Welche KI-Weiterbildung ist die «richtige»?

Künstliche Intelligenz erfasst lawinenartig die Arbeitswelt. Um KI richtig anwenden zu können und vor allem ihre Funktionsweise zu verstehen, ist entsprechendes Wissen nötig. An vielen Schweizer Fachhochschulen und anderen Lehranstalten bestehen entsprechend zahlreiche Weiterbildungsangebote.

Je nach Bedarf kann ein kleiner Fachkurs über KI-Anwendungen effizienter sein als ein umfassendes technisches CAS. © Depositphotos.com
Je nach Bedarf kann ein kleiner Fachkurs über KI-Anwendungen effizienter sein als ein umfassendes technisches CAS.
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Auch bei der künstlichen Intelligenz zeigt sich: Neue Technologien benötigen auch neues Wissen. Das haben auch die Schweizer Bildungsinstitute erkannt und bieten zum Thema KI eine wachsende Zahl an Fachkursen, Seminaren und Studien an. «In einer Ära, die stark von künstlicher Intelligenz geprägt ist, müssen Unternehmen nicht nur die technischen Aspekte verstehen, sondern auch ihre Geschäftsmodelle entsprechend anpassen», betonte etwa Ralph Hutter, Studiengangsleiter CAS Digital Business Models & Strategy with AI HWZ anlässlich dessen Einführung im August 2024.

Schnelle Übersicht oder umfassende Kenntnisse?

Die Bandbreite an Weiterbildungsangeboten zum Thema KI ist beträchtlich. Sie reicht von kurzen «Bootcamps» von ein bis zwei Tagen Dauer bis hin zu mehrmonatigen Lehrgängen. Auch preislich sind die Unterschiede entsprechend gross. Wer zeitlich und finanziell mit einem knappen Budget ausgestattet ist, aber sich trotzdem einen ersten, einigermassen umfassenden Überblick zur künstlichen Intelligenz verschaffen möchte, kann z. B. an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW den Kurs «Bootcamp AI for Management» absolvieren. Dieser dauert einen Tag und kostet CHF 900. Geeignet sind dieser oder ähnliche Ein- oder Zweitages-Kurse für Führungskräfte oder Projektleitende, die erste KI-Projekte vorbereiten, oder für Kreative, die Prompting, Text-, Bild- oder Videowerkzeuge testen wollen.

Wer sich aber intensiver mit produktiven Machine-Learning-Systemen auseinandersetzen oder sich z. B. über Fragen rund um KI-Governance in Unternehmen informieren will, ist mit einem Bootcamp zu wenig gut bedient. Umfassender sind da Weiterbildungen wie etwa der CAS «AI Methods & Technology» an der Fachhochschule Ostschweiz OST, der 14 Präsenztage über rund fünf Monate umfasst, Kostenpunkt: CHF 9900. Bei CAS-Angeboten einberechnen muss man neben den Präsenztagen erfahrungsgemäss auch genügend Zeit für die Vor- und Nachbereitung sowie für die Erlangung von Leistungsnachweisen und Projektarbeiten. Der ZHAW-Zertifikatskurs «KI verstehen und anwenden» findet beispielsweise wöchentlich donnerstags von 9 bis 17 Uhr über rund fünf Monate statt, kostet CHF 6700 und kann zusätzliche Toolkosten von etwa 100 bis 200 Franken verursachen.

Übersicht verschiedener KI-Weiterbildungsformate im Vergleich von Zeitaufwand, Kosten und Eignung.
Übersicht verschiedener KI-Weiterbildungsformate im Vergleich von Zeitaufwand, Kosten und Eignung.

Branchenübergreifend oder fachspezifisch?

Künstliche Intelligenz findet inzwischen in nahezu allen Branchen in irgendeiner Form Anwendung. Sie bringt Unternehmen dazu, ihre digitalen Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln. Dazu notwendige Werkzeuge und Strategien vermittelt der eingangs erwähnte Zertifikatskurs «Digital Business Models & Strategy with AI» der Hochschule für Wirtschaft Zürich HWZ. Teilnehmende werden befähigt, Technologien wie Generative AI, Cloud-Plattformen, digitale Marktplätze und Super-Apps strategisch einzusetzen, um Innovationen voranzutreiben und neue Werte für ihre Unternehmen zu schaffen, verspricht der CAS. Ähnliche Studiengänge – ebenfalls als CAS mit 10 bis 15 ECTS-Punkten – bieten auch die Fachhochschulen ZHAW, BFH, OST oder auch die HSO an. Sie können allesamt berufsbegleitend absolviert werden, was aber eine entsprechende Zeitplanung voraussetzt. So beziffert die HSO den Zeitaufwand für ihren CAS «Angewandte KI im Business / KI im Marketing» mit einem Richtwert von rund 375 Stunden, was über sechs Monate etwa einem Arbeitstag pro Woche entspricht.

Je nach Berufsfeld oder Karriereziel liegen die Weiterbildungsbedürfnisse anders. Wer in Unternehmen eine IT-nahe Rolle einnimmt, aber von Haus aus nur geringe Programmier- oder Mathematikkenntnisse hat, findet etwa im CAS «AI Methods & Technology» der OST ein passendes Angebot. Dieser Lehrgang verbindet KI-Tools, Algorithmen, Machine Learning, Datenanalyse und die Bewertung von KI-Anwendungsfällen. Das Programm richtet sich konkret an Personen, die KI-Projekte fachlich fundiert begleiten wollen. Auch für Managementrollen ist ein CAS wertvoll, besonders dann, wenn die Weiterbildung eine konkrete Unternehmensprojektarbeit enthält. Der Zertifikatskurs «CAS KI verstehen und anwenden: No-Code-Lösungen für die betriebliche Praxis» der ZHAW lässt beispielsweise einen eigenen KI-Prototypen entwickeln und behandelt neben Technologie auch Datenqualität, Risiken, Ethik und Regulierung. Wer gerade für Letzteres vertieftes Wissen aufbauen möchte, findet möglicherweise im CAS «AI Law & Legal Tech», ebenfalls an der ZHAW, das Richtige. Dieser Lehrgang deckt nach Angaben des Anbieters sowohl praktische Tools wie ChatGPT, Microsoft Copilot und Google Gemini als auch KI-Gesetzgebung, Datenschutz, Urheberrecht, Haftung, Governance und ethische Entscheidungsfindung ab. Weitere, spezifisch auf den Finanz- und Versicherungszweig ausgerichtete Bildungsangebote behandeln zusätzlich Banking, Insurance, Betrugserkennung, Kreditprüfung, AML und Robo-Advisory.

Für praktische Anwenderinnen und Anwender von KI-Tools, etwa im Bereich Kommunikation oder Content Creation, ist ein Fachkurs meist effizienter als ein technischer CAS, wenn kurzfristig bessere Ergebnisse in Text-, Bild- oder Content-Workflows erreicht werden sollen. Für Kommunikationsprofis, die KI nicht nur anwenden, sondern Content-Prozesse und Teams strategisch weiterentwickeln wollen, sind dagegen ein CAS in Digital Marketing, Content Marketing, Marketing Automation oder Corporate Writing sinnvoller.

Nutzen und ROI einer Weiterbildung prüfen

Weiterbildungen und Schulungen in KI sind unabdingbar. Das darf aber nicht zu Schnellschüssen führen. Statt «Wir möchten Mitarbeitende in generativer KI schulen» ist es nutzbringender, mit einem konkreten Geschäftsproblem zu starten und dieses mit klaren Zielsetzungen zu verknüpfen. Ein fiktives Beispiel könnte in etwa so lauten: Die Erstellung von Kundenunterlagen, Managementberichten und Social-Media-Inhalten bindet derzeit 320 Arbeitsstunden pro Monat. Die Weiterbildung soll diese Zeit innerhalb von sechs Monaten um 20 Prozent reduzieren, ohne Qualitäts- oder Compliance-Einbussen. Das heisst, man sucht ein passendes Weiterbildungsangebot, das einen konkreten Anwendungsfall unterstützt, z. B. in der Kommunikation die Recherche, die Arbeit mit Textvarianten oder die Redaktionsplanung. Im Bereich Management könnte eine solche Weiterbildung das Ziel haben, die Use-Case-Priorisierung zu verbessern, eine KI-Strategie festzulegen oder allgemein Prozesse zu optimieren.

Oder machen wir – ebenfalls mit Hilfe von KI – folgendes Rechenbeispiel: Eine beantragte Weiterbildung kostet inklusive Arbeitszeit und Umsetzung CHF 40 000. Sie qualifiziert zehn Mitarbeitende für drei priorisierte KI-Anwendungsfälle in Content-Produktion, Recherche und Reporting. Bei einer konservativ angenommenen Zeitersparnis von 30 Minuten pro Person und Arbeitstag sowie einem zusätzlichen Qualitätsnutzen (z. B. bessere KI-generierte Ergebnisse, geringeres Risiko für Datenschutz- und Urheberrechtsverletzungen, bessere Zusammenarbeit zwischen Fachabteilungen) von CHF 15 000 entsteht ein jährlicher Bruttonutzen von rund CHF 44 000. Der Break-even wird voraussichtlich innerhalb des ersten Jahres erreicht. Zusätzlich reduziert die Weiterbildung Risiken durch unkontrollierte KI-Nutzung und schafft interne Kompetenz für weitere Anwendungen.

Fazit: Eine Weiterbildung ist dann «richtig», wenn sie konkrete Arbeitsprozesse messbar verändert. Manchmal genügt dafür schon ein kurzes «KI-Bootcamp», manchmal lohnt sich aber auch ein mehrmonatiger Studiengang.

Faustregel für die Praxis

  • Nur 1 Tag verfügbar: Bootcamp wählen.
  • 1–2 Tage pro Quartal verfügbar: mehrere gezielte Fachkurse statt CAS.
  • Ein halber bis ein ganzer Tag pro Woche über 5–8 Monate verfügbar: CAS ist realistisch.
  • Karrierewechsel oder formale Spezialisierung geplant: CAS mit anerkanntem ECTS-Abschluss bevorzugen.
  • Unklar, ob eine längere Weiterbildung sinnvoll ist: zunächst ein Bootcamp besuchen und danach einen passenden CAS auswählen.

Quellen

Einige Recherchen für diesen Artikel erfolgten mit KI-Unterstützung. Genutzt wurden folgende Quellen (Auswahl):

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