Globale Länderrisiken sinken trotz intensiver Handelsspannungen
Zum dritten Mal hat der Kreditversicherer Allianz Trade seinen Länderrisikoatlas veröffentlicht. Er bewertet die wirtschaftlichen Aussichten, Risiken und Chancen in 83 Ländern.
Allianz Trade konstatiert in seinem neuen Länderrisikoatlas eine Entspannung des globalen Risikoumfelds – trotz hoher geopolitischer Spannungen und Handelskonflikte. 2025 wurden 36 Länder hochgestuft, während nur 14 Herabstufungen verzeichnet wurden; der Positivtrend fällt damit schwächer aus als im Vorjahr, bleibt aber intakt. Zu den Gewinnern zählen unter anderem Argentinien, Ecuador, Ungarn, Italien, Spanien, die Türkei und Vietnam, deren verbesserte Bewertungen vor allem auf robustere makroökonomische Fundamentaldaten sowie unterstützende Fiskal- und Geldpolitik zurückgeführt werden. In vielen Schwellenländern ermöglichten bessere Finanzierungsbedingungen, stärkere Währungen und höhere Rohstoffpreise eine Lockerung von Transfer- und Konvertibilitätsbeschränkungen, während in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum sinkende Inflation, stabilere Politik und bessere Handelsbilanzen die Widerstandskraft erhöhten.
Verdreifachung von Herabstufung gegenüber 2024
Gleichzeitig verdeckt die breite Verbesserung erhebliche mittelfristige Risiken, insbesondere weil sich die Zahl der Herabstufungen im Vergleich zu 2024 fast verdreifacht hat. Besonders ins Gewicht fallen die Downgrades von Frankreich, Belgien und den USA, die nun jeweils auf A1 eingestuft werden und zusammen einen bedeutenden Teil der Weltwirtschaft repräsentieren. Das Risiko gilt dort weiterhin als niedrig, doch die Verschlechterung signalisiert strukturelle Verwundbarkeiten – von angespannten öffentlichen Finanzen über Leistungsbilanzdefizite bis hin zu einem herausfordernden mittelfristigen makroökonomischen Umfeld. Allianz-Trade-Chefin Aylin Somersan Coqui warnt vor Risikoclustern in grossen Volkswirtschaften, die rund ein Drittel des globalen BIP ausmachen und damit ein Vielfaches jener Länder, in denen sich die Perspektiven verbessert haben.
Schweiz mit geringem Länderrisiko
Die Schweiz behauptet sich in diesem Umfeld mit einem AA-Rating und bleibt damit ein Standort mit geringem Länderrisiko. Nach einer Erholung 2024 mit einem Wachstum von 1,4% bremsten 2025 vor allem die Unsicherheit über die US-Handelspolitik sowie schwächere Investitionen, während eine Mitte November ausgehandelte Senkung neu eingeführter US-Zölle auf Schweizer Waren die Aussichten gegen Jahresende stabilisierte. Das BIP legte 2025 um rund 1,23% zu, getrieben von exportbedingten Vorzieheffekten, die jedoch von verhaltener Investitionstätigkeit und gedrückter Konsumstimmung gebremst wurden; tragende Säule blieb der private Konsum, während der Staatsverbrauch aufgrund von Sparzwängen nur moderat zulegen dürfte. Für 2026 und 2027 rechnet Allianz Trade mit einem Wachstum von 1,4% beziehungsweise 1,6%, zugleich bleiben die Firmenpleiten hoch: Nach einem Plus von 18% im Jahr 2024 stiegen die Insolvenzen 2025 weiter, erst für 2026 und 2027 wird mit Rückgängen von 6% beziehungsweise 11% gerechnet.
Die Inflation in der Schweiz bleibt derweil deutlich unter dem Zielwert der Nationalbank. 2024 betrug sie 1,1%, gedämpft durch den starken Franken und gesunkene Energiepreise; 2025 lag die Teuerung mit 0,2% praktisch bei Null, gestützt von billigeren Importen, niedrigen Energiepreisen und geringeren Mietanstiegen. Für 2026 erwartet Allianz Trade eine Inflationsrate von 0,4% und einen moderaten Anstieg auf 0,7% im Jahr 2027, während der starke Franken und niedrige Energiepreise weiterhin disinflationär wirken und die SNB ihren Leitzins im gesamten Prognosezeitraum bei 0% belassen dürfte.
Ambivalentes Bild für Unternehmen
Aus Sicht der Unternehmen entsteht damit ein ambivalentes Bild: Einerseits profitieren sie von insgesamt sinkenden Länderrisiken und robusteren Rahmenbedingungen in vielen Märkten, andererseits zwingt die Häufung von Downgrades in grossen Volkswirtschaften zu einem deutlich selektiveren, länderspezifischen Risikomanagement. Allianz Trade plädiert für einen vorausschauenden Ansatz, der über die Rating-Headline hinausgeht und insbesondere Transfer- und Konvertibilitätsrisiken, fiskalische Entwicklung und handelspolitische Risiken laufend überwacht, um Wendepunkte frühzeitig zu erkennen und Vermögenswerte zu schützen.
Quelle: Allianz Trade
Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf m-q.ch - https://www.m-q.ch/de/globale-laenderrisiken-sinken-trotz-intensiver-handelsspannungen/
