Europas M&A-Markt gewinnt an Dynamik – mit grösseren und selektiveren Deals
Eine neue Analyse von Drooms und PitchBook zeigt: Europas M&A- und Private-Equity-Markt startet 2026 mit deutlich grösseren Transaktionen und gewinnt wieder an Fahrt. Die Erholung verläuft jedoch selektiver und komplexer als in früheren Marktzyklen – mit KI, digitaler Souveränität und Add-on-Akquisitionen als prägende Kräfte.

Europas M&A- und Private-Equity-Markt zeigt sich zu Beginn des Jahres 2026 in deutlich besserer Verfassung. Nach mehreren Jahren hoher Zinsen, geopolitischer Unsicherheiten und zurückhaltender Finanzierungsmärkte mehren sich die Anzeichen für eine Belebung. Zu diesem Schluss kommt der neue gemeinsame Report «Executing in an Era of Market Complexities: European M&A and PE Trends and the Technology Imperative» von Drooms, einer führenden europäischen Plattform für sichere digitale Due Diligence und virtuelle Datenräume, sowie PitchBook, einem führenden Anbieter von Finanzmarktdaten und Analysen für die Private-Capital- und M&A-Branche.
Die Analyse der wichtigsten europäischen M&A- und PE-Märkte der vergangenen zehn Jahre zeigt: Die durchschnittliche PE-Dealgrösse in Europa liegt 2026 bislang bei 359,7 Millionen Euro – nach 289 Millionen Euro im Gesamtjahr 2025. Noch ausgeprägter ist der Anstieg bei M&A-Transaktionen: Die durchschnittliche Dealgrösse erreicht aktuell 546,3 Millionen Euro und liegt damit fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. Treiber sind vor allem grosse Technologie-, Infrastruktur- und KI-nahe Transaktionen.
Add-on-Akquisitionen auf dem Vormarsch
Gleichzeitig zeigt der Report eine zunehmende Konzentration auf risikoärmere Add-on-Akquisitionen. Der Anteil dieser kleineren strategischen Zukäufe ist auf über 58 Prozent aller europäischen PE-Transaktionen gestiegen. Während Grossdeals die Schlagzeilen bestimmen, setzen viele Finanzinvestoren damit auf schrittweise Konsolidierung statt auf breite Marktexpansion.
«Die Marktstimmung verbessert sich, aber Investoren agieren weiterhin äusserst diszipliniert», sagt Alexandre Grellier, Co-Gründer und CEO von Drooms. «Wir sehen aktuell keinen flächendeckenden M&A-Boom, sondern einen Markt, in dem Kapital sehr gezielt in hochwertige Assets, strategische Technologien und bestehende Plattformen fliesst.»
DACH-Region als Premium-Markt
Die DACH-Region entwickelt sich laut Report zunehmend zum Premium-Segment des europäischen Markts. Mit 2’858 M&A-Transaktionen im Jahr 2025 gehörte sie erneut zu den aktivsten Europas und belegte Rang zwei hinter Grossbritannien (4’545 M&A-Deals). Besonders auffällig: Investoren zahlen in der DACH-Region besonders hohe Preise. Mit medianen M&A-Multiples von bis zu 13,5x EBITDA – vor allem in technologiegetriebenen Branchen sowie in Software-, Industrie- und KI-nahen Geschäftsmodellen – verzeichnet die Region die höchsten Bewertungen aller untersuchten europäischen Regionen. Zu den grössten europäischen PE-Exit-Transaktionen des Jahres zählt etwa die 7-Milliarden-Euro-Übernahme von Stada Arzneimittel durch CapVest Partners.
Im Gegensatz zu stärker global verflochtenen Märkten wie Grossbritannien oder Irland bleibt die DACH-Region vergleichsweise deutlich innerhalb europäischer Kapitalstrukturen verankert. Das reduziert die regulatorische Komplexität bei grenzüberschreitenden Transaktionen und stärkt die Attraktivität für langfristig orientierte Investoren.
«Unter der Oberfläche der grossen Mega-Deals zeigt sich ein Markt, der zunehmend von Konsolidierung, Buy-and-Build-Strategien und operativer Komplexität geprägt ist», sagt Dorothy Chan, Analystin bei PitchBook und Co-Autorin des Reports. «Viele Investoren verfügen weiterhin über erheblichen Dry Powder, investieren aber deutlich selektiver als noch während der Niedrigzinsphase.»
KI und digitale Souveränität als neue Dealfaktoren
Ein weiteres zentrales Ergebnis: Der europäische M&A-Markt wird zunehmend von Themen wie KI-Infrastruktur, Datensouveränität und regulatorischer Kontrolle geprägt. Es wächst der Druck, kritische Daten, Cloud-Infrastrukturen und KI-Anwendungen stärker innerhalb europäischer Rechtsräume zu kontrollieren. Diese Entwicklung beeinflusst nicht nur Investitionsentscheidungen, sondern zunehmend auch operative Prozesse im Dealmaking selbst.
«Digitale Souveränität entwickelt sich von einem regulatorischen Thema zu einem operativen Faktor im Transaktionsgeschäft», erklärt Grellier. «Gerade bei sensiblen Due-Diligence-Prozessen und KI-gestützten Workflows achten Finanzinvestoren und Strategen stärker darauf, wo Daten verarbeitet werden, welche Plattformen eingesetzt werden und wie regulatorische Anforderungen eingehalten werden können.»
Moderne Datenraum- und Deal-Plattformen müssten heute nicht nur effizient und KI-fähig sein, sondern zugleich höchste Anforderungen an Datensicherheit, Compliance und europäische Datenhoheit erfüllen. Trotz wachsender Marktaktivität bleibt der europäische Dealmarkt damit von einem Spannungsfeld geprägt: Sinkende Zinsen, hoher Investitionsdruck und KI-getriebene Wachstumsfantasien sorgen für neue Dynamik – während geopolitische Unsicherheiten, Finanzierungskosten und regulatorische Anforderungen zentrale Herausforderungen bleiben.
Quelle: Drooms
