Kontrolle ist das neue Wachstum: Schweizer Baubranche setzt auf Kostensteuerung und Koordination
Die Revizto Market Survey 2026 zeigt: Budgetüberschreitungen und Koordinationsprobleme belasten die Schweizer Planungs- und Baubranche stärker als im globalen Vergleich. Klare Mandate, bessere Prozesse und ein nüchterner Blick auf KI stehen 2026 im Mittelpunkt.

In der Schweizer Planungs- und Baubranche verschiebt sich der Fokus: weg von «mehr Ressourcen», hin zu mehr Steuerbarkeit. Das zeigt die Revizto Market Survey 2026, die im April 2026 veröffentlicht wurde und auf einer Befragung von 2006 Teilnehmenden aus acht Ländern basiert – darunter die USA, Grossbritannien, die Schweiz, Deutschland, Frankreich, Australien, Saudi-Arabien und die VAE. Befragt wurden unter anderem CIOs, Projektleitende sowie BIM- und VDC-Direktoren.
Das übergeordnete Signal der Studie ist klar: Kontrolle ist das neue Wachstum. Steigende Projektkomplexität und ein spürbarer Koordinationsdruck machen Transparenz, Standards und verbindliche Prozesse zum entscheidenden Hebel – insbesondere dort, wo Kostenabweichungen und Nacharbeiten die Margen belasten.
Schweiz: Fehlende Verbindlichkeit bremst die Digitalisierung
Ein zentrales Muster betrifft die Digitalisierung: Nicht der Widerstand in den Teams bremst primär, sondern fehlende Verbindlichkeit. Als Hemmnis bei der Einführung neuer Technologien nennen Schweizer Befragte überdurchschnittlich häufig das Fehlen klarer Policies oder Mandate – 31 Prozent gegenüber 27 Prozent im globalen Vergleich. Gleichzeitig liegt der Widerstand der Mitarbeitenden in der Schweiz unter dem globalen Wert: 20 Prozent gegenüber 24 Prozent weltweit. Das Bild, das sich daraus ergibt, ist eindeutig: Die Bereitschaft zur Veränderung ist vorhanden – was fehlt, sind klare Rahmenbedingungen.
Budgetabweichungen als Branchenstandard
Trotz leichter Verschiebungen in den Überschreitungsbändern bleiben Kostenabweichungen weit verbreitet. In der Schweiz berichten 48 Prozent der Befragten von durchschnittlichen Budgetüberschreitungen zwischen 6 und 10 Prozent, weitere 42 Prozent verzeichnen Überschreitungen von 11 bis 20 Prozent. Nur 3 Prozent geben an, mit einer minimalen Kostenabweichung von maximal 5 Prozent abzuschliessen – im globalen Vergleich sind es immerhin 8 Prozent. Die Schweiz schneidet damit beim Thema Budget- und Kostenkontrolle unter den befragten Ländern am schlechtesten ab.
Parallel dazu zeigt sich beim Thema Nacharbeit eine klare Interpretation: Schweizer Teilnehmende nennen schlechte Kommunikation und Koordination häufiger als Ursache für Rework – 44 Prozent gegenüber 41 Prozent global – und führen Nacharbeit seltener auf reine Ausführungsfehler zurück: 24 Prozent gegenüber 33 Prozent global. Das deutet darauf hin, dass Rework zunehmend als steuerbares Prozess- und Kollaborationsproblem verstanden wird.
Marcel Wyss von der Hälg Group für Gebäudetechnik und integrales Facility Management bringt es auf den Punkt: «Die Ergebnisse des Revizto-Berichts 2026 bestätigen, was wir in der täglichen Praxis erleben: Planungsqualität ist der entscheidende Hebel. Effizientes Bauen beginnt mit einer korrekten und vollständigen Planung. Je besser die Planung abgeschlossen ist, desto reibungsloser können Bau und Vorfertigung umgesetzt werden. Eine hohe Planungsqualität reduziert Fehler, senkt Kosten und eröffnet neue Chancen für innovative Fertigungs- und Bauprozesse.»
CIO-Perspektive: Governance, Lizenzkosten und KI-Realismus
Auch auf CIO-Ebene wird «Kontrolle» zur Leitwährung. Sorgen um Datenhoheit sind insgesamt hoch, fallen in der Schweiz jedoch häufiger moderater aus: Nur 10 Prozent der Schweizer Befragten geben an, «sehr besorgt» zu sein, gegenüber 24 Prozent im globalen Durchschnitt. Beim Thema Lizenzinflation bleibt die Schweiz ebenfalls unter dem globalen Wert: 51 Prozent berichten von gestiegenen Softwarekosten, verglichen mit 66 Prozent weltweit.
Besonders auffällig ist der pragmatische Umgang mit dem Thema Künstliche Intelligenz: Schweizer CIOs nennen überdurchschnittlich oft «keinen klaren Use Case» als grösstes Hindernis für den KI-Einsatz – 20 Prozent gegenüber 11 Prozent global. KI scheitert damit in der Schweiz weniger an technischen Hürden als an fehlender strategischer Verankerung.
Arman Gukasyan, CEO von Revizto, fasst die Erkenntnisse zusammen: «Die Zahlen zeigen klar: Wer 2026 wachsen will, muss zuerst Steuerbarkeit schaffen – über saubere Governance, transparente Zusammenarbeit und klare Standards. In der Schweiz ist weniger die Akzeptanz das Problem, sondern die Verbindlichkeit. Wenn Mandate und Prozesse stehen, wird Koordination messbar – und die Kosten werden wieder planbarer.»
Quelle und weitere Informationen: https://revizto.com



