Nur fünf Prozent der Unternehmen erzielen messbaren Mehrwert aus KI-Investitionen
Eine aktuelle BCG-Studie zeigt: Nur fünf Prozent der Unternehmen weltweit generieren substanziellen Wert aus ihren KI-Investitionen. 60 Prozent erzielen trotz erheblicher Ausgaben minimale Erträge. Skills entwickeln sich dabei zur zentralen Steuerungsgrösse, um Mensch und KI erfolgreich zusammenzubringen.

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt fundamental, doch der wirtschaftliche Nutzen bleibt für die meisten Unternehmen aus. Eine Studie der Boston Consulting Group mit über 1250 Firmen weltweit offenbart eine drastische Kluft: Während eine kleine Elite von fünf Prozent der Unternehmen signifikante Umsatz- und Cashflow-Steigerungen verzeichnet, generieren 60 Prozent trotz substanzieller Investitionen kaum messbaren Wert. Weitere 35 Prozent befinden sich im Aufbau, bewegen sich jedoch zu langsam voran.
Die wachsende Wertelücke
Die führenden Unternehmen – von BCG als «Future-built» bezeichnet – erzielen bereits heute 1,7-mal höheres Umsatzwachstum und 1,6-mal höhere EBIT-Margen als die nachziehenden Firmen. Sie planen 26 Prozent mehr IT-Ausgaben und widmen bis zu 64 Prozent mehr ihres IT-Budgets der KI. Diese Investitionen schaffen einen sich selbst verstärkenden Kreislauf: Die Erträge werden in neue Fähigkeiten und Technologien reinvestiert, wodurch sich der Vorsprung kontinuierlich vergrössert.
Besonders bemerkenswert ist die Rolle von Agentic AI – autonomen KI-Agenten, die beobachten, planen und handeln können. Diese Technologie, die 2024 noch kaum erwähnt wurde, macht bereits 17 Prozent des gesamten KI-Werts aus und soll bis 2028 auf 29 Prozent ansteigen.
Skill-Daten als entscheidender Hebel
Cornerstoneondemand, ein führender Anbieter von Talent- und Lernmanagement-Lösungen, identifiziert Skills als zentrale Steuerungsgrösse für 2026. Ohne transparente Skill-Profile und verknüpfte Daten könne KI keinen Kontext herstellen und damit keine sinnvollen Empfehlungen aussprechen. Aktuelle Zahlen zeigen den Handlungsdruck: 35 Prozent der Unternehmen sehen deutliche Skill-Lücken, 55 Prozent berichten von punktuellen Defiziten.
Die Nachfrage nach KI-Kompetenzen ist um 245 Prozent gestiegen – weltweit die gefragteste Fähigkeit. Gleichzeitig wächst die Bedeutung menschlicher Fähigkeiten: Die Nachfrage nach emotionaler Intelligenz stieg um 95 Prozent, da technische Berufe zunehmend Human Skills erfordern.
Fünf Strategien der Erfolgreichen
Die BCG-Studie identifiziert ein klares Muster bei den erfolgreichen Unternehmen. Sie verfolgen eine vom CEO gesteuerte, mehrjährige KI-Vision mit expliziten Umsatz- und Kostenzielen. Fast 100 Prozent der Future-built-Organisationen berichten von tief engagierten Führungsteams, verglichen mit nur acht Prozent bei den Nachzüglern.
Zweitens gestalten sie Workflows grundlegend neu, statt nur zu automatisieren. 70 Prozent des KI-Potenzials konzentrieren sich in Kernfunktionen wie Vertrieb, Marketing, Produktion und Forschung. IT verzeichnete einen Anstieg von sechs Prozentpunkten auf 13 Prozent des gesamten KI-Werts.
Drittens implementieren sie ein KI-first-Betriebsmodell mit geteilter Verantwortung zwischen Business und IT. Diese Unternehmen sind 1,5-mal häufiger in der Lage, diese gemeinsame Eigentümerschaft zu etablieren.
Viertens sichern sie sich die notwendigen Talente durch aggressive Weiterbildung: Über 50 Prozent der Mitarbeitenden werden geschult, verglichen mit nur 20 Prozent bei den Nachzüglern. Lernen und Arbeiten verschmelzen zunehmend, wobei Lerninhalte direkt in den Arbeitskontext eingebettet werden.
Fünftens bauen sie eine zweckdienliche Technologiearchitektur auf. Mehr als die Hälfte der Future-built-Unternehmen arbeitet mit einem einzigen unternehmensweiten Datenmodell, verglichen mit nur vier Prozent bei stagnierenden Unternehmen.
HR und IT rücken zusammen
Cornerstoneondemand beobachtet eine engere Verzahnung von HR und IT. Während HR über strukturierte Informationen wie Skills und Leistungsdaten verfügt, liefert IT den Arbeitskontext aus Kollaborations- und Produktivitätsumgebungen. Eine Umfrage von Nexthink unter 1100 IT-Führungskräften zeigt: 92 Prozent glauben, dass diese Zusammenführung die Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit steigert.
Die Grenzen zwischen technischen und nicht-technischen Berufen verschwimmen. KI-Kompetenzen werden in nahezu allen Rollen erwartet, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Empathie, Kommunikation und Urteilsvermögen.
Hohe Sicherheitsrisiken
Trotz des Potenzials berichten 72 Prozent der Unternehmen von ungemanagten KI-Sicherheitsrisiken. Erfolgreiche Firmen konzentrieren sich darauf, Schutzmechanismen und Leitplanken zu entwerfen, ohne die Leistung zu beeinträchtigen. Sie lösen Probleme wie Halluzinationen, Voreingenommenheit und Datenmissbrauch, die Nachzügler oft blockieren.
Die wichtigste Erkenntnis: KI-Agenten arbeiten nicht ohne Menschen. Ihre Leistung hängt von starker menschlicher Orchestrierung in neu gestalteten Rollen ab. Die besten Unternehmen konfigurieren Workflows, um autonome Agenten mit menschlicher Aufsicht zu kombinieren.
Zeit wird knapp
Die Technologie entwickelt sich rasant weiter. Die 10-20-70-Regel für Technologietransformationen bleibt gültig: 70 Prozent des strategischen Fokus sollten auf Menschen und Prozessen liegen, 20 Prozent auf Technologie und 10 Prozent auf Algorithmen. Die meisten Hindernisse betreffen Menschen, Organisation und Prozesse.
Unternehmen, die noch nicht begonnen haben, müssen jetzt handeln. Die Future-built-Firmen ziehen davon, die Wertelücke vergrössert sich, und das Aufholen wird mit jeder Woche schwieriger. Das Playbook ist klar definiert und für alle verfügbar – doch die Zeit drängt.
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