Wenn neue Modelle Cyberkriminellen in die Hände spielen

Anthropic hat mit Fable 5 und Mythos 5 zwei neue KI-Modelle der «Mythos-Klasse» vorgestellt, die im Bereich Coding neue Massstäbe setzen sollen. Doch die Ankündigung wirft auch ernsthafte Sicherheitsfragen auf. Oliver Keizers von Filigran erklärt, warum Unternehmen jetzt handeln müssen.

Die neuen Modelle der «Mythos»-Klasse von Anthropic sind sehr leistungsfähig, was auch auch von Cyberkriminellen ausgenutzt werden könnte. (Bild: Depositphotos.com)

Mit der Ankündigung von Fable 5 und Mythos 5 hat Anthropic zwei neue KI-Modelle der sogenannten «Mythos-Klasse» vorgestellt. Die Modelle versprechen besonders im Bereich Coding neue Leistungsspitzen und verfügen über eingebaute Sicherheitssperren in Hochrisikobereichen. Was auf den ersten Blick nach einem technologischen Fortschritt klingt, birgt für Unternehmen und ihre IT-Sicherheit erhebliche Risiken – so die Einschätzung von Oliver Keizers, VP Sales Central EMEA beim Cybersicherheitsunternehmen Filigran.

Dieselbe Technologie, die schützt, kann auch angreifen

Keizers warnt vor einem strukturellen Dilemma: «Mit der Ankündigung von Fable 5 und Mythos 5 sendet Anthropic ein klares Signal: KI beschleunigt die Produktivität mehr denn je, eröffnet aber leider auch Cyberkriminellen eine völlig neue Bandbreite unbekannter Angriffsvektoren. Abermals wird KI zum zweischneidigen Schwert. Denn dieselbe Modellklasse, die Verteidigern hilft, Schwachstellen zu finden und Software abzusichern, verkürzt auch die Zeit, die Angreifer brauchen, um Sicherheitslücken zu finden, ihre Techniken anzupassen und ihre Sabotageakte zu skalieren.»

Diese Einschätzung ist für KMU besonders relevant: Wer über begrenzte IT-Ressourcen verfügt, ist auf eine schnelle und strukturierte Reaktionsfähigkeit angewiesen – genau die Fähigkeit, die Angreifer mit Hilfe leistungsstarker KI-Modelle zunehmend gegen Unternehmen einsetzen können.

Warnt vor KI-Gefahren: Oliver Keizers von Filigran. (Bild: zVg / Filigran)

Guardrails allein reichen nicht

Anthropics integrierte Sicherheitssperren – sogenannte Guardrails – seien laut Keizers zwar ein notwendiger Schritt, aber keine hinreichende Massnahme: «Guardrails sind notwendig, aber allein noch keine vollständige Verteidigungsstrategie. Auch Trusted-Access-Programme senken das Risiko, eliminieren es aber nicht: Outputs sickern durch, Techniken verbreiten sich, und vergleichbare Angriffstaktiken werden zwangsläufig anderswo entstehen.»

Für Unternehmen bedeutet das: Es reicht nicht, auf die Sicherheitsvorkehrungen der KI-Anbieter zu vertrauen. Eine eigenständige Sicherheitsstrategie, die auf aktuellen Bedrohungsinformationen basiert, bleibt unerlässlich.

Schnelligkeit entscheidet über Erfolg oder Misserfolg

Keizers zeichnet ein klares Bild der künftigen Sicherheitslage: «Verteidiger müssen sich jetzt auf eine Gefahrenlage einstellen, die von breit verfügbaren fortgeschrittenen KI-Fähigkeiten geprägt ist. Erfolg haben werden diejenigen, die schlicht schneller agieren: Information muss zur Entscheidung führen, und auf die muss eine konsequente Handlung folgen.»

Die entscheidende Frage sei dabei nicht, ob KI in der Verteidigung eingesetzt wird – das geschieht bereits –, sondern ob Unternehmen dabei die Kontrolle behalten: «Wer die Antwort nicht aktiv mitgestaltet, automatisiert nicht Stärke, sondern Unsicherheit.»

Filigran ist ein 2022 in Frankreich gegründetes Unternehmen für Cybersicherheit und bietet Open-Source-Lösungen auf KI-Basis an, die das End-to-End-Management von Bedrohungsinformationen, Angriffssimulationen und die Überprüfung der Sicherheitslage abdecken. Weltweit vertrauen über 6’000 Organisationen auf die Plattformen des Unternehmens.

Quelle: Filigran

Update d. Red. vom 15.6.2026: Auf Anordnung der US-Regierung hat Anthropic seine beiden neuen KI-Modelle wieder deaktivieren müssen. Zu gross seien die Sicherheitsbedenken, so die Begründung. Ausländische Staatsangehörige sollen ohnehin keinen Zugang erhalten.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf m-q.ch - https://www.m-q.ch/de/wenn-neue-modelle-cyberkriminellen-in-die-haende-spielen/

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