Schweizer Insolvenzen erreichen historischen Rekord

Der weltweite Kreditversicherer Allianz Trade prognostiziert für 2026 rund 14’000 Unternehmensinsolvenzen in der Schweiz – ein neuer historischer Negativrekord. Der Nahostkonflikt verschärft die Lage zusätzlich und treibt die globalen Pleiten auf ein Fünfjahreshoch.

Schweiz erwartet 14'000 Insolvenzen, ein historischer Negativrekord. Quelle: zvg
Global Heat Map: Wo auf der Welt drohen am meisten Insolvenzen? Allein die Schweiz erwartet 14’000 Insolvenzen, ein historischer Negativrekord. Quelle: Allianz Research

Die Schweiz steht vor einem beispiellosen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen. Laut dem aktuellen globalen Insolvenz Report von Allianz Trade, dem weltweit führenden Kreditversicherer, werden für das Jahr 2026 rund 14’000 Insolvenzfälle in der Schweiz erwartet. Das entspricht dem sechsten Anstieg in Folge, doppelt so vielen Fällen wie im Jahr 2022 und fast dreimal so vielen wie im Durchschnitt der Vorpandemiezeit.

Neues Insolvenzsystem als zentraler Treiber

Ein entscheidender Faktor für diesen massiven Anstieg ist das neue Schweizer Insolvenzsystem, das am 1. Januar 2025 in Kraft getreten ist. Mit der Aufhebung der Absätze 1 und 1bis von Artikel 43 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG) können öffentlich-rechtliche Schulden – darunter Mehrwertsteuer, Steuern und Sozialabgaben – neu direkt zum Konkurs eines im Handelsregister eingetragenen Unternehmens führen, anstatt wie bisher im Pfändungsweg weiterverfolgt zu werden. Von dieser Reform sind alle registrierten Unternehmen und Rechtsstrukturen betroffen, einschliesslich selbstständig Erwerbender.

Jan Möllmann, CEO von Allianz Trade in der Schweiz, ordnet die Lage folgendermassen ein: «Neben dem neuen Insolvenzsystem tragen aber auch der unterdurchschnittliche Wirtschaftsausblick und die Wachstumsprognosen, die aufgrund höherer Energiepreise und globaler Unsicherheiten nach unten korrigiert wurden, zum Negativtrend bei. Aktuell erwarten wir, dass der Anstieg der Insolvenzen im Jahr 2026 bei +20 % liegen wird – nach +38 % im Jahr 2024 und +17 % im Jahr 2023 –, bevor ab 2027 eine Normalisierung einsetzt (−3 %).»

Nahostkonflikt verschärft globale Insolvenzlage

Auch international zeichnet sich eine deutliche Verschlechterung ab. Die Krise im Nahen Osten hat die Volatilität auf den Energiemärkten erhöht, die Transportkosten verteuert und globale Lieferketten destabilisiert. Allianz Trade rechnet für 2026 weltweit mit einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 6 % – zum fünften Mal in Folge. Vor dem Konflikt hatte die Prognose noch bei +3 % gelegen.

Aylin Somersan Coqui, CEO von Allianz Trade, kommentiert: «Diese Situation treibt die Kosten entlang globaler Wertschöpfungsketten in die Höhe, von der Agrar- und Lebensmittelindustrie über das verarbeitende Gewerbe bis hin zum Gesundheitswesen und zur Technologiebranche. Zudem verschärft sie den Druck auf energieintensive Sektoren wie Transport, Chemie und Metall. Die Kombination aus schwächerer Nachfrage, steigenden Inputkosten und angespannten Finanzbedingungen belastet Unternehmen mit schwacher Preissetzungsmacht, geringen Margen, hoher Verschuldung oder strukturell erhöhtem Betriebskapitalbedarf. Im Vergleich zu unserer Prognose vor der Krise wird der direkte Schaden des Nahostkonflikts weltweit 7000 zusätzliche Unternehmensinsolvenzen für 2026 und 7900 für 2027 bedeuten.»

Grossinsolvenzen, vierteljährliche Zahlen, nach Branchen, weltweit. Quelle: Allianz Research

Worst Case: Eskalation würde Lage weiter verschärfen

Sollte die Strasse von Hormus längerfristig blockiert bleiben, könnten sich die Folgen durch anhaltende Versorgungsunterbrechungen bei Öl und Gas sowie bei weiteren Rohstoffen wie Düngemitteln und Helium erheblich verschlimmern. Maxime Lemerle, leitender Analyst für Insolvenzforschung bei Allianz Trade, warnt: «Eine anhaltende und weitreichende Eskalation würde dazu führen, dass die weltweiten Insolvenzen im Jahr 2026 um 10 % und im Jahr 2027 um 3 % steigen. Dies würde im Zeitraum 2026–2027 rund 4100 zusätzliche Insolvenzfälle in den USA und 10’500 in Westeuropa bedeuten.»

Millionen von Arbeitsplätzen in Gefahr

Der prognostizierte Anstieg der weltweiten Unternehmensinsolvenzen um 6 % im Jahr 2026 setzt auch Arbeitsplätze unter Druck. Allianz Trade schätzt, dass rund 2,2 Millionen Stellen direkt gefährdet wären – 94’000 mehr als im Vorjahr. Besonders betroffen wären laut Lemerle die Sektoren Bauwesen, Einzelhandel und Dienstleistungen. Europa führt mit 1,3 Millionen potenziell betroffenen Arbeitsplätzen die weltweite Statistik an. Westeuropa und Nordamerika dürften beide ein 12-Jahres-Hoch verzeichnen. Insgesamt könnten die durch Insolvenzen bedrohten Stellen rund 6 % der Gesamtzahl der Arbeitslosen in den USA und Europa ausmachen.

Globale und regionale Insolvenzindizes, Jahresniveau, Basis 100: Durchschnitt 2016–2019. Quelle: Allianz Research

Stabilisierung erst 2027 erwartet

Für 2027 rechnet Allianz Trade auf globaler Ebene mit einer Stabilisierung auf hohem Niveau – vor dem Nahostkonflikt war noch ein leichter Rückgang prognostiziert worden. In der Schweiz wird ab 2027 eine Normalisierung erwartet, mit einem Rückgang der Insolvenzfälle um voraussichtlich 3 %. Bis dahin bleibt die Situation für viele Unternehmen – insbesondere KMU – herausfordernd.

Insolvenzen 2026, jährliche Veränderung in %. Quelle: Allianz Research

Quelle: Allianz Trade

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