Zürcher Bankensektor steuert die Hälfte der städtischen Firmensteuereinnahmen bei
Eine neue Studie zeigt die systemrelevante Bedeutung des Zürcher Finanzsektors für die Region. Der Sektor beschäftigt über 100’000 Personen, trägt 16 Prozent zur regionalen Wertschöpfung bei und liefert knapp 50 Prozent der Unternehmenssteuereinnahmen der Stadt Zürich. Gleichzeitig steht der Finanzplatz vor strukturellen Herausforderungen.

Der Zürcher Finanzplatz ist eine tragende Säule der regionalen Wirtschaft. Das zeigt eine neue Studie von Oliver Wyman, die vom Zürcher Bankenverband in Auftrag gegeben wurde und am 26. März 2026 präsentiert wurde. Die Zahlen belegen die hohe Relevanz des Finanzsektors für Stadt, Kanton und Region Zürich in mehrfacher Hinsicht.
Der Finanzsektor in der Region Zürich, zu der die Kantone Zürich, Zug und Schwyz gezählt werden, beschäftigte im Jahr 2024 insgesamt 102’040 Personen in Vollzeitäquivalenten. Seit 2015 ist die Beschäftigung damit um 12 Prozent gestiegen. Der Bankensektor allein stellt über 44’000 Stellen, was mehr als 40 Prozent aller Schweizer Bankangestellten entspricht. Rechnet man indirekte Arbeitsplätze ein, die durch Konsum, Dienstleistungen und Zulieferer entstehen, kommt der Finanzsektor 2023 auf rund 180’000 Vollzeitstellen.
Bedeutender Beitrag zur Wertschöpfung
Der Finanzsektor trug 2023 gut 16 Prozent zur Bruttowertschöpfung der Region Zürich bei. In absoluten Zahlen entspricht dies 32,8 Milliarden Franken. Banken machten mit 7 Prozent den grössten Anteil aus, gefolgt von Versicherungen mit 6 Prozent und sonstigen Finanzdienstleistern mit 3 Prozent. Damit bildet die Finanzbranche hinter dem Handel den zweitgrössten Sektor in der regionalen Wertschöpfung.
In der Stadt Zürich liegt der Anteil des Finanzsektors an der Gesamtwertschöpfung sogar bei 26 Prozent, auf kantonaler Ebene bei 18 Prozent. Im Vergleich dazu beträgt der Anteil des Finanzsektors am schweizerischen Bruttoinlandprodukt 9 Prozent. Der Zürcher Finanzplatz liegt damit gleichauf mit anderen internationalen Finanzzentren wie London und übertrifft bei der Betrachtung der Stadt Zürich sogar Hongkong mit 25 Prozent und Luxemburg mit 20 Prozent.
Knapp die Hälfte der städtischen Unternehmenssteuern
Besonders aussergewöhnlich ist der fiskalische Beitrag des Finanzsektors. Banken und Versicherungen kommen für knapp 50 Prozent der Unternehmenssteuereinnahmen der Stadt Zürich auf, kantonsweit sind es bis zu 40 Prozent. Diese Zahlen zeigen, wie stark die städtischen und kantonalen Finanzen vom Erfolg und der Stabilität des Sektors abhängen. Zusätzlich zu den Unternehmenssteuern zahlen auch die über 100’000 Arbeitnehmenden im Finanzsektor Steuern auf ihre Einkommen.
Zentrale Rolle für die Realwirtschaft
Für die Realwirtschaft erfüllt der Zürcher Finanzsektor essenzielle Funktionen. Banken in der Region Zürich stemmen ein Kreditvolumen von rund 100 Milliarden Franken an Unternehmen jeglicher Grösse. Hypothekarkredite machen dabei rund 70 Prozent der gesprochenen Volumina aus. Insgesamt deckt der Bankensektor in der Region Zürich rund 30 Prozent des schweizweiten Finanzierungsbedarfs von Unternehmen und Haushalten.
Darüber hinaus ermöglicht der Finanzsektor den Zugang zum Kapitalmarkt für Anleiheemissionen und Börsengänge und ist zentral für die Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Per Ende Oktober 2025 waren auf der Handelsplattform der SIX insgesamt Obligationen von Unternehmen der Realwirtschaft im Umfang von 168 Milliarden Franken geführt.
Wissensaustausch und Innovation
Der Finanzsektor leistet einen wichtigen Beitrag zur Aus- und Weiterbildung von Arbeitskräften. Neben rund 3’500 Ausbildungsplätzen bietet der Sektor in der Region Zürich verschiedene Weiterbildungsangebote und unterstützt das Bildungsangebot auf tertiärer Stufe. Durch die kontinuierliche Ausbildung und Migration von Mitarbeitenden findet ein nachhaltiger Wissensaustausch statt.
Mehr als die Hälfte der heute in den grössten Unternehmen der Realwirtschaft angestellten Personen waren zuvor einmal im Finanzsektor tätig. Bei den zehn grössten Unternehmen der Realwirtschaft haben fast 60 Prozent der Mitarbeitenden zuvor im Finanzsektor gearbeitet und bringen dabei ihre erlangten Erfahrungen und Kenntnisse auch ausserhalb des Finanzzentrums ein.
Auch für das dynamische Start-up-Ökosystem spielt der Finanzsektor eine wichtige Rolle. In den vergangenen Jahren entfielen rund 50 Prozent des Seed-Finanzierungsvolumens auf Unternehmen in der Region Zürich. Obschon Banken nur bei wenigen Seed-Finanzierungen direkt beteiligt sind, handelt es sich dabei überdurchschnittlich häufig um Runden mit höherem Volumen.
Struktureller Wandel und Herausforderungen
Trotz der starken Ausgangslage steht der Zürcher Finanzplatz vor einem strukturellen Wandel. Die Anzahl der Banken in der Region ist seit 2015 um rund 17 Prozent gesunken. Mit der Integration der Credit Suisse in die UBS hat sich die Grossbankenlandschaft nachhaltig verändert. Gleichzeitig befindet sich Zürich im intensiven Wettbewerb mit internationalen Finanzzentren wie London, Hongkong, Singapur und dem Mittleren Osten, die gezielt in Standortattraktivität, technologische Infrastruktur und regulatorische Rahmenbedingungen investieren.
Drei zentrale Handlungsfelder
Die Studie identifiziert drei zentrale Herausforderungen für den Zürcher Finanzplatz. Erstens gilt es, das Angebot aktiv zu gestalten und sicherzustellen, dass die Realwirtschaft auch künftig Zugang zu einem breiten, wettbewerbsfähigen Angebot an Finanzdienstleistungen hat. Zweitens muss die internationale Standortattraktivität gesichert und ausgebaut werden durch verlässliche steuerliche und regulatorische Rahmenbedingungen, eine leistungsfähige Infrastruktur und ein attraktives Umfeld für hochqualifizierte Fachkräfte. Drittens gilt es, den technologischen Wandel und die Talentfrage zu meistern durch gezielte Investitionen in Daten- und KI-Fähigkeiten sowie die Modernisierung von Plattformen und Prozessen.

Christian Bretscher, Geschäftsführer des Zürcher Bankenverbands, kommentiert: «Wer beim Finanzplatz nur an eine einzelne Branche denkt, unterschätzt seine Bedeutung für den ganzen Standort. Es geht um zehntausende Arbeitsplätze, um Investitionen und Innovationskraft, um die Finanzierung von Unternehmen und Haushalten und um substanzielle Steuereinnahmen für die öffentliche Hand. Gerade weil Zürich international unter wachsendem Wettbewerbsdruck steht, darf die Politik die Rahmenbedingungen nicht schleichend verschlechtern.»
Weiter sagt Bretscher: «Andere Finanzzentren handeln strategisch, investieren in Attraktivität und schaffen Verlässlichkeit. Auch Zürich und die Schweiz müssen diesen Anspruch haben. Denn ein starker Finanzplatz schafft direkten Nutzen für jedes Unternehmen und die ganze Bevölkerung.»
Die Studie kommt zum Schluss, dass der Zürcher Finanzsektor für Wertschöpfung, Beschäftigung und Steuereinnahmen der Region systemrelevant ist. Wird der Handlungsbedarf nicht adressiert, drohen mittelfristig geringeres Wachstum, niedrigere Steuereinnahmen, ein Verlust an hochqualifizierten Arbeitsplätzen und ein Rückgang der Innovationskraft. Gelingt es hingegen, die aufgezeigte Agenda konsequent umzusetzen, kann Zürich seine Rolle als führendes Finanzzentrum Europas nicht nur sichern, sondern weiter ausbauen.
Quelle: Zürcher Bankenverband


