KMU Swiss Symposium in Baden: Signale der Industriellen Revolution
Am 19. März 2026 trafen sich zahlreiche Unternehmerinnen und Unternehmer zu einer neuen Ausgabe des KMU Swiss Symposiums. Das Thema lautete dieses Mal «Industrielle Revolution 2026».

Das Tagungsthema mutet auf den ersten Blick nicht gerade aktuell an. Doch es rückte die Frage ins Zentrum, wie Märkte gezielt revolutioniert und daraus nachhaltige Wettbewerbsvorteile gewonnen werden können – eine Frage, mit der sich Unternehmen dauernd beschäftigen müssen. «Wer zu spät kommt, hat seinen Nokia-Moment», so Moderator Hugo Bigi in seiner Einführung ins Thema.
Signale richtig lesen
Als ersten Redner des Nachmittags stellte er Michael Böni vor, Digitalisierungs-Pionier, Gründer von Boeni Industries und Autor des Buchs «Signals of Change: Decoding Tomorrow». Böni zeigte das Muster auf, nach welchem neue Entwicklungen in der Regel verlaufen: Aus einem Tropfen, d.h. einem ersten Signal, entsteht eine Welle, die sich zum Schluss zu einem Tsunami aufbauen kann. So geschehen auch mit der generativen KI: Von ersten Erwähnungen über den Durchbruch mit GPT-3, DALL-E usw. bis zur aktuellen Durchdringung der Arbeitswelt mit KI-Agenten rasant steigenden Nutzerzahlen. Erste Signale zu erkennen und richtig lesen zu können, sei eine Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg, lassen sich Bönis Ausführung zusammenfassen. Er wies aber auch darauf hin, dass ein Hype nicht mit einem Signal verwechselt werden dürfe. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass man schwache Signale übersieht, weil sie gerade nicht zum Geschäftsmodell passen. Als Tipps gab er den Unternehmerinnen und Unternehmern auf den Weg, jeden Tag einen kurzen «Signal-Scan» zu machen, verschiedene Perspektiven in die Teams zu holen und bewusst einmal pro Quartal ein schwaches Signal zu identifizieren und einer näheren Prüfung zu unterziehen. «Signale verschaffen Zeit, um Innovation zu generieren», so Böni. Und: «Die Zukunft gehört jenen, die sie kommen sehen.»
Ein Teil dieser Zukunft liegt ausserhalb unserer Erde, das heisst: Im Weltraum. Der Weltraum wird immer mehr zu einem Teil unserer Infrastruktur – Navigation, Beobachtung, Kommunikation sind dabei wichtige Stichworte – und entsprechend zu einem Wirtschaftsfaktor. Aude Pugin, CEO von APCO Technologies in Aigle, zeigte in ihrem Auftritt auf, welche – unterschätzte – Rolle Schweizer Unternehmen und Forschung hier schon spielen. Ihr Unternehmen stellt Teile für die Trägerrakete Ariane 6 her und ist an der Entwicklung von Satelliten beteiligt. Eine führende Position nimmt das Unternehmen auch im Kraftwerkbau – APCO war wesentlich beim Bau von 49 der 56 AKWs in Frankreich beteiligt – und im Schiffbau ein. Gerade vor dem Hintergrund der Raumfahrt ist das Unternehmen ein Beispiel dafür, wie die Schweizer Industrie sich nach wie vor mit revolutionären Projekten beschäftigen kann. Grenzüberschreitende Kooperationen sind dafür aber mitentscheidend.
Humor – und die Attraktivität von Märkten in Südostasien
Trotz schwieriger Weltlage soll der Humor nicht zu kurz kommen. Dies war das Thema von Rob Spence. Der australisch-schweizerische Standup-Comedian und Humor-Coach zeigte, dass wir Humor mehr denn je brauchen. Garniert mit routiniert gesetzten Pointen erläuterte er, wie wichtig das Lachen für uns Menschen ist. Am meisten lachen wir als Kinder. Humor und die Fähigkeit, kreativ zu sein, werde uns aber durch Schule und Beruf quasi «abtrainiert». Als Kleinkind lachen wir mehrere Hundert mal am Tag, als Erwachsene gerade mal noch acht bis zehn Mal – wobei Frauen immer noch häufiger lachen als Männer. Wissenschaftlich erwiesen ist indes die positive Wirkung von Humor auf die mentale Gesundheit. Anlass genug, auch am Arbeitsplatz den Humor zu zelebrieren. Sogar künstliches Lachen sei wirksam, so Rob Spence.

Zur Frage zurück, wie Unternehmen gezielt in neue Märkte vorstossen können, führte die anschliessende Podiumsdiskussion mit Dr. Steve S.W. Wang, Delegierter von Taiwan in der Schweiz, und Raymond Albert H. Batac, WTO-Vetreter der Philippinen in der Schweiz. Beide Herren erläuterten die Chancen für Schweizer Unternehmen, in ihren Ländern wirtschaftlich tätig zu werden. Beide Herren wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die südostasiatischen Staaten eine lohnende Alternative zu China sein könnten und nicht nur Tourismus-Destinationen seien. Taiwan sei vor allem für technologie-orientierte Sektoren attraktiv, auch als Testmarkt, um später doch noch in Festland-China aktiv zu werden. Die Philippinen wiederum hätten kulturelle Vorteile, etwa durch die grosse Verbreitung der englischen Sprache. Beide Länder sind offen für alle Branchen. Einschränkungen gäbe es allenfalls für den Finanz- und Versicherungs-Sektor, der etwa in Taiwan stark reguliert sei, wie Steven Wang erklärte. Beide Gesprächspartner betonten zudem die Wichtigkeit, mit lokalen Partnern zusammenzuarbeiten. Der Aufbau von Vertrauen bilde die Basis für erfolgreiche Geschäfte. Ein auf Langfristigkeit ausgerichteter Planungshorizont sei ebenfalls entscheidend.
KMU Swiss Award als würdiger Schlusspunkt
Den Schlusspunkt bildete die Verleihung des KMU SWISS Awards. Aus mehreren Nominationen wurde nach einem mehrstufigen Jurierungsprozess mit EMCH Aufzüge AG aus Bern ein Unternehmen ausgezeichnet, das mit Mut, Ausdauer und Verantwortung eindrücklich zeigt, wie nachhaltiger Erfolg über Jahre und Generationen aufgebaut und gesichert werden kann. Gewürdigt wurde insbesondere dessen Beitrag zum Erhalt des Werkplatzes Schweiz – die Fertigung der Aufzüge findet vollständig im Inland statt – und das Bekenntnis zu sozialer Verantwortung. So leistet EMCH Aufzüge etwa einen Beitrag zur Re-Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt.

Das nächste KMU Swiss Symposium findet am 15. Oktober 2026 in Brugg statt. Das Thema lautet dann: «Think greater again».
Weitere Informationen: www.kmuswiss.ch

