Swissness: 92 Prozent wollen Schweizer Kreuz nur auf Schweizer Produkten
Laut einer Studie von Marketagent Schweiz wollen 92 Prozent der Befragten das Schweizer Kreuz nur auf Produkten sehen, die tatsächlich in der Schweiz hergestellt wurden. 72 Prozent wären für vollständig in der Schweiz gefertigte Produkte bereit, mehr zu bezahlen. Hintergrund ist eine Praxispräzisierung, die das Kreuz auch bei Angaben wie «Swiss Engineering» erlaubt.

Das weisse Kreuz auf rotem Grund gehört zu den bekanntesten Symbolen der Schweiz. Auf Produkten ist es laut Marketagent Schweiz mehr als ein nationales Erkennungszeichen: Für viele Konsument:innen sei es ein konkretes Versprechen über Herkunft und Herstellung. Genau dieses Versprechen steht derzeit zur Diskussion.
Seit einer Praxispräzisierung des Eidgenössischen Instituts für Geistiges Eigentum kann das Schweizer Kreuz in Verbindung mit Angaben wie «Swiss Engineering» oder «Swiss Research» auch auf Produkten eingesetzt werden, die nicht in der Schweiz hergestellt werden. Die Neuregelung hat eine politische Debatte ausgelöst. Die repräsentative Eigenstudie von Marketagent Schweiz zeigt nun, wie die Bevölkerung darüber denkt. 92 Prozent unterstützen die Forderung, dass das Kreuz nur auf Produkten verwendet werden darf, die tatsächlich in der Schweiz hergestellt werden. Zwei Drittel (67 Prozent) stehen der Lockerung der bisherigen Regeln grundsätzlich ablehnend gegenüber. Für 73 Prozent ist zudem nicht eindeutig, was der Zusatz «Swiss Engineering / Research» bedeutet.
Schweizer Kreuz wird als Produktionsversprechen verstanden
Für 72 Prozent der Befragten haben Swissness-Kennzeichnungen wie «Swiss Made», «Made in Switzerland» oder das Schweizer Kreuz eine grosse persönliche Bedeutung. Mit dem Kreuz verbinden 61 Prozent in erster Linie die Schweizer Herkunft eines Produkts, 55 Prozent eine Herstellung in der Schweiz und 49 Prozent hohe Qualität. Auf Rang vier und fünf folgen Schweizer Tradition (41,4 Prozent) und Schweizer Know-how (37,0 Prozent). Gefragt nach der stärksten konkreten Erwartung nennen 35 Prozent eine vollständige Herstellung in der Schweiz. Weitere 28 Prozent gehen davon aus, dass zumindest der überwiegende Teil der Herstellung hierzulande erfolgt.
89 Prozent prüfen beim Einkaufen zumindest gelegentlich aktiv, wo ein Produkt hergestellt wurde, 29 Prozent sogar häufig. Ein Schweizer Kreuz auf einem im Ausland produzierten Produkt würde 67 Prozent bei Lebensmitteln besonders stören, 49 Prozent bei Medikamenten und 48 Prozent bei Uhren und Schmuck.
«Für die Schweizer Bevölkerung ist das Kreuz weit mehr als ein Marketingzeichen. In den Köpfen der Konsumentinnen und Konsumenten ist es sehr eng mit tatsächlicher Wertschöpfung in der Schweiz verbunden. Wird diese Verbindung aufgeweicht, droht aus Sicht einer grossen Mehrheit ein Verlust an Klarheit, Glaubwürdigkeit und Wertigkeit», fasst Marketagent-Founder Thomas Schwabl die Ergebnisse zusammen.
Lockerung könnte Vertrauen kosten
72 Prozent geben an, dass ihr Vertrauen in das Schweizer Kreuz (eher) stark beeinflusst würde, wenn dieses auch auf im Ausland produzierten Produkten verwendet werden darf. 89 Prozent befürchten, dass durch die Lockerung weniger klar wird, wofür das Kreuz auf einem Produkt überhaupt steht. 85 Prozent sehen einen Anreiz zur weiteren Verlagerung von Produktion ins Ausland, und 84 Prozent halten Unternehmen für benachteiligt, die weiterhin in der Schweiz produzieren. 83 Prozent rechnen langfristig mit einem Bedeutungsverlust des Schweizer Kreuzes.
87 Prozent empfinden ein Produkt als wertvoller, wenn es in der Schweiz hergestellt wurde. 72 Prozent wären bereit, für ein vollständig in der Schweiz hergestelltes Produkt einen Aufpreis zu bezahlen. Rund ein Drittel würde bis zu 5 Prozent mehr bezahlen, drei von zehn bis zu 10 Prozent. Rund jede:r Zehnte akzeptiert sogar einen Aufpreis von 20 Prozent oder mehr.
Preisargument überzeugt vor allem die Jungen
Ganz kompromisslos ist die Bevölkerung dennoch nicht. Würde eine Produktion im Ausland tatsächlich zu günstigeren Preisen für die Konsument:innen führen, wäre fast die Hälfte (49 Prozent) eher bereit, die Lockerung der Regeln zu akzeptieren. Dabei zeigt sich ein Generationenunterschied: Unter Angehörigen der Generation Z wären 61 Prozent bei einem konkreten Preisvorteil eher für die Lockerung, bei den Babyboomern 35 Prozent. Eine Mehrheit bezweifelt allerdings, dass ein solcher Vorteil bei ihr ankommt: 57 Prozent glauben nicht, dass Kosteneinsparungen durch eine Produktion im Ausland an Konsument:innen weitergegeben werden.
Laut Marketagent zeigen die Ergebnisse ein geschlossenes Bild: Das Schweizer Kreuz stehe für die Bevölkerung nicht bloss für Ideen, Know-how oder die Herkunft eines Unternehmens, sondern sei eng mit der Erwartung verbunden, dass hinter dem Produkt ein relevantes Stück Schweizer Wertschöpfung steckt. «Wenn mehr als neun von zehn Schweizer*innen das Symbol an eine Herstellung im eigenen Land knüpfen wollen, geht es letztlich um den Wert und die Glaubwürdigkeit einer der stärksten Marken der Schweiz», so Schwabl.
About the study
Die Online-Befragung (CAWI) wurde zwischen dem 26. August und 2. September 2026 über die Marketagent-reSEARCH-Plattform durchgeführt. Befragt wurden 1000 Personen zwischen 14 und 75 Jahren in der Deutsch- und Westschweiz. Das Sample ist repräsentativ für die Schweizer Bevölkerung. Die Studie ist eine Eigenstudie von Marketagent Schweiz.
Source: Marketagent Switzerland
