Was zwischen Strategiebeschluss und Wirkung verloren geht

Der Philosoph Bertrand Russell hat zwei Arten von Wissen unterschieden. Diese Differenzierung beschreibt mit ungewohnter Präzision das grösste Problem bei der Strategieumsetzung – nachzulesen im folgenden Erfolgs-Impuls unseres Gastautors Volkmar Völzke.

Man weiss zwar, wie es geht, setzt es aber nicht um: Eine häufige Lücke zwischen Strategiebeschluss und Wirkung. (Bild: Depositphotos.com)

Bertrand Russell, britischer Logiker, Mathematiker und Nobelpreisträger, unterschied zwischen zwei Formen des Wissens: «knowing that» und «knowing how». Das Wissen, dass etwas zutrifft. Und das Wissen, wie man es tatsächlich tut.

Für die Frage, warum so viele Strategieprozesse nicht zur Wirkung kommen, ist das die präziseste Unterscheidung, die mir je begegnet ist.

Das bekannte Muster

Ich beobachte es seit Jahren in der Praxis: Der Workshop war strukturiert, die Analyse solide, die Energie im Raum spürbar. Alle haben zugestimmt. Drei Monate später arbeitet jeder wieder wie zuvor. Eine Analyse des Fraunhofer-Instituts bestätigt dieses Muster: Die meisten Strategieinitiativen verlieren ihre Kraft zwischen Beschluss und konkretem Handeln.

Das Team weiss, dass die Strategie stimmt. Das «knowing how» fehlt: das im Verhalten sichtbare Wissen, wie man täglich konkret anders handelt als bisher.

Drei Ursachen, die fast immer auftreten

  • Zustimmung ist kein Commitment. Wer beim ersten echten Widerstand nach dem Workshop auf alte Verhaltensweisen zurückgreift, war nie wirklich dabei. Zustimmung im Meeting und konsequentes Handeln im Alltag sind etwas Verschiedenes. Das zeigt sich spätestens in Woche drei.
  • Neue Prioritäten brauchen eine Stoppliste. Organisationen addieren fast immer. Neue Initiativen kommen hinzu, Altes bleibt bestehen. Wenn niemand entscheidet, was wegfällt, entscheidet das jeder für sich selbst. Mit vorhersehbaren Folgen: Die Strategie verteilt sich auf zwanzig Baustellen gleichzeitig.
  • Grosse Ziele brauchen veränderte Haltungen. Wer Wachstumsziele beschliesst, aber mit der Mentalität von gestern handelt, erzeugt täglich innere Widersprüche. Die eigentliche Frage lautet: Wer muss Ihr Team werden, damit das grosse Ziel in zwei Jahren erreichbar ist?

Was das in der Praxis bedeutet

Das Wissen, dass eine Strategie richtig ist, reicht nicht. Wie man handelt: täglich, in konkreten Situationen, unter Druck. Das ist die andere Form von Wissen. Sie entsteht durch Konsequenz und durch Führungskräfte, die vorleben, was sie im Team erwarten.

Drei Fragen zur Reflexion:

  • Was hat sich in Ihrem Team in den ersten Wochen nach dem letzten Strategieworkshop konkret verändert? Welche Verhaltensweisen sind wirklich anders?
  • Was steht auf Ihrer Stoppliste? Gibt es eine?
  • Wer müsste Ihr Team werden, damit das grosse Ziel in zwei Jahren tatsächlich erreicht ist?

Russell hat Zeit seines Lebens Fragen gestellt, die unangenehm präzise waren. Im Strategieprozess ist genau diese Präzision das, was am häufigsten fehlt.

Zum Autor:
Volkmar Völzke ist Erfolgs-Maximierer. Buchautor. Berater. Coach. Speaker. www.volkmarvoelzke.ch

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