfer.

Mit den prämierten Projekten wurden 2026 noch einmal zentrale Zukunftsfragen adressiert: Wie lassen sich erneuerbare Energien speichern, Gebäude klimagerecht bauen, Mobilität effizienter gestalten und regionale Ressourcen nutzen? Darauf lieferten die vier ausgezeichneten Projekte konkrete Antworten.

Gaznat: Labor für grünes Gas

In der Kategorie Energietechnologien hat das Innovation Lab von Gaznat in Aigle die Jury mit seinem Konzept GreenGas überzeugt. Auf dem Gelände des Betriebs- und Kontrollzentrums testet das Unternehmen gemeinsam mit EPFL-Forschungsgruppen und Start-ups neue Technologien zur Sektorkopplung, Dekarbonisierung und saisonalen Energiespeicherung im industriellen Massstab.​ Kern der Anlage sind zwölf Container, in denen unter anderem Photovoltaik, Power-to-Gas-Elektrolyse, Wasserstoffspeicherung, CO₂-Abscheidung und Methanisierung zusammengeführt werden. Besonders innovativ sind Graphenmembranen zur CO₂-Abscheidung und ein Methanisierungsreaktor mit Ruthenium-Katalysator, der nahezu das gesamte CO₂ in synthetisches Methan umwandeln kann.​

Endigo: Solarfassade im alpinen Rhonetal

In der Kategorie Erneuerbare Energien setzt die endigo Holding AG in Fiesch VS ein Zeichen, das ebenfalls als preiswürdig befunden wurde. Der neue, leichte Holzbau-Firmensitz kombiniert eine konventionelle Photovoltaikanlage auf dem Dach mit einer architektonisch auffälligen Lamellen-Solarfassade an Süd- und Westseite.​ Die PV-Lamellen bestehen aus speziell gefertigten Aluminiumprofilen mit integrierten Modulen und ergänzenden Lärchenholz-Elementen, die sich harmonisch in die alpine Umgebung einfügen und gleichzeitig als Sicht- und Hitzeschutz dienen. Mit einer Spitzenleistung von 73 Kilowatt und rund 90 000 Kilowattstunden Jahresproduktion erzeugt das Gebäude etwa doppelt so viel Strom, wie es selbst verbraucht, und speist die Überschüsse ins regionale Netz ein.​

Rigitrac: Der leise Elektrotraktor

In der Kategorie Energieeffiziente Mobilität wurde der Elektrotraktor Rigitrac SKE 40 e-direct des Familienunternehmens Rigitrac Traktorenbau AG aus Küssnacht am Rigi ausgezeichnet. Der nach eigenen Angaben erste serienreife Elektrotraktor mit europäischer Typengenehmigung ist emissionsfrei, leise, wendig und besonders energieeffizient – ideal für Einsätze, bei denen Lärm und Abgase unerwünscht sind, etwa in Kommunen, Tunnels oder Hallen.​ Mehrere Elektromotoren arbeiten nur dann, wenn sie tatsächlich gebraucht werden, was den Energieverbrauch deutlich reduziert. Mit einer Batteriekapazität von 58 Kilowattstunden ermöglicht der Traktor Einsätze von vier bis acht Stunden und kann dank integriertem 22-Kilowatt-Ladegerät in rund zwei Stunden auf 80 Prozent geladen werden.​

Erhielt die Auszeichnung in der Kategorie «Energieeffiziente Mobilität»: Rigitrac mit dem ersten serienreifen Elektro-Traktor. (Bild: ©BFE2026)

Hobelwerk: Quartier als Klimalabor

In der Kategorie Gebäude und Raum zeigt das Hobelwerk-Areal in Oberwinterthur, wie ressourcenschonender Wohnungsbau funktionieren kann. Die Baugenossenschaft «mehr als wohnen», Lemon Consult und das Low-Tech Lab haben auf dem ehemaligen Industrieareal ein Quartier geschaffen, das Holzbauweise, Re-Use-Materialien, Klimaarchitektur und soziale Vielfalt verbindet. Photovoltaikanlagen auf den Dächern, Wärmepumpen mit Holzpelletkessel, ein prädiktives Energiemanagement sowie eine CO₂-gesteuerte Abluftanlage sorgen für energieeffizienten Betrieb und hohen Komfort. Begrünte Fassaden, Bäume und eine Schwammstadt-artige Regenwasserbewirtschaftung verbessern das Mikroklima und geben einen Ausblick darauf, wie klimaangepasstes Bauen im urbanen Raum aussehen kann.

55 Bewerbungen – 17 Nominationen – 4 Gewinner

Der Watt d’Or wurde 2007 erstmals verliehen und ist nicht dotiert, es werden also keine Preisgelder ausgeschüttet. 55 Bewerbungen wurden bis Mitte Juli 2025 für den Watt d’Or 2026 eingereicht und von einem Expertenteam evaluiert. Für die Endrunde nominiert wurden schliesslich 17 Beiträge. Daraus hat die Jury unter dem Vorsitz von Jurypräsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher die Siegerprojekte in den vier Watt d’Or-Kategorien gekürt.

Quelle: Bundesamt für Energie BFE

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