Inkasso-Ranking 2026: Hälfte der weltweiten Handelsforderungen mit hohem Risiko behaftet
Das Inkasso-Ranking 2026 von Allianz Trade zeigt: Die globale Komplexität der Schuldeneintreibung liegt auf einem hohen Niveau von 47,2 von 100 Punkten. Die Schweiz belegt den ausgezeichneten 5. Rang von 52 untersuchten Ländern und punktet mit sehr guter Zahlungsmoral. 1,1 Billionen US-Dollar an internationalen Handelsforderungen befinden sich in Ländern mit sehr hohem oder schwerwiegendem Risiko.

Allianz Trade hat die vierte Ausgabe ihres Inkasso-Rankings veröffentlicht. Die Studie bietet eine klare Einschätzung darüber, wie einfach oder schwierig es für Unternehmen ist, unbezahlte Rechnungen in 52 Volkswirtschaften einzutreiben. Diese 52 Länder machen 90 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts und Handels aus. Nach Angaben des weltweit führenden Anbieters von Warenkreditversicherungen liegt die globale Komplexität des Inkassos mit 47,2 von 100 Punkten auf einem hohen Niveau.
Schweiz auf sehr gutem 5. Rang
Im Vergleich zum Ranking von 2022 hat sich die Schweiz um einen Rang verbessert und liegt auf dem ausgezeichneten 5. Platz von 52 untersuchten Ländern mit einem Score von 33 Punkten. Das Zahlungsverhalten Schweizer Unternehmen ist sehr gut. Die meisten Zahlungen erfolgen in der Regel im Voraus oder innerhalb von 30 Tagen. Inländische Gerichte sind relativ effizient bei der zeitnahen Bearbeitung von Streitfällen, dennoch bleibt die aussergerichtliche Eintreibung von Forderungen die effektivste Methode.
«Obwohl die Schweiz Mechanismen zur Förderung von Umschuldungen und Unternehmensrettungen eingeführt hat, bleibt die Liquidation derzeit das Standardverfahren», erläutert Jan Möllmann, CEO Allianz Trade in der Schweiz. «Ungesicherte Gläubiger haben somit kaum Chancen, Forderungen von insolventen Schuldnern einzutreiben. Speziell für kleine und mittlere Unternehmen kann das Ausbleiben von Zahlungen rasch existenzbedrohend werden. Unternehmen tun grundsätzlich gut daran, Bonitäten zu prüfen und Zahlungsausfälle abzusichern.»
Globale Komplexität bleibt Herausforderung
Das Ranking des Indexes hat vier Stufen der Komplexität: «gering» mit einem Wert unter 40, «hoch» zwischen 40 und 50, «sehr hoch» von 50 bis 60 und «schwerwiegend» über 60. Der weltweite Durchschnitt liegt geringfügig unter dem Wert der Ausgabe 2022 von 49 von 100 Punkten und spiegelt eine geringere Risikostreuung wider. Ein geringerer Anteil der Länder fällt nun unter die Kategorien «schwerwiegend» mit 15 Prozent gegenüber 16 Prozent im Jahr 2022 und «sehr hoch» mit 21 Prozent gegenüber 29 Prozent, während der Anteil der Kategorien «hoch» mit 29 Prozent gegenüber 24 Prozent und «gering» mit 35 Prozent gegenüber 31 Prozent gestiegen ist.
Angesichts der weltweit weiterhin hohen Zahl von Unternehmensinsolvenzen und der zunehmenden globalen Fragmentierung aufgrund sich verändernder Handelsmuster, volatiler protektionistischer Tendenzen, geopolitischer Spannungen und wachsender digitaler Risiken wird das Inkasso für Unternehmen, insbesondere für Exporteure, jedoch immer komplexer.
Allianz Trade schätzt, dass 48 Prozent der internationalen Handelsforderungen in Ländern mit einer sehr hohen Komplexität von 22 Prozent oder schwerwiegenden Komplexität von 26 Prozent liegen. Im Vergleich zu 2022 ist dies ein geringfügiger Anstieg von einem Prozentpunkt, jedoch aufgrund des wachsenden globalen Handels ein deutlicher Anstieg des absoluten Wertes auf 1,1 Billionen US-Dollar.
Saudi-Arabien, Mexiko und VAE sind Schlusslichter
Unter Berücksichtigung lokaler Zahlungspraktiken, Gerichts- und Insolvenzverfahren stellt Allianz Trade fest, dass in Deutschland, den Niederlanden und Portugal die internationalen Schulden am leichtesten einzutreiben sind, während es in Saudi-Arabien, Mexiko und den Vereinigten Arabischen Emiraten am herausforderndsten ist. Internationale Schuldeneintreibung ist in Saudi-Arabien fast dreimal so komplex wie in Deutschland.
Insolvenzverfahren machen nach wie vor den Grossteil der Komplexität beim Inkasso in allen Regionen aus. Insbesondere die lokalen Zahlungsgewohnheiten sind der Hauptgrund für die Komplexität des Inkassos im Nahen Osten, während gerichtliche Komplexitäten in Westeuropa weniger häufig sind als im Nahen Osten, in Afrika und Lateinamerika.
Neue Handelszentren erfordern Selektivität
Inmitten der strukturellen Veränderungen des globalen Handelssystems entstehen neue Handelszentren, die zu Verbindungsgliedern in neuen Handelsrouten werden. Trotz ihrer Attraktivität bleibt die Eintreibung von Forderungen eine Herausforderung für Exporteure in diese Märkte, was die bestehenden Länderrisiken noch verstärkt.
Aufstrebende Handelszentren der nächsten Generation, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, Vietnam und Malaysia, weisen mit einer durchschnittlichen Punktzahl von 62 eine schwerwiegende Komplexität bei der Zahlungsabwicklung auf. Obwohl diese Märkte im aktuellen Kontext zunehmend an Bedeutung gewinnen, erfordert dies Selektivität und ein engmaschiges Kreditmanagement, wenn man erwägt, dort mehr Geschäfte zu tätigen.
Der Allianz Trade Inkasso-Index ist ein Mass für den Komplexitätsgrad internationaler Inkassoverfahren in jedem einzelnen Land auf einer Skala von 0 als am wenigsten komplex bis 100 als am komplexesten. Der Score basiert auf der Einschätzung von 340 Inkassoexperten von Allianz Trade weltweit und über 40 objektiven Indikatoren.
Quelle: Allianz Trade
