Rückblick Swiss Cyber Security Days 2026: «Souverän ist, wer seine Abhängigkeiten kennt»

Unter dem Motto «Digital Sovereignty – The New Frontier» fand am 17. und 18. Februar 2026 die siebte Ausgabe der Swiss Cyber Security Days auf dem BERNEXPO-Areal in Bern statt. Nationale und internationale Referent:innen lieferten Antworten auf die wichtigsten digitalen Fragen unserer Zeit.

Die Swiss Cyber Security Days SCSD zogen am 17. und 18. Februar 2026 rund 2800 Besucherinnen und Besucher an. (Bild: Swiss Cyber Security Days)

Am Dienstag, 17. und Mittwoch, 18. Februar 2026 wurde das BERNEXPO-Areal zum Brennpunkt einer Debatte, die über Sicherheit, Freiheit und Selbstbestimmung entschied. Zum dritten Mal in Folge gastierten die Swiss Cyber Security Days (SCSD), die führende Plattform zum Thema Cybersicherheit, in Bern und brachten nationale und internationale Referent:innen an einem Ort zusammen. Mit 2’800 Besuchenden und über 100 Ausstellenden knüpfte die Ausgabe an den Vorjahreserfolg an. Ein Höhepunkt war das Referat von Florian Schütz, Direktor Bundesamt für Cybersicherheit (BACS), der die aktuelle Cybersicherheitslage in der Schweiz einordnete und sie in Beziehung zum internationalen Umfeld setzte. Er nannte auch ein paar konkrete Zahlen: So wurden 2025 2’347’618 Meldungen zu mit Malware infizierten Geräten analysiert. Etwas über 17’000 Command and Control Systeme von Angreifern wurden identifiziert und gesperrt. «Ökonomische Schäden durch Cyberangriffe bleiben das grösste Risiko für die Schweiz», so Schütz.

Digitale Souveränität betrifft alle

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wer die Spielregeln der neuen digitalen Welt bestimmt und damit Einfluss auf geopolitische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen nimmt. Das Thema der digitalen Souveränität, das die diesjährigen Swiss Cyber Security Days beherrschte, ist aber so neu nicht. In seiner Keynote zu Beginn der Veranstaltung wies Bundeskanzler Viktor Rossi darauf hin, dass schon 1999 beim Bund über Souveränität und Abhängigkeiten beim Einsatz von Software-Produkten grosser Anbieter ging. Stand heute sei aber eine komplette Abkehr von Microsoft-Systemen kaum realistisch, dennoch müssten kritische Systeme unter eigene Kontrolle gestellt werden können, so Viktor Rossi. Überdies bestehe digitale Souveränität auch darin, Vertrauen in der Bevölkerung zu schaffen, dass die Behörden die Daten im Griff haben. Wie schwierig dies sei, habe der knappe Ausgang der Abstimmung über die E-ID gezeigt.

Programmdirektor Nicolas Mayencourt machte in seiner Rede klar, dass die digitale Souveränität alle angeht und man gemeinsam zukunftsgerichtete sowie sichere Lösungen entwickeln müsse: «Was uns verbindet, ist ein gemeinsames Ziel: die Cyberdimension sicher, autonom und zukunftsfähig zu gestalten. Wir brauchen verbindliche techno-soziale Verantwortung, getragen von Staat, Wirtschaft und der Zivilbevölkerung.» Auch Nik Gugger, Präsident der SCSD, richtete in seiner Eröffnungsrede klare Worte an die Anwesenden aus Politik und Wirtschaft: «Schaffen Sie verlässliche Rahmenbedingungen und investieren Sie in digitale Souveränität. Verstehen Sie Cyberresilienz nicht als Kostenfaktor, sondern als Wettbewerbsfaktor.» Und Viktor Rossi sagte: «Souverän ist, wer seine Abhängigkeiten kennt».

«Wir begeben uns freiwillig in die Kolonisation durch ein paar wenige Hyperscaler»: Nicolas Mayencourt, Programmdirektor der SCSD. (Bild: Swiss Cyber Security Days)

Die Schweiz ist nicht auf dem Abstellgleis

In einem Punkt waren sich die Expert:innen einig: Europa und die Schweiz müssen ihre digitale Souveränität stärken und langfristig sichern. Wie dieser Weg konkret aussehen soll, darüber wurde engagiert und leidenschaftlich diskutiert. Klar ist: Die Innovationskraft Europas darf nicht ausschliesslich auf der Wertschöpfung nicht europäischer Tech-Unternehmen aufbauen. Gerade im Cloud-Bereich zeigt sich die starke Abhängigkeit von wenigen grossen Anbietern besonders deutlich, wie Dr. Cristina Caffarra von der EuroStack Initiative Foundation und eine der führenden europäischen Expertinnen im Bereich digitale Souveränität ausführte. Sie ist überzeugt, dass Europa über ausreichende technologische Stärken verfügt – diese müssen nun konsequent gebündelt und strategisch eingesetzt werden. «Wir müssen mit aller Kraft nun das kreieren, was wir in den letzten 15 Jahren verpasst haben», sagte Cristina Caffarra in einer Medienkonferenz am Rande der SCSD. Und auf die Frage, ob Staaten eigene Software entwickeln sollen, antwortete sie: «Der Staat soll nicht Wettbewerber sein, sondern Enabler.»

Auch in der Schweiz werde die digitale Souveränität verfolgt, wie Prof. Dr. Matthias Stürmer, Professor an der Berner Fachhochschule & Leiter Institute for Public Sector Transformation, erläuterte: «Die Schweiz befindet sich nicht auf dem Abstellgleis. Es gibt grosse Chancen für die digitale Souveränität, doch es braucht mehr Mut in strategischen Entscheidungen.» Was ihm aber Sorge bereitet, sei der Umstand, dass die grossen US-Konzerne intensives Lobbying betreiben würden und so die Bemühungen für das Erreichen von digitaler Souveränität zu hintertreiben versuchen. Umso wichtiger sei deshalb die Bündelung der Kräfte. Deshalb wurde für den Aufbau tragfähiger Strukturen das Netzwerk «SDS – Souveräne Digitale Schweiz» ins Leben gerufen, ein Zusammenschluss von über 160 Behörden und Schweizer IT-Unternehmen. Die Vision: ein koordiniertes, leistungsfähiges Schweizer Angebot zu schaffen, das praktikable Alternativen zu internationalen Hyperscalern bietet und die digitale Eigenständigkeit stärkt.

Wo digitale Souveränität schon funktioniert

Es gibt bereits viele prominente Beispiele von Organisationen im In- und Ausland, die digitale Souveränität konkret angehen. So hat etwa das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein seine Verwaltung erfolgreich auf Open Source-Software umgestellt. Zum Einsatz kommt dort u.a. die Kollaborations-Lösung von Nextcloud. Dessen Gründer und CEO Frank Karlitschek war ebenfalls zu Gast an den Swiss Cyber Security Days. In seiner Keynote wies er darauf hin, dass auch die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) keinen Schutz für europäische Daten, die auf US-Servern lagern, bieten kann. Das bedeutet, dass viele Daten, die z.B. über Microsoft-Produkte geteilt werden, nicht DSGVO-konform sind. Karlitschek kritisierte die Marktmacht der US-Hyperscaler, die in vielen Fällen zu einem sog. Vendor-Lock-in führt.

Paneldiskussion mit Ueli Schmezer (Moderator), Frank-Karlitschek (Founder und CEO Nextcloud), Cristina Caffarra (Chair EuroStack Initiative Foundation), Florian Schütz (Direktor Bundesamt für Cybersicherheit) und René Oester (CEO Axpo Systems AG), v.l.n.r. (Bild: Swiss Cyber Security Days)

Ein Höhepunkt war das anschliessende Panel mit Cristina Caffarra und Florian Schütz, Direktor Bundesamt für Cybersicherheit, Frank Karlitschek und René Oester von Axpo Systems AG. Frank Karlitschek stellte sich in dieser angeregten Diskussion hinter die Idee von «Buy Europe», welche Geldströme in die europäische Wirtschaft umleiten soll. Aber er stellte auch klar, dass Software-Unternehmen wie Nextcloud keine wirtschaftspolitische Förderung benötigen: «Wir brauchen Kunden», so Frank Karlitschek. Die von Cristina Caffarra vertretene EuroStack-Initiative sieht er als Weg zum Ziel, die europäischen IT-Märkte zu stärken. Florian Schütz stellt klar, dass es nicht darum gehen kann, einfach nur US-Hyperscaler in Europa nachbauen zu wollen. Besser sei es, die Stärken der europäischen IT-Industrie für spezialisierte Bereiche, etwa in der Logistik, zu fördern. René Oester verwies auf das Risikomanagement von Unternehmen: Man müsse die Abhängigkeiten besser verstehen und darauf hinwirken, das Business Continuity Management auch ohne Hyperscaler zu ermöglichen.

Zufriedene Ausstellende und Veranstalter

Die Veranstalterin BERNEXPO blickt auf zwei rundum gelungene Tage zurück. 2’800 Besuchende verfolgten die rund 100 Vorträge und Diskussionen und nutzten die Gelegenheit zum intensiven Austausch. Auch die beiden Best Practice Stages verzeichneten grossen Zulauf und boten praxisnahe Einblicke sowie konkrete Erfahrungsberichte. Mit der neu geschaffenen KMU Zone wurden gezielt kleine und mittlere Unternehmen angesprochen: Im Zentrum standen Erfolgsgeschichten aus dem Unternehmensalltag und der direkte Austausch mit IT-Dienstleistern. Auf besonders grosses Interesse stiessen zudem die Workshops der Hochschule Luzern, die in der KMU Lounge durchgeführt wurden. Dort wurde z.B. praxisnah erläutert, welche Auswirkungen die geltenden Schweizer Gesetze zu Datenschutz und Informationssicherheit in KMU haben.

Im Messebereich präsentierten über 100 Ausstellende ihre Angebote und schufen ideale Voraussetzungen für den persönlichen Dialog und neue Partnerschaften. Auch der Schweizer Cyber-Security-Anbieter ELCASecurity und Senthorus SOC schätzte den interdisziplinären Austausch: «Hier treffen strategische Entscheider:innen auf technische Expert:innen, damit ermöglichen uns die SCSD, Sicherheitsarchitekturen ganzheitlich zu denken, konkrete Lösungen zu präsentieren, Partnerschaften zu vertiefen und gemeinsam mit der Community an einer resilienten digitalen Zukunft für die Schweiz zu arbeiten», erklärt Christophe Gerber, General Manager, ELCASecurity. Die nächste Ausgabe der Swiss Cyber Security Days findet am 23. und 24. Februar 2027 in Bern statt.

www.scsd.ch

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf m-q.ch - https://www.m-q.ch/de/rueckblick-swiss-cyber-security-days-2026-souveraen-ist-wer-seine-abhaengigkeiten-kennt/

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