KI-Nutzung verdoppelt sich: Neue Schweizer Mediennutzungsstudie zeigt digitalen Wandel

Vier von fünf Personen in der Schweiz nutzen bereits Künstliche Intelligenz – das ist das markanteste Ergebnis des IGEM-Digimonitors 2026. Die jährliche Studie zeigt zudem: Audio-Streaming überholt das klassische Radio, digitale News erreichen fast die gesamte Bevölkerung, und Gaming wird zum Mainstream.

Schweizer Mediennutzung 2026: Künstliche Intelligenz stark im Aufwind. Quelle: zvg

Die Schweizer Medienlandschaft befindet sich im raschen Wandel. Das zeigt der IGEM-Digimonitor 2026, den die Interessengemeinschaft elektronische Medien (IGEM) und die Wemf in Auftrag gegeben haben. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die internetnutzende Schweizer Bevölkerung im Alter von 15 bis 75 Jahren – das entspricht rund 6,4 Millionen Personen. Im Zentrum der diesjährigen Erhebung steht der rasante Aufstieg der Künstlichen Intelligenz: Die KI-Nutzung hat sich seit 2024 von 40 auf 80 Prozent verdoppelt.

KI wird zum Alltagshelfer für Information, Lernen und Einkauf

Künstliche Intelligenz hat sich in Rekordzeit im Schweizer Alltag etabliert. Fast jede dritte Person nutzt KI-Tools bereits täglich. Besonders hoch ist die Verbreitung bei den 15- bis 34-Jährigen: 91 Prozent nutzen gelegentlich KI, 44 Prozent sogar täglich. Dabei beschränkt sich die Anwendung längst nicht mehr auf das Schreiben von Texten oder Übersetzungen. 57 Prozent setzen KI für Recherchen ein, knapp 40 Prozent für die Einkaufsberatung, und auch beim Lernen mit Tutorials gewinnt KI an Bedeutung. Die private KI-Nutzung liegt mit 76 Prozent deutlich vor der beruflichen oder schulischen Anwendung (61 Prozent).

Schweizer KI-Nutzung verdoppelt sich in zwei Jahren. Quelle: zvg

KI wird Teil der Suche – ChatGPT bleibt Nummer 1

Die klassische Suchmaschine bleibt das meistgenutzte Werkzeug im Netz: 98 Prozent der internetnutzenden Bevölkerung verwenden sie mindestens gelegentlich, mehr als zwei Drittel täglich. Gleichzeitig gewinnt KI bei der Suche stark an Bedeutung: Bereits 77 Prozent nutzen den KI-Modus innerhalb klassischer Suchmaschinen, 57 Prozent suchen gezielt über KI-Plattformen. Damit werden KI-Plattformen für die Suche häufiger eingesetzt als YouTube (34 Prozent) oder Social Media (28 Prozent). Männer greifen dabei öfter auf KI-Plattformen zurück, Frauen suchen etwas häufiger auf Social Media.

ChatGPT ist die mit Abstand meistgenutzte KI-Plattform in der Schweiz: Zwei Drittel der Bevölkerung (67 Prozent, 4,3 Mio. Personen) nutzen den Dienst zumindest gelegentlich, 17 Prozent täglich. Mit deutlichem Abstand folgen Gemini (32 Prozent) und Copilot (30 Prozent). Weitere Angebote wie Meta AI (13 Prozent), Claude und Perplexity (je 10 Prozent) sowie Mistral (3 Prozent) spielen derzeit eine kleinere Rolle.

Digitale News erreichen 6 Millionen Menschen in der Schweiz. Quelle: zvg

Digitale News erreichen fast die ganze Schweiz

Digitale News bleiben reichweitenstark: 93 Prozent der Bevölkerung nutzen Nachrichten auf Medien-Websites oder -Apps, mehr als die Hälfte davon täglich. Die höchste Reichweite erzielen die News-Angebote privater Schweizer Medien. Gleichzeitig sinkt die Zahlungsbereitschaft für digitale Nachrichtenangebote in allen Bevölkerungsgruppen – besonders in der Romandie, bei Männern und bei jüngeren Personen. Bei den 15- bis 34-Jährigen etabliert sich Social Media zunehmend als Nachrichtenkanal: 31 Prozent dieser Altersgruppe nutzen soziale Netzwerke täglich für aktuelle Nachrichten. Für 13 Prozent sind soziale Netzwerke die einzige Newsquelle. Auch Digital Out of Home (DOOH) spielt eine Rolle: 70 Prozent beachten Nachrichten auf Bildschirmen im öffentlichen Raum.

TV und Streaming, Audio und Radio

Fernsehen bleibt in der Schweiz breit verankert: 92 Prozent nutzen TV-Angebote mindestens gelegentlich, 54 Prozent schauen täglich fern. Streaming hat sich parallel dazu etabliert: 47 Prozent der Bevölkerung streamen täglich TV- oder Videoinhalte. YouTube ist mit 80 Prozent Reichweite die meistgenutzte Video-Plattform, gefolgt von Play SRF/RTS/RSI bzw. Play Suisse (59 Prozent) und Netflix (54 Prozent). Das stärkste Wachstum der vergangenen drei Jahre verzeichnet Amazon Prime Video, dessen Reichweite von 11 auf 16 Prozent gestiegen ist.

Beim Audio zeigt sich eine umgekehrte Dynamik: Streaming überholt das Radio. Während der tägliche Radiokonsum seit 2024 von 52 auf 45 Prozent zurückgegangen ist, hören 60 Prozent täglich Musik oder Radio über Streaming-Dienste oder Radio-Webseiten. Spotify ist der wichtigste Streaming-Anbieter; knapp ein Drittel der Spotify-Nutzenden verwendet die werbefinanzierte Gratisversion. Podcasts werden von 65 Prozent der Bevölkerung mindestens gelegentlich gehört, mit 11 Prozent täglicher Nutzung bleiben sie jedoch deutlich hinter Radio und Streaming zurück.

Instagram bleibt bei Frauen die Nummer eins. Quelle: zvg

Instagram an der Spitze, X verliert stark

Zwei Drittel der Bevölkerung nutzen Social Media täglich. Instagram behauptet seine Spitzenposition als meistgenutzte Plattform: 45 Prozent der Bevölkerung nutzen Instagram täglich, vor Facebook (26 Prozent), Snapchat (16 Prozent) und TikTok (14 Prozent). Deutlich an Reichweite verloren hat X (ehemals Twitter): Die Nutzung sank seit 2024 von 17 auf 10 Prozent. Bei den 15- bis 34-Jährigen liegt Instagram mit 72 Prozent täglicher Nutzung klar an der Spitze, vor Snapchat (44 Prozent) und TikTok (31 Prozent). Social Commerce – also der direkte Kauf über Social Media – bleibt mit 18 Prozent Nutzung vergleichsweise wenig verbreitet.

Gaming, Wearables und Online-Shopping

Gaming gewinnt weiter an Bedeutung: 60 Prozent der Bevölkerung spielen mindestens gelegentlich digitale Spiele. Das Wachstum zeigt sich insbesondere bei Personen ab 55 Jahren – mittlerweile spielt jede dritte Frau zwischen 55 und 75 Jahren täglich digitale Spiele. 44 Prozent spielen auf dem Smartphone, 28 Prozent mindestens gelegentlich auf einer Konsole.

Das Smartphone bleibt das zentrale digitale Gerät: 96 Prozent der Bevölkerung nutzen es mindestens gelegentlich. Smartwatches legten in drei Jahren von 27 auf 32 Prozent zu. AI Glasses sind dagegen noch ein Nischenphänomen: Erst 2 Prozent der Bevölkerung nutzen entsprechende Geräte.

Instagram bleibt die meistgenutzte Social-Media-Plattform. Quelle: zvg

Online-Shopping ist fest etabliert und wird zunehmend mobil: 66 Prozent kaufen über das Smartphone ein, 64 Prozent über PC oder Laptop. Für Produktinformationen sind Online-Shops mit 91 Prozent die erste Anlaufstelle. KI-Plattformen etablieren sich für die Einkaufsberatung (39 Prozent) bereits auf Augenhöhe mit YouTube (40 Prozent) und vor Social Media (36 Prozent). Auffällig ist die Verbreitung chinesischer Shopping-Plattformen: Bereits 36 Prozent der Bevölkerung kaufen auf Temu, Shein oder AliExpress ein – besonders häufig im Tessin (48 Prozent) und in der Romandie (43 Prozent).

Zur Studie

Der IGEM-Digimonitor erhebt seit 2014 jährlich die Nutzung von elektronischen Medien und Geräten in der Schweiz. Die Online-Befragung 2026 fand von März bis April statt. Intervista befragte im Auftrag der IGEM und der Wemf 1’957 Personen, davon 1’002 in der Deutschschweiz, 747 in der Romandie und 208 in der italienischsprachigen Schweiz. Das Vertrauensintervall beträgt maximal ±2,2 Prozentpunkte. Die Ergebnisse stehen IGEM-Mitgliedern kostenlos zur Verfügung; Nicht-Mitglieder können die Studie für CHF 5’000 beziehen.

Mehr Informationen: www.igem.ch

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