KI-Marketingstudie Schweiz: Fast 80 Prozent nutzen KI täglich

Eine nationale Forschungsinitiative untersucht, wie Schweizer Marketingteams künstliche Intelligenz einsetzen. Die KI-Marketingstudie Schweiz liefert erstmals repräsentative Daten zu Adoption, Zeitersparnis, Governance und den verbleibenden Reifelücken.

80 Prozent der Schweizer Marketingteams nutzen täglich KI. Quelle: zvg

KI-Marketingstudie Schweiz: breite Nutzung, aber strukturelle Lücken

Die KI-Marketingstudie Schweiz liefert erstmals repräsentative Daten darüber, wie Organisationen in der Schweiz künstliche Intelligenz im Marketing einsetzen. Initiiert von Brandfinity in Zusammenarbeit mit Swiss Marketing, der HEG Fribourg, PME Magazine und M&K (Markt & Kommunikation), handelt es sich um eine nationale Forschungsinitiative, die Strategie, Datenbereitschaft, Automatisierung, KI-Governance und Leistungsmessung beleuchtet. Rund 200 Marketing- und Sales-Verantwortliche aus der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz haben freiwillig und anonym teilgenommen.

Das Konsortium vereint nach eigenen Angaben akademische Strenge, Branchenexpertise, mediale Reichweite und methodische Glaubwürdigkeit. Ziel sei es, objektive, transparente und vergleichbare Daten bereitzustellen, damit Marketing- und Sales-Verantwortliche ihre KI-Reife besser verstehen und die technologische Beschleunigung strategisch steuern können.

Tägliche KI-Nutzung auf hohem Niveau

Fast 80 Prozent der Befragten geben an, dass KI innerhalb ihrer Marketingteams täglich genutzt wird. Dabei zeigen sich deutliche regionale Unterschiede: In der Deutschschweiz liegt dieser Anteil bei 85 Prozent, in der Romandie bei 71 Prozent und im Tessin bei 50 Prozent. Branchenübergreifend sticht der Bildungsbereich mit 87 Prozent besonders hervor, gefolgt von der Industrie mit 80 Prozent und dem Gesundheitswesen mit 75 Prozent. Das Schlusslicht bildet die Automobilbranche mit 50 Prozent.

Bezüglich des Anteils KI-generierter Marketinginhalte zeigt sich ein differenziertes Bild: 34 Prozent der Befragten erstellen zwischen zehn und 30 Prozent ihrer Inhalte mit KI, 32 Prozent zwischen 31 und 60 Prozent. Lediglich vier Prozent produzieren mehr als 91 Prozent ihrer Inhalte mit Hilfe von KI. Die Mehrheit setzt KI somit als unterstützendes Tool ein und nicht als vollständigen Ersatz menschlicher Produktion.

Zeitersparnis vorhanden, aber kaum gemessen

Bei der durch KI erzielten Zeitersparnis fällt auf, dass 49 Prozent der Teilnehmenden die eingesparte Zeit noch nicht aktiv messen. Von jenen, die dies tun, sparen 19 Prozent rund sechs Stunden pro Woche, 16 Prozent zwischen drei und sechs Stunden und 15 Prozent bis zu drei Stunden. Grössere Unternehmen mit mehr als 10 000 oder zwischen 250 und 999 Mitarbeitenden weisen besonders hohe KI-Nutzungsraten bei der Content-Produktion auf.

SEO-Anpassung und neue Einsatzfelder

61 Prozent der Befragten passen ihren SEO-Ansatz bereits an KI-gestützte Suchmaschinen an, wobei nur 19 Prozent diese Optimierung systematisch betreiben. Im Bereich A/B-Testing nutzen 14 Prozent KI aktiv, 18 Prozent experimentieren damit. Bei der Personalisierung berichten acht Prozent von messbarer Wirkung, 29 Prozent setzen KI teilweise ein. Im Kundensupport arbeiten 17 Prozent mit KI-Agenten teilweise und vier Prozent mit vollständig autonomen KI-Agenten.

Governance und Schulung als zentrale Schwachstellen der KI-Marketingstudie Schweiz

Obwohl fast 90 Prozent der Befragten bestätigen, dass KI ihre Arbeit und Kreativität beeinflusst, bestehen erhebliche Reifelücken in der organisatorischen Verankerung. 49 Prozent bieten keine formale Prompt-Engineering-Schulung an, und 64 Prozent der Managementteams sind noch nicht für die Überwachung von KI-Workflows geschult. Immerhin verfügen 48 Prozent über verpflichtende Verifizierungsprozesse für KI-generierte Inhalte, und 54 Prozent der Teams pflegen regelmässige oder gelegentliche Austauschformate zu KI.

Bei den Marketingworkflows haben 31 Prozent zentrale Prozesse bereits mit KI neu gestaltet, 32 Prozent befinden sich aktuell in der Transformation.

Datenqualität als Hürde

43 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Daten nicht sauber oder standardisiert sind – ein erhebliches Hindernis für den skalierten KI-Einsatz. Nur 17 Prozent verfügen über saubere und zugängliche Daten, und lediglich 13 Prozent haben eine vollständig integrierte Kundensicht. Beim Reporting sind 71 Prozent der Teams noch ohne automatische Dashboard-Aktualisierung, nur fünf Prozent verfügen über vollautomatisches Reporting.

Die Studie zeigt, dass Schweizer Marketingteams sich derzeit von der KI-Experimentierung hin zur KI-Operationalisierung bewegen. Die zentrale Herausforderung bestehe laut Studie darin, tägliche KI-Nutzung in strukturierte, messbare und skalierbare Prozesse zu überführen.

Weitere Informationen zur Studie finden sich unter https://www.brandfinity.ch.

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