Der florierende Schwarzmarkt für KI-Modelle

Okta Threat Intelligence warnt vor einer massiven Zunahme von Cyber-Kriminalität rund um Künstliche Intelligenz. Angreifer stehlen Session-Tokens, umgehen Multi-Faktor-Authentifizierungen und missbrauchen Start-up-Credits, um gestohlene KI-Zugänge mit Rabatten von bis zu 90 Prozent zu verkaufen. Was Unternehmen jetzt tun müssen.

Eine weitere Form von Cyberkriminalität: Auch für KI-Agenten und -Tokens existiert inzwischen ein florierender Schwarzmarkt. (Bild: Depositphotos.com)

Da die Nachfrage nach leistungsstarken Frontier-Modellen steigt und die Token-Kosten zunehmen, hat sich ein lukrativer Schwarzmarkt rund um gestohlene KI-Zugänge gebildet. Okta Threat Intelligence (OTI) warnt in einem aktuellen Report vor einer massiven Zunahme dieser Cyberkriminalität. Angreifer verkaufen erbeutete KI-Zugänge mit Rabatten von 70 bis 90 Prozent gegenüber den regulären Abo-Preisen. In einem dokumentierten Fall belief sich die Rechnung für nicht autorisierte KI-Nutzung auf fast eine Million US-Dollar.

Account Takeover durch Infostealer und Token-Hijacking

OTI identifiziert zwei primäre Angriffsschemata. Das erste ist die Übernahme bestehender KI-Konten mittels Infostealer-Malware und Token-Hijacking. Dabei benötigen Angreifer keine klassischen Passwörter: Sie stehlen Session-Tokens und API-Keys direkt aus den Browsern der Opfer. Durch das anschliessende Einspielen dieser gestohlenen Session-Tokens über spezielle Anti-Detect-Browser und Proxy-Netzwerke können Cyberkriminelle den Login-Bildschirm sowie die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) vollständig umgehen.

Wie gross das Ausmass dieses Problems ist, zeigt die Auswertung eines sieben Gigabyte grossen Infostealer-Daten-Dumps vom 2. August 2026. Dieser enthielt Logs von 5 871 infizierten Rechnern aus 162 Ländern und tausende gültige Session-Tokens für grosse Tech- und KI-Anbieter wie Google, Microsoft, Anthropic und Amazon. Zudem erbeuteten die Angreifer Tausende JSON Web Tokens (JWTs), von denen fast 18 Prozent unverschlüsselte personenbezogene Daten – darunter Namen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen – enthielten. Diese Datenlage bietet eine ideale Ausgangsbasis für künftige Phishing- und Social-Engineering-Angriffe.

Skalierter Missbrauch von Start-up-Credits und Promo-Angeboten

Neben dem direkten Diebstahl aktiver Konten finanzieren Cyberkriminelle ihre Geschäftsmodelle durch die automatisierte und missbräuchliche Nutzung von Promo-Angeboten. Auf dem Graumarkt bewerben Dienste wie «Poison Claude» oder «Ecomagent.in» unlimitierte Token zu Bruchteilen des offiziellen Preises. Im Hintergrund horten diese Anbieter massenhaft Start-up-Credits von Cloud-Providern, indem sie mittels Bot-Netzwerken in grossem Stil falsche Konten registrieren. Zur Einordnung: Google bietet bis zu 350 000 US-Dollar und Anthropic bis zu 100 000 US-Dollar in kostenlosen Credits für Start-ups an.

In einem weiteren Fall verzeichnete OTI bei einem KI-Video-Anbieter innerhalb eines Monats über 105 000 Brute-Force-Registrierungsversuche von lediglich 251 IP-Adressen. Da hierbei häufig Wegwerf-E-Mail-Domains sowie populäre chinesische E-Mail-Dienste genutzt wurden, ist es sehr wahrscheinlich, dass auf diese Weise auch Nutzer:innen aus China regionale Sperren für US-Modelle wie ChatGPT, Claude oder Gemini umgehen.

Handlungsempfehlungen für Security-Teams

Um diesem wachsenden Sicherheitsrisiko zu begegnen, empfiehlt OTI den betroffenen Security Teams eine Reihe gezielter Abwehrmassnahmen. Ein zentraler Baustein ist das kontinuierliche Session Monitoring durch spezielle Lösungen, die Sitzungen fortlaufend auf Kontextänderungen untersuchen und bei Token-Wiederverwendung Alarm schlagen. Dies sollte idealerweise durch Universal-Logout-Funktionen ergänzt werden, um kompromittierte Sitzungen sofort und applikationsübergreifend beenden zu können.

Arkadiusz Krowczynski von Okta warnt vor KI-Schwarzmarkt. Quelle: zvg
Arkadiusz Krowczynski von Okta warnt vor KI-Schwarzmarkt. Quelle: zvg

Zudem sollten API-Keys strikt limitiert und durch IP-Allowlisting eingeschränkt werden, sodass gestohlene Tokens ausserhalb der bekannten Unternehmensnetzwerke nutzlos bleiben. Schliesslich muss der Aufwand für die Erstellung gefälschter Konten durch den Einsatz phishing-resistenter Credentials, wie beispielsweise Passkeys, deutlich erhöht werden. Der entscheidende Vorteil von Passkeys liegt in ihrer Architektur: Sie können weder durch Farming gestohlen noch geteilt oder in grossen Mengen automatisiert bereitgestellt werden.

«Diese Sicherheitsforschung unterstreicht unsere firmenweite Annahme, dass die Zukunft der Cybersicherheit zu einem grossen Teil aus der Identitätssicherheit bestehen wird, denn je mehr KI-Modelle und KI-Agenten ausgerollt und eingesetzt werden, desto wichtiger wird es, den Zugriff zu verwalten – sowohl die Zugriffsrechte der Nutzer:innen hin zu den Modellen, als auch jene der Modelle selbst», erklärt Arkadiusz Krowczynski, Principal Product Acceleration Specialist bei Okta.

Quelle: www.okta.com

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