GenKI bei der Arbeit: Was tägliche Nutzung mit Menschen macht
Das IAP Institut für Angewandte Psychologie hat 30 Fach- und Führungspersonen befragt, die generative KI täglich im Arbeitskontext nutzen. Die Studie zeigt: GenKI verändert Arbeitsweisen spürbar – und stellt Individuen, Teams und Organisationen vor neue Herausforderungen.

Das IAP Institut für Angewandte Psychologie der ZHAW führt seine Studienreihe «Der Mensch in der Arbeitswelt 4.0» weiter. Die aktuelle qualitative Interviewstudie vertieft die Erkenntnisse einer vorangegangenen quantitativen Erhebung und fragt gezielt nach den Auswirkungen der täglichen GenKI-Nutzung auf Individuen, Teams und Organisationen. Befragt wurden 30 Fach- und Führungspersonen, die generative KI bereits im Berufsalltag einsetzen – 26 davon in kleinen und mittleren Unternehmen.
Effizienz und Entlastung – aber auch steigender Druck
Die Mehrheit der Befragten nutzt GenKI täglich bis zu 60 Minuten, zwölf Personen sogar länger als eine Stunde. Der Einsatz erfolgt primär als Assistent:in und Werkzeug: Texte erstellen oder überarbeiten, Informationen strukturieren und Ideen entwickeln stehen im Vordergrund. Intensivnutzende gehen weiter und setzen GenKI als Sparrings- oder Diskussionspartner ein – oder als eine Art Expert:in für komplexere Fragen.
Die psychologischen Effekte sind vielschichtig. Einerseits wird GenKI als unterstützend und entlastend erlebt. Andererseits berichten einige Befragte von wachsendem Druck: Da sich Aufgaben schneller erledigen lassen, steigen die Erwartungen an Produktivität. Hinzu kommt die Sorge, mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt halten zu können. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten bleibt bei den meisten jedoch stabil oder hat durch die Nutzung sogar zugenommen. Interessant ist auch: Nutzer:innen empfinden Stolz für gute GenKI-generierte Ergebnisse – besonders dann, wenn sie selbst einen wesentlichen Beitrag zum Resultat geleistet haben.
Rollen bleiben stabil, Arbeitsweisen verändern sich
Die Auswirkungen auf berufliche Aufgaben und Rollen zeigen sich bislang graduell. GenKI verändert in erster Linie die Arbeitsweise und weitet Aufgaben schleichend aus, während die eigentlichen Rollen weitgehend stabil bleiben. Zeitersparnisse werden genutzt, um mehr ähnliche oder andere Aufgaben zu bewältigen. Über die Hälfte der Befragten nimmt ihre Arbeit durch den Einsatz von GenKI als wertvoller wahr.
Nicht für alle potenziellen Einsatzbereiche wird GenKI tatsächlich genutzt. Unsicherheiten hinsichtlich der Zuverlässigkeit der Ergebnisse, Datenschutz- und Sicherheitsbedenken sowie die Bedeutung des kollegialen Austauschs – insbesondere bei komplexen oder kontextabhängigen Fragestellungen – sind die meistgenannten Gründe dafür.
Teams im Spannungsfeld: Mensch und Maschine
Innerhalb von Teams wird GenKI unterschiedlich intensiv und nur punktuell gemeinsam genutzt. Der Austausch über den Einsatz von KI erfolgt meist informell. Die Einschätzungen dazu, ob GenKI die Teamkommunikation verändert, sind geteilt: Wo Veränderungen wahrgenommen werden, sind diese überwiegend positiv – in Form gesteigerter Qualität und Effizienz. Gleichzeitig wird GenKI gegenüber dem kollegialen Austausch als niedrigschwellig und jederzeit verfügbar eingestuft, ihr wird jedoch häufig fehlendes Kontextwissen und eine geringere kritische Perspektive zugeschrieben.
Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, dass im Team Diskussionen über den möglichen Wegfall von Aufgaben und Funktionen durch GenKI stattfinden – ein Zeichen dafür, dass die Technologie die Zukunft der Arbeit auch emotional beschäftigt.
Komplementäre Zusammenarbeit als Leitbild
Insgesamt zeichnet sich als Idealbild eine komplementäre Zusammenarbeit ab: GenKI übernimmt unterstützende Funktionen, während der Mensch die steuernde und verantwortliche Rolle behält. Als zentrale Erfolgsfaktoren auf Team- und Organisationsebene nennen die Befragten den Aufbau von Kompetenzen, klare Rahmenbedingungen sowie eine kohärente Haltung und Strategie zum Einsatz von GenKI. Die persönliche Weiterentwicklung planen die meisten durch selbstgesteuertes Lernen, Learning-by-Doing und Erfahrungsaustausch.
Quelle: https://www.zhaw.ch/iap.
