AXA Mobilitätstacho 2026: Verbrenner verlieren, Elektroautos legen zu
Der neue AXA Mobilitätstacho zeigt einen deutlichen Stimmungswandel: Nur noch 39 Prozent der Kaufinteressierten wollen als nächstes einen Verbrenner anschaffen – vor einem Jahr waren es noch 48 Prozent. Kosten dominieren den Kaufentscheid, und asiatische Elektroauto-Hersteller profitieren vom wachsenden Preisbewusstsein der Schweizer Bevölkerung.

Der AXA Mobilitätstacho 2026, erstellt in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Sotomo, zeichnet ein klares Bild: Die Schweizer Bevölkerung ist beim Autokauf so kostenbewusst wie nie zuvor. Gleichzeitig verliert der Verbrennungsmotor weiter an Rückhalt, während Elektroautos – insbesondere aus Asien – zulegen. Die Erhebung basiert auf den Angaben von 1788 Personen aus der Deutsch- und Westschweiz, befragt zwischen dem 9. und 20. April 2026.
Kosten dominieren den Kaufentscheid
Die Kosten eines Autos sind beim Kaufentscheid das mit Abstand meistbeachtete Kriterium: 76 Prozent der Befragten geben an, beim nächsten Autokauf besonders viel Wert darauf zu legen. Vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei 67 Prozent. Die meisten anderen Kriterien – von Komfort über Sicherheit bis zur Umweltfreundlichkeit – haben im gleichen Zeitraum stagniert oder an Relevanz verloren.
Von allen Personen, die sich irgendwann nochmals ein Auto kaufen wollen, schieben 35 Prozent diesen Kauf derzeit aus Kostengründen auf. Davon antworten 15 Prozent mit einem klaren Ja, weitere 20 Prozent mit «eher ja». Besonders betroffen sind Junge und Personen mit tiefem Einkommen: Bei den 18- bis 35-Jährigen schieben 49 Prozent einen Autokauf auf, bei Personen mit einem Äquivalenzeinkommen von höchstens 4000 Franken pro Monat sind es sogar 51 Prozent. Doch selbst bei Personen mit einem Einkommen von über 8000 Franken pro Monat verlegt ein Viertel den Kauf auf später. «Die aktuell volatile geopolitische und wirtschaftliche Lage scheint die Bevölkerung zu verunsichern, sodass viele bei grossen Anschaffungen wie zum Beispiel dem Autokauf zurückhaltend sind», sagt Michael Hermann, Geschäftsführer von Sotomo.
Kaufen die Menschen dennoch ein Auto, setzen viele auf ein Occasionsmodell: 58 Prozent wählen diese Strategie, um Kosten zu sparen. Weitere entscheiden sich für eine günstigere Marke (27 %), ein kleineres Fahrzeug (26 %), ein Modell mit weniger Sonderausstattung (23 %) oder eine Antriebsart mit niedrigeren Anschaffungskosten (18 %). Nur 14 Prozent ziehen flexible Modelle wie Leasing oder ein Auto-Abo in Betracht. Im Schnitt beträgt das Budget für den nächsten Autokauf rund 30’000 Franken – wobei Männer durchschnittlich rund 10’000 Franken mehr einplanen als Frauen.
Verbrenner verlieren, Elektroautos gewinnen
Die Kaufabsichten haben sich innerhalb eines Jahres deutlich verschoben. Nur noch 39 Prozent der Personen, die sich irgendwann ein Auto kaufen wollen, beabsichtigen, einen Verbrenner anzuschaffen – gegenüber 48 Prozent im Vorjahr und 47 Prozent im Jahr 2024. Elektroautos hingegen legen zu: 30 Prozent der Kaufinteressierten planen einen Stromer, 2025 waren es noch 25 Prozent. Auch Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Autos gewinnen an Zuspruch: von 27 auf 31 Prozent.
Die grundsätzliche Offenheit gegenüber Elektroautos ist dabei tendenziell stabil geblieben: 61 Prozent geben an, sich grundsätzlich vorstellen zu können, ein Elektroauto zu kaufen. Ein wichtiger Treiber dieser Entwicklung sind die gestiegenen Treibstoffpreise infolge geopolitischer Spannungen. 46 Prozent der Befragten geben an, dass die hohen Spritpreise einen Einfluss auf ihre Bereitschaft hätten, beim nächsten Kauf auf ein Elektroauto zu setzen. «Die Menschen betrachten das Elektroauto offenbar als Möglichkeit, sich gegen geopolitische Spannungen und die dadurch bedingten hohen Treibstoffpreise abzusichern», erklärt Michael Hermann.
Besonders junge Menschen sind von den Treibstoffpreisen in ihrem Kaufentscheid beeinflusst: Bei den 18- bis 35-Jährigen geben 59 Prozent an, ein Elektroauto-Kauf sei für sie wahrscheinlicher geworden. Trotzdem planen knapp die Hälfte der jungen Kaufinteressierten weiterhin einen Verbrenner – was unter anderem daran liegen dürfte, dass viele in Mietwohnungen leben und keinen einfachen Zugang zu Ladestationen haben. Tatsächlich wollen nur 22 Prozent der Mietenden als nächstes ein Elektroauto kaufen, verglichen mit 38 Prozent der Stockwerkeigentümer:innen und 43 Prozent der Eigentümer:innen eines Einfamilienhauses.
Asiatische Hersteller gewinnen an Boden
Vom gestiegenen Preisbewusstsein und der wachsenden Nachfrage nach Elektroautos profitieren insbesondere asiatische Hersteller. Deutschland bleibt zwar mit 84 Prozent das beliebteste Herstellerland unter den angehenden Elektroauto-Käufer:innen. Doch alle asiatischen Herstellerländer haben gegenüber dem Vorjahr zugelegt: Japan stieg von 52 auf 59 Prozent, Korea von 44 auf 50 Prozent und China von 37 auf 43 Prozent.
Die europäischen Herstellerländer verlieren hingegen überwiegend an Boden: Frankreich fiel von 61 auf 50 Prozent, Schweden von 58 auf 50 Prozent. Die USA verharren mit 21 Prozent auf tiefem Niveau – nach einem deutlichen Rückgang von 34 Prozent im Jahr 2024 auf 23 Prozent im Jahr 2025. Mittlerweile können sich damit doppelt so viele Personen vorstellen, ein chinesisches Elektroauto zu kaufen wie ein amerikanisches.
Das klar wichtigste Kaufargument für chinesische Elektroautos ist der Preis: 69 Prozent der angehenden Elektroauto-Käufer:innen nennen niedrige Preise als Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Dahinter folgen Reichweite (31 %), Ladezeit (26 %), digitale Funktionen (17 %) und Design (12 %). Gleichzeitig bestehen aber auch erhebliche Vorbehalte: Am häufigsten werden politische Differenzen zur chinesischen Regierung (52 %), schlechte Arbeitsbedingungen (46 %) und Datenschutzbedenken (42 %) als Gründe gegen einen chinesischen Stromer genannt. Nur 17 Prozent haben keinerlei Vorbehalte.
Stärkere Förderung der Elektromobilität gefordert
Die gestiegene Beliebtheit von Elektroautos schlägt sich auch in der Haltung zur politischen Förderung nieder: 47 Prozent – also beinahe die Hälfte der Bevölkerung – sprechen sich dafür aus, dass die Politik die Elektromobilität klar oder eher stärker fördern solle. Im Vorjahr waren es noch 38 Prozent. Gleichzeitig befürwortet eine Mehrheit (57 %) den Entscheid verschiedener Autohersteller wie Mercedes-Benz, Opel oder Ford, die Produktion von Verbrennungsmotoren länger fortzusetzen als ursprünglich angekündigt. Nur 35 Prozent lehnen dieses Vorgehen ab. Die Bevölkerung befürwortet demnach einen schrittweisen Übergang zur Elektromobilität und schätzt einen vollständigen Technologiewechsel in den nächsten Jahren noch als verfrüht ein.
Quelle: www.axa.ch
