Erfolgs-Impuls: Wirkung beginnt dort, wo der Applaus aufhört

Manchmal ist Widerstand das deutlichste Zeichen dafür, dass etwas Neues entsteht. Die Choreografin Pina Bausch hat das früh in ihrer Karriere erlebt, als ein Teil ihres Publikums wütend den Saal verliess. Jahrzehnte später gilt sie als eine der einflussreichsten Choreografinnen des 20. Jahrhunderts.

Wenn der Applaus ausbleibt: Vielleicht ist das Publikum (noch) nicht bereit für Neues, aber die Wirkung ist zumindest da. (Bild: Unsplash.com)

Wuppertal, Mitte der Siebzigerjahre. Das Publikum ist an klassisches Ballett gewöhnt, an Anmut und klare Linien. Dann übernimmt Pina Bausch die Compagnie und zeigt etwas völlig anderes: Menschen, die rennen, stolpern, schreien, sich an Stühlen festhalten. Ein Teil des Publikums steht auf und verlässt den Saal.

Bausch hätte es sich leichter machen können. Sie hätte zeigen können, was man von einer Ballettcompagnie erwartet. Sie blieb bei ihrer künstlerischen Überzeugung, auch als ihr das anfangs Ablehnung und offene Kritik einbrachte. Jahre später wurde sie in New York als eine der prägendsten Choreografinnen ihrer Generation gefeiert. Ihr Tanztheater tourt bis heute weltweit.

Die Kehrseite in der Führung

In der Führungspraxis zeigt sich oft ein ähnliches Muster, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Viele scheuen genau den Moment, den Bausch ausgehalten hat: Widerstand oder Kritik auszulösen. Unbequeme Entscheidungen werden verschoben. Standards werden aufgeweicht. Schwache Leistung wird nicht direkt angesprochen, sondern in vage Formulierungen verpackt oder auf das nächste Gespräch vertagt.

Die Folge ist bekannt: Die Führungskraft ist beliebt im Team, doch es bewegt sich wenig. Mitarbeitende spüren das genau, allen voran die Leistungsstärksten, die auf klare Ansagen warten und stattdessen Beliebigkeit erleben.

Klarheit vor Zustimmung

Drei Beobachtungen aus der Praxis: Klare Entscheidungen erzeugen zunächst Reibung, bevor sie Vertrauen schaffen. Standards, die nicht konsequent eingefordert werden, verlieren innerhalb weniger Wochen ihre Wirkung im ganzen Team. Und Teams orientieren sich an dem, was Führungskräfte tatsächlich durchsetzen, nicht an dem, was sie ankündigen.

Drei Fragen zur Anwendung:

  • Bei welcher Entscheidung haben Sie in den letzten Wochen mehr auf Harmonie geachtet als auf das Ergebnis?
  • Welche Standards in Ihrem Team wurden zuletzt stillschweigend aufgeweicht?
  • Was würden Sie diese Woche anders entscheiden, wenn Ihnen die Zustimmung des Teams nicht wichtig wäre?

Führung bringt eine Art Schmerzensgeld mit sich. Sie müssen Unzufriedenheit aushalten können. Nicht jede Mitarbeiterin und nicht jeder Mitarbeiter wird Sie in jedem Moment mögen. Das gehört zum Job, und es ist oft das Zeichen dafür, dass Sie tatsächlich etwas bewegen.

 

Zum Autor:
Volkmar Völzke ist Erfolgs-Maximierer. Buchautor. Berater. Coach. Speaker. www.volkmarvoelzke.ch

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