KI wird genutzt, überzeugt aber kaum: Schweizer Arbeitnehmende zurückhaltend
Die «Hopes and Fears 2026»-Studie von PwC Schweiz zeigt: Schweizer Beschäftigte fühlen sich kurzfristig sicher im Job, blicken aber skeptisch auf ihre langfristigen Perspektiven. Auch der Nutzen von künstlicher Intelligenz überzeugt viele Mitarbeitende noch nicht.

Die Schweizer Arbeitswelt wirkt robust, doch viele Beschäftigte blicken verhalten auf die künftige Nachfrage nach ihren Fähigkeiten. Sie vertrauen der Führung weniger stark und sehen den Nutzen von künstlicher Intelligenz (KI) skeptischer als Arbeitnehmende weltweit. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach mehr Orientierung bei Entwicklungsperspektiven und den konkreten Vorteilen des technologischen Wandels. Dies zeigt die aktuelle Ausgabe der «Hopes and Fears»-Studie von PwC Schweiz.
Hohe Nutzung, geringer wahrgenommener Nutzen
Besonders auffällig ist die Kluft zwischen Nutzung und Nutzen von KI. In der Schweiz wird generative KI mit 28 Prozent täglicher Nutzung häufiger eingesetzt als im weltweiten Durchschnitt mit 22 Prozent. Gleichzeitig spüren Schweizer Arbeitnehmende deutlich seltener einen konkreten Mehrwert: Nur 14 Prozent sagen, KI mache sie motivierter oder zuversichtlicher. Lediglich 10 Prozent sehen eine klare Verbesserung der Arbeitsqualität, gerade einmal 9 Prozent sagen, KI fördere ihre Fähigkeiten und Kreativität, und nur 22 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen KI dabei helfe, komplexere Aufgaben zu bewältigen.
Die Botschaft ist deutlich: KI wird in der Schweiz genutzt, überzeugt aber viele Beschäftigte noch nicht. «Die Schweiz hat eine stabile und hochqualifizierte Belegschaft, aber keine ausgeprägte Aufbruchsstimmung. Viele Mitarbeitende sind vorsichtig, wenn es um ihre berufliche Zukunft, um Führung oder um den tatsächlichen Mehrwert von KI geht», sagt Adrian Jones, Partner und Leiter Workforce bei PwC Schweiz.
KI-affine Mitarbeitende profitieren, die Mehrheit droht abgehängt zu werden
Besonders kritisch ist die Lage bei der grossen Mehrheit der Arbeitnehmenden: Weltweit gehören mehr als die Hälfte, nämlich 56 Prozent der Beschäftigten, zur Gruppe der Kernbelegschaft – jenen Mitarbeitenden, die weder über besonders seltene Fähigkeiten noch über starke KI-Kompetenzen verfügen. In dieser Gruppe sagen nur 40 Prozent, dass sie die nötigen Weiterbildungs- und Entwicklungsangebote erhalten.
Am anderen Ende stehen die sogenannten Vorreiter: Mitarbeitende mit starken KI-Fähigkeiten und seltenen, stark nachgefragten Fähigkeiten. Sie profitieren am meisten vom Wandel und sind gleichzeitig am ehesten bereit, das Unternehmen zu verlassen. 29 Prozent dieser Gruppe sagen, dass sie im nächsten Jahr sehr oder äusserst wahrscheinlich den Arbeitgeber wechseln werden.
In der Schweiz zeigt sich dieses Muster sogar noch ausgeprägter. 69 Prozent der Beschäftigten zählen zur Gruppe der stabilen Kernbelegschaft. Der Anteil der eigentlichen Vorreiter ist in der Schweiz mit 8 Prozent deutlich kleiner als weltweit mit 14 Prozent – dazu zählen hierzulande insbesondere Führungskräfte aus der IT-Branche aus Unternehmen mittlerer Grösse.
Dies erklärt teilweise, warum die Schweizer Arbeitswelt vergleichsweise stabil, aber wenig dynamisch wirkt. Die kurzfristige Jobsicherheit wird zwar relativ positiv eingeschätzt. Mit Blick auf die Nachfrage nach dem eigenen Beruf in den kommenden drei Jahren werden die Beschäftigten jedoch vorsichtiger.
Vertrauen schwach, Engagement tief, Orientierung fehlt
Hinzu kommen Defizite bei Vertrauen und Orientierung, die den Wandel zusätzlich bremsen: Nur 21 Prozent der Arbeitnehmenden vertrauen ihrer direkten Führungskraft, nur 17 Prozent dem Topmanagement. Nur 19 Prozent wissen klar, welche Fähigkeiten künftig gefragt sind. Gleichzeitig legen Schweizer Beschäftigte grossen Wert auf Kultur, Flexibilität und Autonomie: 54 Prozent nennen eine negative Unternehmenskultur als Ausschlusskriterium für einen Job, 40 Prozent lehnen stärkere Überwachung am Arbeitsplatz ab.
«Wer in der Schweiz Talente gewinnen und halten will, muss mehr bieten als Jobsicherheit und Lohn. Entscheidend sind Vertrauen, eine starke Unternehmenskultur, echte Flexibilität und transparente Entwicklungsmöglichkeiten. Gerade beim Thema KI zeigt sich: Nutzung allein schafft noch keine Akzeptanz – Mitarbeitende brauchen Unterstützung und gezielte Weiterbildung, damit KI zu echter Produktivität, messbarem Geschäftsnutzen und einer besseren Employee Experience führt», sagt Teena Madhvani, Partnerin People & Organisation bei PwC Schweiz.
Über die Studie
Für die Studie «Hopes and Fears 2026» wurden in der Schweiz 1’000 angestellte Erwerbstätige ab 18 Jahren zwischen Mai und Juni 2026 befragt. Weltweit nahmen rund 50’000 Beschäftigte aus 48 Ländern und 29 Branchen teil.
Quelle: www.pwc.ch
