Schweizer Insolvenzen auf höchstem Stand seit 1994

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in der Schweiz hat im ersten Halbjahr 2026 mit 7’496 Fällen den höchsten Stand seit 1994 erreicht – ein Anstieg von 54,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Eine aktuelle Analyse von Dun & Bradstreet zeigt: Der Anstieg betrifft nahezu alle Kantone und Branchen gleichzeitig und ist sowohl wirtschaftlich als auch gesetzlich bedingt.

Leere Kassen: Schweizer Insolvenzen liegen auf dem höchsten Stand seit 1994. (Bild: Depositphotos.com)

Im ersten Halbjahr 2026 meldeten in der Schweiz täglich rund 41 Unternehmen Insolvenz an – insgesamt 7’496 Fälle. Das entspricht einem Anstieg von 54,7 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025, als 4’845 Insolvenzen verzeichnet wurden. Das geht aus einer aktuellen Analyse von Dun & Bradstreet hervor. Hält dieses Tempo an, könnte die Gesamtzahl der Insolvenzen für das Jahr 2026 auf rund 15’000 steigen – nach 11’856 im gesamten Jahr 2025.

Mehr Insolvenzen wegen Gesetzesänderung

Ein Teil des Anstiegs ist auf eine gesetzliche Änderung zurückzuführen: Seit Anfang 2025 sind öffentliche Gläubiger wie Steuer- und Sozialversicherungsbehörden verpflichtet, offene Forderungen konsequenter über Betreibungsverfahren durchzusetzen. «Der Anstieg in der Schweiz ist nur zum Teil wirtschaftlich bedingt», sagt Dirk Radetzki, Senior Vice President, Global Transformation & Business Development bei Dun & Bradstreet Deutschland. «Das verändert auch die Vergleichbarkeit mit früheren Jahren, ein Teil der heute erfassten Fälle wäre unter den alten Regeln nie in einem Konkursverfahren gelandet. Wirtschaftlich treiben weiterhin hohe Finanzierungskosten und eine schwächere Nachfrage in Teilen des Bau-, Handels- und Gastgewerbes den Anstieg zusätzlich.»

Anstieg in 25 von 26 Kantonen

In 25 der 26 Kantone stiegen die Insolvenzzahlen. Einzig Schwyz verzeichnete mit minus 13,5 Prozent einen Rückgang. Die meisten Insolvenzen entfielen auf Zürich mit 1’261 Fällen, gefolgt von Genf (788) und Waadt (717). Die wenigsten Fälle verzeichneten Uri (10), Appenzell Innerrhoden (11) und Glarus (15). Prozentual am stärksten wuchsen die Fallzahlen in Thurgau (+194,6 Prozent), Appenzell Innerrhoden (+175 Prozent), Basel-Landschaft (+157,9 Prozent) und Jura (+132,4 Prozent). Die breite geografische Streuung des Anstiegs hängt eng mit der Gesetzesreform zusammen, die landesweit einheitlich gilt und Kantone sowie Branchen gleichermassen betrifft.

Handwerk und Gastgewerbe mit den meisten Insolvenzen

Auf Branchenebene meldete das Handwerk mit 1’053 Fällen die höchste Zahl, gefolgt vom Gastgewerbe (770) und dem Einzelhandel (626). Ein Anstieg zeigte sich in nahezu allen Branchen. Die einzige Ausnahme bildete das Baugewerbe mit einem Rückgang von 12,5 Prozent. Prozentual am stärksten wuchsen die Fallzahlen im Druck- und Verlagsgewerbe (+193,3 Prozent), im Versorgungswesen (+158,8 Prozent) und im Transportwesen (+125 Prozent).

Etablierte Unternehmen stark betroffen

Unternehmen mit mehr als zehn Jahren Marktpräsenz sind am stärksten von Insolvenzen betroffen. Mit 2’814 Fällen und einem Anteil von 37,5 Prozent stellen sie das grösste Segment, vor Unternehmen mit fünf bis zehn Jahren Marktpräsenz (2’027 Fälle, 27 Prozent). Je länger ein Unternehmen am Markt ist, desto grösser ist demnach sein Risiko, im aktuellen Umfeld insolvent zu werden.

«Dass es in der Schweiz nahezu alle Kantone und Branchen gleichzeitig trifft, ist ungewöhnlich und verstärkt das Bild eines systemischen statt branchenspezifischen Effekts», sagt Dirk Radetzki. «Auffällig ist, dass die Reform gerade jene Fälle sichtbar macht, die wirtschaftlich schon lange am Limit waren, oft langjährige Betriebe mit wenig Spielraum für weitere Belastungen. Das neue Konkursrecht deckt damit eine Verletzlichkeit auf, die vorher lange unsichtbar geblieben ist.»

Quelle: www.dnb.com

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