Exportwirtschaft trotzt globaler Unsicherheit

Trotz Nahostkonflikt, Zollstreit und geopolitischer Spannungen schätzen Unternehmen in Deutschland und der Schweiz ihre Exportaussichten überraschend optimistisch ein. Während deutsche Exporteure vor allem mit Risiken und Anpassungsdruck ringen, ist die Schweizer KMU-Exportstimmung nach der Senkung der US-Zölle wieder Aufwind. Allerdings steht die Zuversicht auf wackligen Beinen.

Das Umfeld mag düster sein, dennoch zeigt sich die Exportwirtschaft in der Schweiz und in Deutschland erstaunlich robust. (Bild: Unsplash.com)

Der in der Nacht vom 7. auf den 8. April ausgerufene Waffenstillstand im Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat in der Wirtschaftswelt für Erleichterung gesorgt. Dies zeigte sich direkt in wieder steigenden Börsenkursen sowie in einem Nachgeben an der Ölpreis-Front. Nichtsdestotrotz bleibt abzuwarten, wie nachhaltig diese Entspannung für die Exportwirtschaft sein wird.

Optimismus trotz Unsicherheit

Geopolitische Spannungen wie im Nahen Osten und nicht zuletzt die seit 2025 herrschende Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump haben die Exportmärkte unter Druck gesetzt. Vor diesem Hintergrund ist es eigentlich erstaunlich, dass exportorientierte Unternehmen ihre Aussichten dennoch recht optimistisch einschätzen. Diesen Schluss lassen jedenfalls zwei aktuelle Befragungen von Allianz Trade und Switzerland Global Enterprise (S-GE) zu. Während die am 8. April veröffentlichte Trade Global Survey 6000 Unternehmen in Brasilien, China, Frankreich, Deutschland, Indien, Italien, Polen, Singapur, Spanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, UK den USA und in Vietnam befragt hat, gibt die Befragung von S-GE die Exportstimmung von Schweizer Unternehmen wieder. Sie wurde im Januar 2026 publiziert und hat entsprechend den Ausbruch des Kriegs am Persischen Golf noch nicht berücksichtigt. Bei beiden Befragungen handelt es sich also um Momentaufnahmen.

Deutsche Exporteure bleiben erstaunlich robust

Zunächst ein Blick ins nördliche Nachbarland, dem nach wie vor wichtigsten Exportmarkt für Schweizer Unternehmen: Wie schätzen dort die exportorientierten Unternehmen die Aussichten ein? Laut Allianz Trade zeigen sich die deutschen Exporteure widerstandsfähiger als viele ihrer internationalen Wettbewerber. 83 Prozent der befragten Unternehmen rechnen trotz der Eskalation im Nahen Osten mit steigenden Exportumsätzen; 41 Prozent erwarten in den kommenden zwölf Monaten ein moderates Plus von 2 bis 5 Prozent.

Gleichzeitig ist die Zuversicht von Skepsis begleitet: 49 Prozent erwarten 2026 weiterhin negative Folgen des US-Handelskriegs, und fast die Hälfte rechnet mit einer schlechteren Zahlungsmoral im Ausland. Zu den grössten Risiken zählen die erwähnten geopolitischen Unsicherheiten, aber auch Lieferkettenprobleme, Transport- und Finanzierungsrisiken.

Anpassung statt Abwarten

Wie ist der Optimismus zu erklären? Die Antwort darauf dürfte in der gewachsenen Resilienz der deutschen Unternehmen zu suchen sein. Viele von Ihnen haben bereits auf das neue Umfeld reagiert: 80 Prozent haben seit dem sogenannten Liberation Day ihre Handels- und Lieferkettenrouten angepasst, und 40 Prozent überdenken oder verzögern Produktionspläne im Ausland. Als wichtigste Strategien nennen sie Friendshoring, also Handelsbeziehungen mit «befreundeten» Ländern, neue Produkte, lokale Partnerschaften und stärkeres Risikomanagement.

Auch bei den Lieferketten setzen die Firmen auf mehr Sicherheit: 60 Prozent bauen Lagerbestände auf, 55 Prozent erschliessen neue Lieferanten, 52 Prozent expandieren in neue Märkte. Im internationalen Vergleich agieren deutsche Exporteure dabei eher vorsichtig; der Drang zur Umleitung über Drittländer ist weltweit stärker ausgeprägt als in Deutschland, so die Untersuchung von Allianz Trade.

Diese Prioritäten setzen Unternehmen, um trotz geopolitischer Risiken international tätig zu sein und zu wachsen. (Grafik: Allianz Trade)

Schweiz: vorsichtiger Optimismus

Die Exportstimmung in der Schweiz präsentiert sich ebenfalls besser als zu erwarten wäre. Insbesondere bei den Schweizer KMU hellt sich die Lage etwas auf – so zumindest die Einschätzung von Anfang 2026. Laut der Befragung von S-GE liegt die Exportstimmung mit 63,5 Punkten wieder klar über der Wachstumsschwelle; 57,2 Prozent erwarten für das erste Halbjahr 2026 steigende Exporte, nur 15,9 Prozent einen Rückgang. Für das Gesamtjahr 2026 rechnen 63 Prozent mit einer positiven Entwicklung.

Der Bericht betont jedoch, dass daraus keine Trendwende zu dauerhaftem Wachstum abgeleitet werden kann. Vier von fünf befragten Unternehmen erwarten nur geringe Veränderungen ihres Exportvolumens, meist im Bereich von plus oder minus 10 Prozent. Die Stimmung bleibt damit von einer «Zickzackbewegung» geprägt, die seit 2022 die hohe Volatilität der Weltwirtschaft widerspiegelt.

Entlastung durch US-Zölle

Ein wesentlicher Stimmungsimpuls kommt aus den USA: Die Schweizer Unternehmen haben erleichtert auf die Senkung der US-Zölle von zwischenzeitlich 39 auf 15 Prozent reagiert. Obwohl 40 Prozent weiterhin negative Auswirkungen erwarten, ist das weniger als im Sommer 2025, als noch 58 Prozent Belastungen durch die US-Zölle sahen.

Rund drei von fünf Unternehmen haben deshalb bereits Massnahmen ergriffen oder planen sie, etwa Margen zu reduzieren, Preise anzupassen oder alternative Märkte zu prüfen. Besonders auffällig ist, dass die Option einer stärkeren lokalen Präsenz in den USA an Bedeutung gewinnt: Der Anteil der Firmen, die sich eine solche Präsenz vorstellen können, hat sich binnen sechs Monaten nahezu verdoppelt.

Freihandel als Wachstumstreiber

Für Schweizer KMU spielen Freihandelsabkommen eine immer grössere Rolle. 69 Prozent profitieren bereits von mindestens einem Abkommen, und 61 Prozent erwarten künftig Nutzen aus neuen oder geplanten Vereinbarungen, besonders mit Indien.

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Wissen und Umsetzung noch Lücken aufweisen. Fehlende interne Expertise, administrative Hürden und komplexe Ursprungsregeln erschweren es vielen Firmen, bestehende Abkommen voll auszuschöpfen. Damit bleibt Freihandel zwar ein wichtiger Hoffnungsträger, aber noch kein Selbstläufer.

Gemeinsames Muster

Beide Länder eint ein ähnliches Grundmuster: Unternehmen sehen Chancen, aber sie kalkulieren stärker mit Unsicherheit, geopolitischen Schocks und höheren Reibungsverlusten im Welthandel. Deutsche Exporteure reagieren besonders mit Absicherung und Umstrukturierung, während Schweizer KMU auf Entspannung bei den US-Zöllen und auf Freihandelsabkommen setzen.  

Der Blick nach vorn ist damit nicht euphorisch, aber auch nicht resignativ. In Deutschland dominiert Resilienz unter Druck, in der Schweiz vorsichtiger Optimismus mit Blick auf neue Handelsräume. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind für Exporteure weiterhin entscheidende Faktoren. Diversifikation der Absatzmärkte und resilient gestaltete Lieferketten bleiben ein Gebot der Stunde. Zusätzliches Gewicht erhält auch die Forschung und Entwicklung: Denn nur mit stetiger Innovation sind Unternehmen in der Lage, in ihren Bereichen die Marktführerschaft zu erreichen und zu behaupten. Etwas, was KMU in der Schweiz und auch in Deutschland bisher schon immer gut konnten.

Quellen: Allianz Trade und Switzerland Global Enterprise S-GE

(Visited 146 times, 1 visits today)

Weitere Beiträge zum Thema