Fachkräftemangel im öffentlichen Sektor: Weniger Ausschreibungen, unterschiedliche Entwicklungen
Eine Analyse der Stellenausschreibungen 2025 zeigt: Der Arbeitsmarkt im sinnstiftenden Sektor wird selektiver. Während sich die Lage in der Verwaltung leicht entspannte, verschärfte sich der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen. Die Zahl der Einstiegspositionen blieb trotz KI-Debatte stabil.

Das Jahr 2025 stellte sinnstiftende Organisationen in der Deutschschweiz vor ein bekanntes Spannungsfeld: Sparmassnahmen und Budgetkürzungen trafen auf einen weiterhin hohen Personalbedarf. Besonders in der öffentlichen Verwaltung, im Bildungsbereich und im Gesundheitswesen waren Organisationen gezwungen, ihre Rekrutierungsstrategien anzupassen. Eine Auswertung von Publicjobs über das gesamte Job-Jahr 2025 zeigt: Der Arbeitsmarkt im sinnstiftenden Sektor ist nicht kleiner geworden, sondern selektiver.
Rückgang der Ausschreibungen mit klaren Unterschieden
Insgesamt wurden im Jahr 2025 20’811 Stellenanzeigen publiziert. Gegenüber 22’273 Ausschreibungen im Jahr 2024 entspricht dies einem Rückgang von 6,5 Prozent. Besonders deutlich fiel die Abnahme im Segment der öffentlichen Verwaltung aus.
Gleichzeitig gab es in anderen Bereichen gegenläufige Entwicklungen: Im Bildungsbereich stieg das Ausschreibungsvolumen im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 Prozent, im Gesundheitswesen sogar um 13 Prozent. Auch in weiteren sinnstiftenden Segmenten wie Energieversorgung, sozialen Organisationen, Kirchen oder Stiftungen ist eine leichte Zunahme zu beobachten.
Verwaltung: Stabilere Strukturen trotz weniger Anzeigen
Im Bereich der öffentlichen Verwaltung zeigt sich eine differenzierte Entwicklung. Zwar ging die Anzahl der publizierten Stellenanzeigen zurück, die Anzahl der Organisationen, die mindestens eine Stelle ausschrieben, blieb jedoch konstant.
Dies deutet darauf hin, dass Organisationen mit weniger Ausschreibungen auskamen, um offene Stellen zu besetzen. Der Fachkräftemangel scheint sich, zumindest im Umfeld der öffentlichen Verwaltung, leicht entspannt zu haben. Die Datenlage deutet darauf hin, dass offene Positionen effizienter besetzt werden konnten. Der Rückgang der Ausschreibungen ist daher weniger als Rückzug vom Arbeitsmarkt zu verstehen, sondern als Hinweis auf stabilere Personalstrukturen oder angepasste Rekrutierungsprozesse. Ein weiterer Aspekt, der hier eine Rolle spielen könnte, ist der Wunsch nach sicheren Stellen in einem stabilen Umfeld, während die Gesamtwirtschaft von Unsicherheit und geopolitischen Spannungen geprägt wurde.
Bildung: Breiter, aber weniger intensiv
Im Bildungsbereich nahm die Anzahl der Organisationen, die mindestens eine Stelle ausschrieben, gegenüber 2024 um 19 Prozent zu. Gleichzeitig stieg das gesamte Ausschreibungsvolumen lediglich um 3,4 Prozent.
Dies zeigt, dass zwar mehr Bildungsorganisationen rekrutierten, jedoch mit deutlich weniger Ausschreibungen pro Organisation. Die Fluktuation nahm damit auch im Bildungsbereich ab. Rekrutierung fand breiter statt, aber weniger intensiv. Auch hier lässt sich die Situation so interpretieren, dass der Fachkräftemangel im Bildungsbereich leicht rückläufig ist beziehungsweise seinen Höhepunkt überschritten hat.
Gesundheitswesen: Der Fachkräftemangel bleibt akut
Anders stellt sich die Lage im Gesundheitswesen dar. Hier blieb die Anzahl der publizierenden Organisationen nahezu unverändert, während das Ausschreibungsvolumen im Vergleich zu 2024 um 13 Prozent zunahm.
Diese Kombination deutet auf einen weiterhin akuten Fachkräftemangel hin. Bestehende Organisationen mussten häufiger ausschreiben, um ihren Personalbedarf zu decken. Der Druck auf den Arbeitsmarkt im Gesundheitswesen hat sich 2025 damit tendenziell eher verstärkt als abgeschwächt.
Berufseinsteiger: Stabilität trotz KI-Debatte
Entgegen der häufig geführten Debatte um Automatisierung und den möglichen Wegfall von Einstiegspositionen zeigt die Auswertung von Publicjobs ein stabiles Bild: Der Anteil der Stellen für Berufseinsteiger:innen blieb 2025 im Vergleich zu 2024 unverändert.
Gerade in sinnstiftenden Segmenten wie Verwaltung, Bildung und Gesundheitswesen bleibt der Mensch im Mittelpunkt. Künstliche Intelligenz verändert zwar Prozesse, unterstützt bei administrativen Aufgaben und erhöht Effizienz – sie ersetzt jedoch nicht die fachliche Verantwortung, das soziale Verständnis und die Nähe zu Bürger:innen, Patient:innen oder Lernenden.
Diese Stabilität ist ein wichtiges Signal – nicht nur für Arbeitgebende, sondern insbesondere für junge Talente, die eine Karriere mit gesellschaftlicher Wirkung anstreben.
Selektiver statt kleiner
Das Job-Jahr 2025 zeigt keinen generellen Rückzug vom Arbeitsmarkt im sinnstiftenden Sektor. Während sich der Fachkräftemangel in der Verwaltung leicht entspannte, bleibt er im Gesundheitswesen weiterhin eine zentrale Herausforderung. Bildung und weitere Segmente setzten stärker auf Stabilisierung und gezielte Rekrutierung.
Weniger Ausschreibungen bedeuten dabei nicht weniger Bedarf – sondern einen bewussteren, selektiveren Umgang mit Personalressourcen.

