NZZ-KMU-Barometer 2026: Pessimismus auf Rekordhoch
Die wirtschaftliche Stimmung unter Schweizer KMU ist so pessimistisch wie nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2021. Geopolitische Unsicherheiten, die US-Handelspolitik und wachsende Regulierungslast drücken auf den Gesamtindex – während strategische Anpassungsfähigkeit für viele Unternehmen eine offene Baustelle bleibt.

Der NZZ-KMU-Barometer 2026 zeichnet ein besorgniserregendes Bild: Schweizer KMU beurteilen ihre wirtschaftliche Lage so schlecht wie noch nie seit Beginn der jährlichen Erhebung. Der Gesamtindex bricht auf einen neuen Tiefstwert von −7,3 Indexpunkten ein – fast alle Teilbereiche verschlechtern sich im Vergleich zum Vorjahr.
Neue Tiefstwerte beim Gesamtindex
Die Studie, die die NZZ in Zusammenarbeit mit der Kalaidos Fachhochschule jährlich im Vorfeld des Swiss Economic Forum (SEF) durchführt, wurde 2026 zum sechsten Mal erhoben. Im April 2026 nahmen 495 Personen in Führungspositionen von Schweizer KMU teil. Das diesjährige SEF-Leitthema lautete «Unbreakable?» – und genau diese Frage nach der Resilienz stand auch im Mittelpunkt des Barometers.
Die befragten Unternehmen stufen ihre wirtschaftliche Gesamtsituation so pessimistisch ein wie noch nie seit Messbeginn 2021. Besonders negativ beurteilt werden das Wirtschaften mit dem Ausland – erschwert durch die handelspolitischen Umwälzungen in den USA –, die Währungssituation sowie die Zuverlässigkeit der Lieferketten, die von geopolitischen Unsicherheiten belastet werden. Hinzu kommt die Sorge vor weiter zunehmender Bürokratie durch gesetzliche Regulierungen. Ein positiver Ausreisser ist die Einbindung moderner Technologien: In diesem Bereich sehen die Unternehmen grossmehrheitlich eine Verbesserung.

Operative Stärke, strategische Lücken
Mehr als die Hälfte der befragten KMU (55 %) stufen sich als eher bis sehr resilient ein. Jedes zehnte Unternehmen hält sich hingegen für eher weniger oder wenig resilient, die übrigen schätzen ihre Widerstandsfähigkeit als mittelmässig ein. Im operativen Bereich beurteilt sich eine Mehrheit als handlungsfähig und krisenfest. Auf der strategischen Ebene stösst die Resilienz jedoch an deutliche Grenzen.
Ein unerwarteter Umsatzrückgang wäre für knapp ein Fünftel der Unternehmen kaum zu bewältigen oder gar existenzbedrohend. Zur grundlegenden Anpassung des Geschäftsmodells innerhalb von sechs Monaten sieht sich weniger als ein Drittel in der Lage. Auch die Diversifikation bei Lieferanten und Kunden bleibt für die Mehrheit eine offene Herausforderung.
Als resilienzfördernde Faktoren werden neben einer ausgeprägten Lernbereitschaft aus Krisen vor allem ein proaktiver Umgang mit Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung genannt. Eine überwiegende Mehrheit der Unternehmen experimentiert damit bereits oder investiert gezielt.
Traditionelle Zuversicht bricht weg
«Bisher haben die Schweizer KMU ihre Situation trotz aller Schwierigkeiten Jahr für Jahr bemerkenswert positiv eingeschätzt. Diese traditionelle Zuversicht hat sich angesichts des schwierigen globalen Umfelds und der gleichzeitigen Verschlechterungen am Standort Schweiz besorgniserregend verändert», kommentiert Peter A. Fischer, NZZ-Chefökonom, die Ergebnisse. Er ergänzt: «Zwar beherrschen die Firmen das operative Krisenhandwerk perfekt. Viele sehen derzeit jedoch begrenzte Möglichkeiten, ihre Geschäftsmodelle schnell und umfassend an das volatile Umfeld anzupassen. Die eigentliche Bewährungsprobe der Gegenwart liegt jedoch genau in dieser strategischen Flexibilität.»
Quelle: NZZ
