Schweizer LiveCom-Branche wächst und fordert faire Spielregeln

Die Schweizer LiveCom-Branche übertrifft ihre eigenen Wachstumsprognosen, setzt verstärkt auf Künstliche Intelligenz und fordert faire Pitch-Honorare sowie mehr politische Anerkennung. Das zeigt die Event Trend Studie Schweiz 2026.

Schweizer LiveCom-Chefs fordern faire Bedingungen und mehr Schlagkraft. Quelle: zvg

Die Schweizer LiveCom-Branche hat ihre eigenen Prognosen übertroffen, investiert in Innovationen und blickt trotz anspruchsvoller Marktbedingungen positiv in die Zukunft. Das zeigt die Event Trend Studie Schweiz 2026, die von den Branchenverbänden Swiss LiveCom Association Expo Event, svtb, Tectum sowie VSSA gemeinsam erhoben wurde. Gleichzeitig erheben die vier Verbände klare Forderungen: faire Pitch-Honorare, mehr Schlagkraft in Bundesbern und das Ende des Klischees der «analogen Eventbranche».

Wachstum über den Erwartungen

Rund die Hälfte der befragten Unternehmen erzielte 2024 einen Jahresumsatz von mehr als einer Million Franken. Bei den Stadion- und Arenabetreibern liegen 44 Prozent sogar über fünf Millionen Franken Umsatz. Für 2026 rechnen viele Unternehmen mit weiterem Wachstum – in einem Marktumfeld, in dem zahlreiche klassische Marketingdisziplinen mit sinkender Aufmerksamkeit, zunehmender Algorithmus-Müdigkeit und rückläufigem Konsumentenvertrauen kämpfen.

Die Zahlen belegen: Live-Kommunikation bleibt hochrelevant. Rund 78 Prozent des Branchenumsatzes entstehen im physischen Raum, insbesondere durch Public Events und Corporate Events. Wo digitale Reichweite an Wirkung verliert, gewinnt echte Begegnung an Bedeutung.

Die Schweizer LiveCom-Branche ist digitaler als ihr Ruf

Die Studie widerlegt ein weitverbreitetes Klischee: Die Schweizer LiveCom-Branche ist längst keine rein analoge Disziplin mehr. Rund zwei Drittel der Unternehmen nutzen bereits Künstliche Intelligenz, 31 Prozent sogar regelmässig. Bei Expo Event liegt die Nutzung bei 78 Prozent. KI wird insbesondere in Marketing, Kreation und Projektentwicklung eingesetzt; in technischen Bereichen gewinnt sie ebenfalls stark an Bedeutung.

Jörg Gantenbein, Präsident svtb, bringt es auf den Punkt: «Wir sind weder analog noch rückständig. Zwei Drittel der Branche arbeiten bereits mit KI – aber als Verstärker, nicht als Ersatz. Was uns fehlt, sind nicht Tools, sondern technologische Standards, die mit der Geschwindigkeit unserer Innovationen Schritt halten.» Gleichzeitig wünschten sich 80 Prozent der Mitglieder konkrete Unterstützung bei Weiterbildung mit Tool-Kompetenz und regulatorischer Orientierung, heisst es in der Mitteilung.

Wirtschaftlicher Wert wird unterschätzt

Trotz positiver Entwicklung kämpft die Branche mit strukturellen Herausforderungen. Mehr als ein Drittel aller Pitches wird nach wie vor nicht vergütet – obwohl der Aufwand oft im fünfstelligen Bereich liegt. Rund 90 Prozent der Unternehmen sind Mikro- und Kleinunternehmen, viele davon Familienbetriebe und Ausbildungsstätten mit hoher regionaler Wertschöpfung.

Christian Künzli, Präsident der Swiss LiveCom Association Expo Event, erklärt: «Unsere Branche produziert immer professioneller und liefert messbare Wirkung – aber wir verdienen nicht proportional mehr Geld. Solange ein Drittel aller Pitches unentgeltlich erfolgt, untergraben wir kollektiv unseren eigenen Wert. Das muss aufhören.»

Auch Marc Hofstetter, Präsident Tectum (Schweizer Verband der Festzeltbauer und temporären Bauten), fordert mehr politische Wahrnehmung: «Wir sind eine KMU-Branche. 90 Prozent der Unternehmen beschäftigen weniger als 50 Mitarbeitende, viele bilden Lernende aus, viele sind in zweiter oder dritter Generation Familienbetriebe. Wenn die Politik über Standortförderung spricht, müssen wir mitgemeint sein – nicht nur als Veranstaltungstechnik, sondern als wirtschaftliche und kulturelle Infrastruktur der Schweiz.»

Die LiveCom-Branchenverbände präsentieren die Event Trend Studie Schweiz 2026. Quelle: zvg

Echte Begegnung bleibt unersetzlich

Gerade in einer zunehmend digitalisierten Welt bleibt das Live-Erlebnis unersetzlich. Während Algorithmen Aufmerksamkeit verteilen, schaffen echte Begegnungen Vertrauen, Emotion und bleibende Erinnerung. Philipp Musshafen, Präsident VSSA (Verein Schweizer Stadion- und Arenabetreiber) und CEO AG Hallenstadion, sagt: «Wir sehen täglich, was kein digitales Format ersetzen kann: Tausende Menschen, ein gemeinsames Erlebnis, kollektive Emotion. Genau darin liegt die nachhaltige Kraft der Live-Kommunikation.»

Drei Forderungen der Allianz

Auf Basis der Studienergebnisse formulieren die vier Verbände drei gemeinsame Forderungen: Erstens sollen verbindliche Branchenstandards für angemessene Vergütung von Pitch-Leistungen eingeführt werden. Zweitens braucht es eine sichtbare Interessenvertretung der LiveCom-Branche in Bundesbern. Drittens soll Live-Kommunikation als Wirtschafts- und Kulturfaktor anerkannt werden – sie schaffe Wertschöpfung, Innovation und Ausbildungsplätze und verdiene dieselbe politische Aufmerksamkeit wie andere Schlüsselbranchen.

Zur Studie

Die Event Trend Studie Schweiz 2026 ist eine gemeinsame Mitgliederumfrage der vier Verbände Swiss LiveCom Association Expo Event, svtb, Tectum und VSSA. Sie wurde von GIM Suisse zwischen dem 12. Januar und dem 6. Februar 2026 durchgeführt. 203 von 774 angeschriebenen Mitgliedern haben teilgenommen, was einem Rücklauf von 26 Prozent entspricht. Die Studie erscheint zum dritten Mal nach 2022 und 2024. Die vollständige Studie steht auf den Webseiten der beteiligten Verbände zum Download bereit.

Weitere Informationen zur Swiss LiveCom Association Expo Event finden Sie unter www.expo-event.ch.

Weitere Beiträge zum Thema